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„Scoville“

Da geht man einmal Fremd! Ein einziges Mal. Und Zack, kalt erwischt. Ja, nicht was du jetzt denkst!! Ich war Fremd- Pflanzen- kaufen. Einmal nicht beim Dealer meines Vertrauens, weil Sonntag und ich auf dem Nachhauseweg und das Grünzeugskaufgeschäft zufällig auf meiner Route lag. Also kurz entschlossen angehalten, auf den Parkplatz gegurkt und direkt bereut, es getan zu haben. Bei über 20 Grad, direkt nach den Eisheiligen, Parkplatz voll und platzt aus allen Nähten. Blech- und Einkaufskarren soweit das Auge blicken konnte. Stimmengewirr. Greinende Kinder, die ihr Glück an einem Sonntag einen Ausflug in ein Gartencenter zu unternehmen, irgendwie gar nicht in Worte fassen konnten. Da war das Versprechen auf ein „Würstcken, wenn wa nachher fertich sind, woll?!“, nur eine lahme Entschädigung. Es machte sich der Eindruck breit,  das Alles was zwei grüne Daumen sein eigen nannte, sich versammelt zu haben schien. Hier und Heute. Welch eine Überraschung. Also zumindest ich war überrascht. Der Rest der Welt vermutlich weniger. Ich parkte meinen kleinen freshen Corsa, den ich mir seit Neuestem im Rahmen des betreuten Fahrens mit dem besten Sohn teile. Das silberne Fliwatüt hat eine crazy Diskoinnenbeleuchtung, die cool aussieht, aber eine Entzifferung des Displays oder anderer Geräte bei Sonneneinstrahlung leider unmöglich macht. Einen Schaltknauf, der aussieht wie ein silberner Golfball, stylisch, sicher, aber mit mehr als unangenehmer Haptik und dem störenden Nebeneffekt, dass einem bei  Minusgraden, die Schaltpfote an ihm fest friert. Eine Untenrumrundumplastikgummischürze, mit der man die Insekten von der Straße fegen, aber misslicher Weise, keinen Bordstein erklimmen kann. Abartig verkürzte Federbeine, um die Brauchbarkeit der antiken Bandscheibe beim Schlaglochtiefe ausloten zu testen. Einen Heckspoiler, der den Wagen bei maximaler Beschleunigung der fauchenden 69 Pferdestärken und eingesetzten KERS, vorm Abheben in ferne Galaxien schützt.  Analoge Fensterheber und Außenspiegel, also Kurbeln und Plastikpinörkel, die einmal mehr beweisen, dass optimal eingestellte Spiegel und heruntergelassene Fensterscheiben bei Hitze, völlig überbewertet sind und zweitens auch das einzigartige Saunaerlebnis zerstören. Immerhin fahren anscheinend alle coolen Kids, Corsa und unser Tuningmonster ist leicht auf dem Parkplatz wieder zu finden. Mein Sohn liebt seinen „heißen Kessel“ und der Kleene erfüllt zudem alle unsere Erwartungen an Sicherheit an seinem ersten eigenen fliegenden Teppich. Und für mich? Da sich die Kiste per neuer Kupplung schalten lässt wie Butter und schnell seine Leistung auf den Asphalt bringt, macht das Fahren auf buckelfreier Piste wirklich Laune.  Ich unterfliege jeden Radar und kann auf zwei Rädern durch die Kurven pesen. Ich parkte also den silbernen Zwerg selbstbewusst neben einem riesigen, blubbernden Amischlitten. Wagen, die ich persönlich, durch die Bank hässlich und überflüssig finde. Der Fahrer schaute mitleidig auf meine kleine unterhubraumte Fußhupe herunter und ich blickte mitleidig zurück, auf seinen blechernen, stinkenden Dinosaurier. Ich tauschte den motorisierten Kinder- gegen einen Einkaufswagen, schob ihn durch die Glastür des Hochglanzpflanzentempels und durch die unübersichtlichen Gänge in den frostfreien Kaltbereich, um mich mit Gemüsesetzlingen einzudecken. Nachdem meine Kräuter zum allerersten Mal seit Jahren gediehen, war ich nun bereit und überheblich genug für Phase2. Selbstangebautes, unterschiedliches Gemüsedingsbums. Die Kälteschleuse öffnete sich und ich stand mitten in Veggiehausen. Wohin ich auch blickte, Kräuter, Gemüse, in allen möglichen und unmöglichen Variationen, Formen, Wachstumsphasen und Sorten. Es ging mir schlagartig wie vor dem Marmeladenregal im Discounter. Ein Gefühl der visuellen Überforderung, überrollte mich. Unruhig schwirrten meine Blicke, wie ein nahrungssuchendes Bienchen von Regal zu Regal, rauf , runter, zickzack, mir wurde schwindelig. In diesen Fällen hilft mir Distanz. Erst mal aus der Ferne einen Überblick verschaffen und das System durchschauen. Langsam verstand ich, dass die Gemüse grob nach Kräutern, Blattgemüse, einen riesigen Bereich Tomaten, Gurken, Zucchini, Paprika und Chili eingeteilt waren. Es gab immer noch Untergruppierungen in Anbauweise und Gebieten, wie Bio oder Mediterran. Dabei war mediterran sicher nicht die Anbauweise und ganz bestimmt nicht das Anbaugebiet, eher das Ursprungsland, aber das waren jetzt unnötige Wurzelspaltereien. Gerade lichtete sich das Dunkel in meinem verwirrten Hirn, da hatte ich sie am Arsch. Ein Pärchen. Seit wann ist das so? Scoville scheint die neue Einheit für langweilige Hippsterspießer zu sein, die sie als vermeintliches Alleinstellungsmerkmal, wie einen 80er Jahre Canabisbutton an ihrem Revers vor sich her tragen. Kann man sich mit zuviel Scoville Teile des Hirns weg brennen? Scoville = Doofville? Leider gibt es dazu keine belastbaren Zahlen, aber es wäre mal ein interessanter Ansatz, finde ich. Beide waren Anfang bis Mittdreißiger, sicherlich schon im „Wir sind bereit für den nächsten Schritt Pärchen Stadium“. Also nicht zusammen ziehen. Das waren sie vor , na sagen wir mal, vier Jahren. Seit zwei Jahren hatte gemeinsames Kochen mit und für Freunde, das abendliche Abhängen in HipKneipen und den samstäglichen NachsportschauSex abgelöst. Seit einem Jahr stellten sie im privaten Kreis „Das perfekte Dinner“ nach und seit ihrem Thailandurlaub vor vier Monaten sind sie ausgewiesene Experten in „Original Thaifood“. „Hot and spicy“ Also Originaler als das Original, versteht sich. Und SIE sind die Schärfsten. Also, die Allerschärfsten, zwischen hier und Bottrop. Selbstredend sind die Scharfmacherschoten, die der Einzelhandel für den normalen Langweiler so bereit hält, für unsere beiden Feuerschlucker, „Irgendwie so flach.“ Und auch gar nicht „Original!“ Natürlich weiß das nur Jemand, der dort war, und „original Streetfood“ gegessen hat. „So einfach und unverkünstelt halt.“ „Authentisch, eben.“ „Nich so wie hier….“ Ja nee. Is klar. Hier würde jeder Betreiber eines Imbiss, der Fleisch, dass das Wort „Kühlkette“ nicht einmal buchstabieren kann und nur durch die Zugabe von Methylalkohol und Scoville sein erneut aufflammendes Leben ein weiteres Mal aushaucht, bevor es beim Gast landet, das Ganze bei 40 Grad im Schatten und 80 % Luftfeuchtigkeit, ohne Klima und Hygeniehysterie versteht sich, geteert und gefedert werden, seine Lizenz auf Lebenszeit verlieren und vermutlich gezwungen werden seinen eigenen Fraß zum Beizen von Möbeln frei zu geben. Wir Deutschen, eben. Dieses verrückte Volk mit seinen ewigen Vorschriften. Das ist so … Wie heißt noch das Wort, das ich suche?? Ach ja, Vernünftig. Echt jetzt, wo bleibt denn da der Nervenkitzel? Das ist doch sowas von Kreuzkümmellangweilig, wenn ich schon vorher weiß, dass ich den Restaurantbesuch überlebe! Da könnte man ja auch gleich zum Samstagssex zurück kehren. Der kostet wenigstens nichts und man muss sich dazu nicht extra anziehen oder duschen, oder anderes anstrengendes Zeug. Obwohl, Nee. weiterlesen


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