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„Der schönste Tag im Leben.“ (September 2015)

Mein bester Bruder und seine Liebste „trauen“ sich an einem der nächsten Wochenenden. Wenn man als große Schwester ohne romantischen Ambitionen die nun ein Jahr andauernden Vorbereitungen für ein so großes Fest entspannt vom Spielfeldrand aus beobachtet, steigen automatisch die Erinnerungen an den eigenen „schönsten Tag des Lebens“ aus den Nebeln der Vergangenheit hoch. Wieso überhaupt „schönster Tag“?! Würde ja bedeuten, ab da geht es nur noch abwärts. Unser Tag war bestimmt nicht mal annähernd so, wie sich ein „Weddingplaner“, der dieses Fest mit allem drum und dran zu seiner Profession gemacht hat, ihn sich vorstellen könnte. Trotzdem dieser Tag so ganz anders war oder gerade weil, erinnere ich fast jeden Moment und muss noch heute laut lachen, wenn ich daran denke. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass „Heiraten“ für mich immer die letzte Bastion des Spießbürgertums war, die ich „nur über meine Leiche“ nehmen wollte. Zum Zeitpunkt unserer Hochzeit waren wir kurz vorher von zwei sich zugeneigten unabhängigen Lebensabschnittsbegleitern, zu lebenslangen Erziehungsverantwortlichen des besten Sohns befördert geworden. Damals kein Anlass für uns eine langjährig bewährte, gut funktionierende, juristisch betrachtet „eheähnliche Gemeinschaft“ in einen neuen juristischen Stand zu erheben. Alles lief soweit chic. Aber es scheitert wie so oft im Leben an den Kleingeistern, die man niemals rief. Bei uns in Gestalt einer spröden, misanthropischen, reaktionären Standesbeamtin aus Kamen. Deren Zuständigkeit hatten wir einzig dem Umstand zu verdanken, dass mein Unaer Arzt im Kamener Krankenhaus sogenannte „Belegbetten“ mit Gebärenden füllte. Nicht nur, dass ich mein Kind im Ausland gebären musste, denn Kamen hatte bis dato den gleichen Nimbus wie Bielefeld für mich. (Siehe unter „Die Bielefeld Verschwörung“). Nein, es bestand doch tatsächlich Meldepflicht unseres neugeborenen Klitzekleins in der fremden Stadt. Also eine moderne Version von Maria und Josef, ohne unbefleckte Empfängnis versteht sich, ohne Herodes, Stall, Ochs und Esel, dafür mit wieherndem Amtsschimmel. Die besagte Beamtin hatte augenscheinlich massive Probleme mit Neugeborenen, die einen Migrationshintergrund vorwiesen. Vielleicht nervte sie auch ganz allgemein unsere Herkunft aus der fernen Kreisstadt, der sie auf ihrem traurigen Vorposten unterstand. Vielleicht war es nicht ihr Tag, oder ihre Woche, ihr Jahr? Vielleicht war sie aber auch einfach nur Scheiße. Egal was der süßeste Neupapa auf der Welt auch anstellte, um das beglaubigte Dokument, dass unser Kind real existierte zu erlangen, es prallte von ihr ab und wurde negativ beschieden. Egal in wie viel Durchschlägen er alle notwendigen Antragsformulare einreichte. Egal wie oft er sich von mir beglaubigen ließ, das ich ihn für befähigt, zeugungsfähig und bevollmächtigt hielt- sie mochte das verfluchte Dokument nicht ausstellen. Sie sah bei ihren abschlägigen Bescheiden immer ein wenig wie Hape Kerkeling in seiner damaligen Kaffeewerbung aus: „Nein ich möchte das nicht!“ Weil paragraphengefaselblablabla… . Ich hatte in der einen Woche Krankenhausaufenthalt dreimal das Vergnügen mich auf eigenen Wunsch zu entlassen, mein Klitzeklein dort zurück zu lassen, weil er medizinisch versorgt werden musste, um mich mit der heiligen Hüterin der Melderegister zu fetzen. Macht echt Eindruck, wenn man mit einem aufblasbaren Schwimmreifen als Sitzhilfe auf einem Amt auftaucht. Hätte ich gekonnt, hätte ich den kleinen Kerl einfach wieder in den Geburtsgang zurück gesteckt und mich an der Nabelschnur zurück nach Hause gezogen. Was war das Problem der selbsternannten Grals Sektiererin? Nun mein Süßer hätte trotz fehlenden Trauscheins unser gemeinsames Kind gerne anmelden dürfen- aber schon mal gar nicht mit diesem Vornamen! Also mussten wir nachweisen, dass dieser Name ganz legal in einem europäischen Namensregister als Jungenname geführt wird und damit rechtens ist. Er bekam den für ihn erwählten Namen, aber nur mit einem Zweitnamen, weil man das Geschlecht des Kindes nicht an der Endung des Erstnamens fest machen konnte. Super, allein die Einigung auf die Erstwahl hat uns Tage gekostet. Jungsnamen sind echt eine schwierige Kiste! So zauberten wir einen zweiten, ungeliebten, aber der Dame geläufigen Namen aus dem Hut. Nach dem wir diese Kröte verdaut hatten, gingen wir davon aus, dass wir nun problemlos eine Anmeldung hinbekommen sollten. Wie naiv! Nun wir könnten ihn schon anmelden- aber nicht mit diesem Nachnamen(der Name meines eheähnlichen Lebenspartners und Erzeugers eines Teils des Genmaterials des kleinen Scheißers!!!). Lange Geschichte, ohne Sinn. weiterlesen


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