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Tut das Not?!

Tut DAS Not?!

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Zumindest inhaltlich ist dieser Satz mir im letzten Jahr, gefühlt, zu oft begegnet. Daher nun eine kurze Abrechnung was, warum, wann nötig ist, selbstredend aus meiner subjektiven blonden Sicht auf meinen kleinen bescheidenen, überschaubaren Lebensbereich. Wenn man sich mit der Fragestellung auseinandersetzt kommt man sehr schnell vom Kleinen ins Große, denn egal was man auch immer sagt, tut, kauft, es wird kommentiert. Nun ist das kein neues Phänomen, aber in Zeiten von Internet hat sich die Schnelligkeit, Intensität, Art und der Kreis aus dem Lob und Kritik auf einen nieder prasselt extrem verändert. Natürlich ist Niemand gezwungen sich im virtuellen Raum zu bewegen und jeder trägt selbstverantwortlich das Maß indem man sich der Öffentlichkeit preis gibt. Mich erstaunt trotzdem in welchen Zusammenhängen diese als Frage getarnte Negierung mir so schon begegnet ist. Da wäre beispielsweise der sehr banale Kauf einer zugegebener weise ziemlich teuren Küchenmaschine, obwohl wir unsere Küche kernsaniert und ins 20. Jahrhundert transferiert hatten. Nein, es war nicht lebensnotwendig, ich könnte auch wie Jamie Oliver über einem aus Metallbügeln selbstgebogenen Rost und gesammeltem Holz, im Garten einen Steinkreis bauen und meiner Familie ein acrylamidreiches 12 Gängemahl mit reichlich Röstaromen, brutzeln. Ich müsste dafür nur um 4 Uhr in der Früh anfangen Holz im Wald zu sammeln und die Gänge würden dann sehr zeitnah im Raum von fünf Tagen serviert werden, wenn sie nicht schon vorher in Flammen aufgegangen wären. Ich würde auch nie wieder etwas anderes tun als kochen, innerlich und äußerlich. Ich bin kein Küchengerätejunkie, weil die Viecher meistens zu kompliziert, zu sperrig, zu spezialisiert sind, aber wo mich Geräte entlasten, finde ich sie genial. Zu dem angesprochenen Gerät- In meinem Fall, tat sie Not. Sie ist täglich im Gebrauch, bei einer Familie mit und ohne Fell, die aufgrund ihrer gesundheitlichen Problematik oder Ernährungspräferenzen frisch und zusatzstofffrei bekocht werden will, ist der Fruppsler sein Geld wert. Und kann man das denn überhaupt kochen nennen?! Mir doch egal, ich nenne es grundsätzlich experimentelles Kochen in bestem Fall mit sättigendem Ergebnis, das eventuell auch schmackhaft wird. Über den Fruppselhäckselkochdings und seinen Schritt für Schritt Kochbüchern, habe ich mich an Gerichte gewagt, die ich schon immer mal probieren wollte, aber mir nie nicht zutraute. Nun nach einigen gelungenen Experimenten, könnte ich unter anderem eine sauleckere Linsensuppe auch ohne ihn oder sein Kochbuch herstellen. Und ich traue mir mittlerweile Alles zu, denn was ist das Schlimmste , was passieren könnte beim Kochen ( Abfackeln der Küche mal ausgenommen)? – Stimmt ,Mist  verkackt, schmeckt nicht, mach ich eben nie wieder. So what? Wenn das nicht „Learning by doing“ ist? Was soll überhaupt die Frage, ob es „richtiges“ kochen ist? Wenn ich ein unfassbar teures Kochbuch von irgendeinem Sternekoch kaufe, der seit Jahren keinen Kochlöffel mehr geschwungen hat und seine meist wenig telegene Fresse in jede Kamera hält, ich dann seine Zutatenliste, die unbedingt einzuhalten ist, von 276 unterschiedlichsten Ingredienzien zusammen kaufe, von denen ich 271 nie wieder brauchen werde, mit seiner höchsteigenen, getrocknete Kräuterproduktlinie verwürze, wo lediglich die Originalfirma, nennen wir sie mal Fuchs, mit dem exklusiven Bazilogo überklebt und damit seinen Verkaufswert um das 200 fache gesteigert wurde, ist das dann Kochen in Echt? Tatsache? Na, dann kocht doch so, kann doch jeder halten, wie er mag.
In einem Bereich, der mir sehr am Herzen liegt, mir Erfüllung und Lohn beschert, kommt die Frage, ob denn nach so vielen Jahren Berufserfahrung und unzähligen Fortbildungen, es denn wirklich nötig sei, schon wieder eine Fortbildung zu besuchen, die Zeit und Geld kostet, für mich immer wieder überraschend und ist mehr als ärgerlich. Ich habe unter viel Impulskontrolle gelernt, in meinem Privatbereich Gespräche über Hunde und Training, ihr Verhalten, Ernährung, Gesundheit, Bedürfnisse und todsichere Tipps, innerlich komplett abzuschalten. Kann ich nicht physisch in den „Ich bin dann mal weg Zustand“, halte ich es mit den Kerlen. Ich höre weg. Komplett und konsequent. Das debile Lächeln auf meinem leeren Gesicht zeugt nicht von Nachsicht sondern von geistiger Abwesenheit, anders wäre es nicht zu ertragen oder würde vermutlich die eine oder andere Freundschaft auf eine harte Belastungsprobe stellen. Ich weiß, dass du nichts weißt, aber im Gegensatz zu früher, muss ich es dir nicht mehr sagen. Auch das, habe ich gelernt, ich nehme mich nicht mehr so unfassbar wichtig. Hat man denn nicht langsam mal ausgelernt? Ja, wenn man selbstzufrieden, unkritisch und unergieizig ist, sicher. Ich genieße diese Zeit der Fortbildung. Sie bietet nicht nur neue Nahrung für die Wissbegierde, bringt die hohle Nuss auf Touren, trainiert das Hirn und lässt die Neuronen zu wahren Bltzlichtgewittern erglühen. Allein der Luxus unter Gleichgesinnten, sich mal einer einzigen Sache über mehrere Tage zu widmen, ohne Ablenkungen, ohne andere Verpflichtungen, ein Genuss. Mir wird bei jeder meiner Fortbildungen klar, dass ich die Queen des Inselwissens bin und nur zwischen einigen Bereichen schwankende, fragile Pontons bestehen. Je mehr ich erfahre, desto mehr wird mir klar, wieviel noch zu lernen und entdecken ist, in meinem Fall, ist Fortbildung also nicht nur nötig, sondern überlebenswichtig.
War DAS wirklich nötig?!! Ist sicherlich eine berechtigte Frage, wenn du mein Sohn, Vater, Mann, Bruder, Freund, was auch immer bist und ich dich durch eine meiner „Ich rege mich furchtbar auf“ und kann die Klappe nicht halten, gerade in eine peinliche, unangenehme oder gar kritische Situation gebracht habe. Sicherlich ist meine Art des Humors und lauten Widerspruches in vielen Fällen völlig überflüssig, vorlaut und dient mehr dem persönlichen Druckluftausgleich in meinem Überdruckkessel als der Verteidigung wichtigen menschlichen Grundrechts. Also narzisstische Selbstbefriedigung statt heroenhafter Zivilcourage.In diesen Momenten, bekomme ich aus meinem direktem Umfeld unterschiedlichste Formen der EinNordung. Der beste Dad schaut altersweise und schmunzelnd auf die gestikulierende, schnaubende und tobende Zwergzicke mit der Bitte meine Krallen wieder einzufahren und den Gegner am Leben zu lassen. Der beste Bruder ist mit ähnlichem Humor und dem Besserwissergen geschlagen und duelliert sich daher gerne mit dem tasmanischen Biest, um sich ab und an mit einem Gegner auf geistiger Augenhöhe zu messen. Psychisch versteht sich,physisch, schaue ich ihm eher auf die Nippel als in die grüngrauen Augen. Der beste Kerl stoppt mich eher brüsk mit :“Na, mal wieder als Frau Professor Doktor Schlauschlau unterwegs?“ Was so oder so wirken kann. Tagesform abhängig. Dagegen setzt der beste aller Söhne auf Diplomatie und Deeskalation. Wenn er genügend Vorlauf hat, führt er ein Gespräch so geschickt, dass ich im Verlauf der Argumentation erst bemerke, dass er mich auf sehr liebevolle Art ausgebremst hat. Ist vor allem immer dann von Nöten, wenn er dringend vermeiden möchte, dass ich mich als Fahrerin bei einer Fahrt ins Spiel bringe. Er versucht es dann immer mit einer fast empörten Rede, in der all meine Fahrten und guten Taten hervorgehoben werden, die ihn zu dem Schluss kommen lassen, dass es ja nicht angehen kann, dass immer alles an meiner Person hängen bleibt, wo ich schließlich immer führe und wenig Zeit hätte, andere Mütter, mittlerweile fahrberechtigte Freunde, seien AUCH mal dran. Hört sich alles besser an, als ein plumpes „Nein. Alle, Nur Du Nicht!“ . Wenn er keine Zeit hat, weil das HB Männchen in mir in 2,7 Sekunden von 0 auf 1000 geht, hebt er gerne beschwichtigend seine filigranen Hände, schaut mir beschwörend in die umherirrenden Augäpfel und senkt die erwachsende Stimme auf ein kindlich flehentliches Timbre:“ Mama!!!!!!???? (Er sucht wahrscheinlich in diesen Momenten, die Iris in all dem Weiß der rollenden Augen und über die Ansprache meiner Funktion ihm gegenüber als dereinst ihn gebärendes und erziehungsberechtigtes Wesen mit Vorbildfunktion, das letzte bisschen Verstand zwischen meinen Ohren zu erreichen) Wenn er das Gefühl bekommt, dass ich ihn wenn auch vage, aber wieder verschwommen wahrnehme, kommt dann die immer gleiche Ansage:“ Du musst das jetzt nicht SCHON wieder regeln!“ Manchmal, immer öfter, hat er sogar Erfolg damit, mit dieser inständigen Bitte ihm die Peinlichkeit mit der duschgeknallten Blondine gesehen zu werden, zu ersparen. Aber wehe, ich bin alleine unterwegs! Tatsächlich ist Gegenrede unbequem, macht Mühe, Ärger und ist anstrengend. Aber gerade deshalb tut sie Not.                                                                     Im Internet habe ich es so gut wie aufgegeben. Ich „entfreunde“ mich mit den unbelehrbaren, realitätsfremden, faktenfreien „Isten“, die mir weder gut tun, noch an einem Austausch interessiert sind. Ich bewundere Menschen, wie meine Freundinnen Heike Palm oder Manuela Roethenbacher, die tapfer dort hin schreiben, wo es wirklich weh tut. Sie hinterfragen, untermauern mit Zahlen, Daten und Studien, sie lassen sich anfeinden auf teils niedrigstem Niveau und bleiben trotzdem sachlich. Dazu fehlt mir Nerv und Magenflora, es bereitet mir Wut und Übelkeit. Ebenso, wie das stumpfe aneinanderreihen von negativen Posts, zu welchem Thema auch immer. Angst und Aggressionen hinterlassen in Gehirnen deutliche Spuren, daher achte ich in den letzten Jahren sehr auf mein Umfeld. Eine Aura von permanenter Depression, Hass, Panikmache oder bewussten Unwahrheiten, sind kein Boden auf dem irgendetwas entstehen oder erwachsen kann. Hier bietet das Internet eine Plattform, die einem das Gefühl vermittelt, dort draußen wimmelt es nur so von Arschlöchern. Diese Empfindung täuscht. Sie sind nur geschickt darin die virtuellen Kanäle für ihre Zwecke zu missbrauchen, sich größer und wichtiger zu machen, als sie sind, ist ihr ganzer Lebensinhalt. Populismus ist in seiner Hirnlosigkeit kaum zu unterbieten. Er ist gekennzeichnet durch billige Panikmache, bewußte Provokation, ein klar definiertes Feindbild, falsche Zahlen, die emotional so gefärbt werden, dass sie im Gedächtnis bleiben, wie schmieriger Stuhlgang am Arsch und einfach gestrickte, schmissige Slogans ohne wirkliche Aussage. Besonders beliebt ist der inhaltlich stets gleiche Satz bei allen Populisten, den der rotgesichtigen ZoppoTrump zwar nicht erfunden, aber im Wahlkampf schwellartig erbrochen hat: „Make what ever great again.“ . Das ist so hohl, dass es weh tut. Gut „Yes, we can.“ , fand ich ebenso dämlich und gemessen an 8 Jahren Amtszeit auch noch erschreckend ergebnislos. Was können wir? Swingend die Airforce One Gangway herunter hopsen? Die amerikanische Hvmne soulig intonieren? Tanzen, mit und ohne Michelle? Fliegen mit einer Hand fangen? Alles ganz nett, aber reicht das als amerikanischer Präsident? Anscheinend stehen die Wähler auf solche Floskeln. Naja, es sei denn es kommt von einer Frau, die seit zwei Amtszeiten für Sachlichkeit und eine unaufgeregte Art der Politik des Dialoges steht und trotzdem auch zu überraschen wusste. Also vor allem mich, die sich immer weit links von ihr gesehen hat und seit zwei Jahren tatsächlich immer öfter in die Verlegenheit kommt, die Bundeskanzlerin und ihre Positionen zur Flüchtlingspolitik oder den Atomausstieg , zu verteidigen. Jepp, ich bin irgendwie auf einmal, ungewollt, in der Mitte der Gesellschaft angekommen, aber in Zeiten von ganz links und rechtsaußen aufmarschierenden Formationen, von Nöten. Manchmal tut sie mir sogar leid, weil sie tagtäglich mit Menschen wie Seehofer, Dobrindt, Wagenknecht, Gabriel und Co. zusammen arbeiten muss. Vermutlich ist ihre berühmte Raute ein Mantra und heißt:  Alles Arschlöcher, alles kleine Arschlöcher….Anstatt Stolz auf dieses Deutschland zu sein, das ein mutiger Gegenentwurf sein könnte zu Resteuropa und alle ISIS Propaganda Lügen straft, geht das maulende Wutwürgereiztum auf die Straße und skandiert „Wir sind das Klov.“ Make us great again. Dafür wählen sie den ehemaligen Klassenfeind, lassen sich beschimpfen, denunzieren, auf niedrigste Art auf ihr Geschlecht reduzieren, sie wählen den Typen, der ihren Frauen an die Pussy grabt, weil er sie kaufen kann, wenn er will. Frauen wählen ihn, weil er ihnen an die Pussy fasst, wenn er Bock drauf hat? What?! Ist dies das Frauenbild, welches ihr euren Kindern vorleben wollt? Make my Profilneurose great again“.  Das Credo der kleinen Kerle aus Ankara, dem Kreml, Amerika. Sie erheben sich aus ihrem nichtigen Sein im Schlamm und kratzen an den Türen des Elyseepalastes und dem Regierungssitz von Den Haag, aber auch von Berlin. Man mag als Bürger enttäuscht vom Establishment sein, man mag sich verraten fühlen von „Denen da Oben“, aber das entbindet nicht vom Denken und Eigenverantwortung. Eine Petry zu wählen, die einer Partei vorsteht, die unsere Verfassung nicht anerkennt, Hass sät, Frauen an den Herd zurück beordern will als Geburtsmaschinen, den Mindestlohn abschaffen will, die Schuldfrage im Scheidungsrecht nur wegen des persönlichen Lebenswandels der Parteivorsitzenden zurück gestellt hat, den Schießbefehl an der Grenze ebenso dreist fordert, wie die Entnazifizierung von Begriffen wie „völkisch“. Einen Seehofer, der alle Skrupel und jeden politischen Stil verloren hat und die Toten von terroristischen Anschlägen vor seinen Dreckskarren versucht zu spannen und dann auch noch dummdreist behauptet, das er dies im Auftrag des Volkes tut?  Nicht in meinem, mein Herr. Ganz sicher nicht. Mal ehrlich „Make blabla big again. Was soll das sein? Tut das Not? Es hört sich an wie die Aufforderung zu einem blow Job. Vielleicht wäre das die Lösung für die Mädels, die einen Mann wählen , der ihnen Missbrauch verspricht. Blast ihm einen, während er euch an die Pussy packt! Das hält euch gemeinsam davon ab weiterhin euren Schwachsinn in die Welt zu tragen. Und ihr seht, wie schnell „make him big“ die ganze aufgeblasene herrliche Pracht verliert und verdammt schnell wieder in sich zusammen fällt, zu dem was er ist. Ein kleiner, faltiger, alter Sack, der so Gernegroß wäre. Heilsame Lernerfahrung. Und DIE tut Not, dringend.


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Ein Rummelschubser vs. Glioblastom et alia

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"Loriot is always sitting on my shoulder"

Arno von Rosen

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