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„Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum- für Paarbeziehungen (oft) ein Grau`n…“(Dezember 2014)

Ich liebe Tannenbäume, ich hatte immer Einen, seit Kindheit, während des Studiums, in sämtlichen WGs, alleine wohnend, in Beziehung, als  Erziehungsverhinderte – Tannenbaum war Pflicht. Ich liebe diesen wunderbaren Geruch. Die Nachsicht dieses Gewächses mit sämtlichen individuellen kreativen menschlichen Auswüchsen, die sich über seine Zweige ergießen. Das stoische Ertragen von Familiendramoletten, schiefen selbsterzwungenen Gesungenen weihnachtlichen Liedgutes, ebenso wie das Hightechheruntergedudel von Rock Pop X – Mas Songs. Künstliche Beleuchtung, mal weiß, mal bunt, mal gelungen, mal wahnsinnig machend blinkend, manchmal aufdringlich wie eine Leuchtreklame an einem Pornokino, künstlichen Schnee, künstliche Tannenzapfen und künstliches Gelächter- der Baum steht stolz und langmütig strahlend inmitten des Familienfeierchaos, in hektischen Einkaufstempeln, auf zugigen Weihnachtsmärkten, da ist die viel besungene deutsche Eiche ein Scheißdreckweicheibaum dagegen. Und das obwohl die armen Nordmänner/Innen schon rund drei Monate zuvor aus ihrer Monokultur heraus geschlagen wurden, im hohen Norden oder im Sauerland, dort sinnlos durstend herumlagen, als Massenware verpackt und auf offenen Transportern ins  Weihnachtsgeschäft gefahren wurden (Fahrtwind ist der Tod aller Tannennadeln!! Frag den Landschaftsgärtner deines Vertrauens!! Deshalb ist der Transport einer drei Meter Tanne auf dem Dach eines FiatFuntoTintoPunzoCabrios nicht nur physikalisch totaler Schwachsinn, beziehungstechnisch ein tödlicher Fehler, sondern in erster Linie auch die Garantie für einen Tannenbaum, der am Tag nach Aufstellung in der überhitzten heimischen Weihnachtsbutze  den spontanen „Nude Look“ wählt und zu den Klängen von „Leise rieselt der…“ sein immergrünes Klei d von sich wirft.)

Egal ich schweife ab- Die gute Nachricht- Ich habe fertig, heißt, mein Bäumchen steht in einem gut gefüllten Wassereimer in unserem frostfreien, kalten Zwischenraum.  Selbstredend habe ich seine Kapillaren mittels einer Säge von was auch immer für Verstopfungen befreit, indem ich ihn mal eben eine völlig schiefe Scheibe von seinem Stamm abgesägt habe. Merke ein kariertes Holzfällerhemd macht noch keine/n Holzfäller/In. (Ja bester Papa, habe ich natürlich gemacht und mache ich vorm Einstielen natürlich eben nochmal.  Kostet mich ja nur eine halbe Stunde und monatelangen Muskelkater in der Schulter, eine auf ewig verharzte Buxe, schweißnasse Stirn und UnterMopsschweißgeruch, wenn ich mir mit viel Glück nicht ins Bein säge… ).

Aber vor dem „Ich habe fertig“, musste das Teil ja erst einmal gefunden, sondiert, gekauft, bezahlt, eingenetzt, eingebullit und nach Hause geschaukelt werden. Der Tannebaumbegleiter meines Vertrauens ist seit Jahr und Tag der beste Dad. Schon alleine weil ich die Logistik (den Transporter) und er die Zahlungsmittel stellt. Wir kaufen unsere Bäumchen immer beim gleichen Händler, auch wenn wir jedes Jahr auf Lockangebote umliegender fliegender Händler hereinfallen. Sie ziehen uns immer wieder magisch an, um dann nach etwa zwei Minuten doch wieder enttäuscht uns in Richtung Baumhutzelmännlein zu bewegen.  Hutzelmännchen?! Jepp! Er ist es, er ist etwa 165, trägt ein verharztes gelbes Ganzkörperkondom (eine OstfriesennerzLatzbuxe mit riesiger Kängurutasche vorne und Ostfriesennerzjoppe darüber. Er  könnte eine jüngere Ausgabe von „Opa Hoppenstedt“ (Loriot) sein, mit einem ungepflegten Riesenschnäuzer und der wahrscheinlich längsten Stirn der Welt (nein wir nennen es NICHT Glatze), umringt von einem Kranz wirrer grauer Haare.  Seine Kängurutasche teilen sich eine XXL Packung Glimmstengel mit Sturmfeuerzeug, die etwas feuchten, angeknitterten Geldscheine, in seinen ausgebeulten Hosentaschen verharzte Arbeitshandschuhe und das Klimperwechselgeld (falls Jemand tatsächlich so unverfroren sein sollte und auf Herausgabe des Wechselgeldes bestehen würde). Das ganze knorrige Männlein steckt in grünen alten, riesigen Gummistiefeln.  Ein Rumpelstilzchen der Tannenbäume. Aus seinem wettergegerbten Gesicht lachen zwei wache leuchtende Augen mit der Nach- und Weitsicht eines Sigmund Freud und ähnlicher Hornbrille wie Herrmann Hesse. Tannenbäume zu verkaufen ist eine Kunst und bedarf unendlicher Geduld, Menschenkenntnis und Liebe zu Menschen im Allgemeinen und Besonderen. Wir waren wie immer sehr früh am Morgen dort, eben genau dann, wenn der Verkauf in diesem Bauzaunkarree auf einem Parkplatz eingerahmt von lagernden, gestapelten Bäumen, beginnt. Das geschieht nicht aus Angst keinen Baum mehr zu ergattern- lächerlicher Gedanke am 12.12.. Es ist die Angst vor diesen ganz speziellen Kunden…

Dabei ist es eigentlich schnurz, wer vor uns dran ist, es ist zum wahnsinnig werden. Ich habe das nun schon so viele Jahre unfreiwilliger weise beobachten dürfen, dass ich blind ein Psychogramm und eine Familienaufstellung des jeweiligen potentiellen Tannenbaumkäufers erstellen könnte. Auffällig ist dabei die Entwicklung, die die männlichen Partner im Laufe der Beziehungsjahre in Bezug auf Tannenbäume und der Geschlechterrolle durchlaufen.

Nehmen wir die noch ziemlich frische, jungverliebte Ersternsthaftbeziehung. Beziehungsstatus bei FB „In einer Beziehung“, bei WhattsApp „Nur glücklich“, bei Twitter jagt ein bescheuerter Selfy den Nächsten mit debil grinsenden Paarportraits aus denen dem neutralen Betrachter der Hormonstatus als „overfload“ aus jeder Pore  entgegen schreit.  Der Status nennt sich „Überglücklich“ und dieser chemische Cocktail im Blut macht ja bekanntlich im Kopf sehr niedlich. Dieses Paar feiert sein erstes gemeinsames Weihnachten, in der ersten gemeinsamen Wohnung, die sie gemeinsam eingerichtet haben. Bedeutet , er stellt die Logistik und die Manpower, beide stellen, unter Zuhilfenahme großzügiger familieninterner Spenden, das Zahlungsmittel, ein schwedisches Möbelhaus stellt selbstlos die unaussprechlichen Objekte der  Begierde, sie stellt selbstverständlich den absoluten Geschmack inklusive totalitärer Entscheidungsgewalt. Beim Baumkauf läuft es ähnlich. Sie- einen Hauch zu chic um ernsthaft in Betracht zu ziehen, Hand an zulegen, entschlossen vorne weg. Er- lässig, verpennt, die schmierigen Haare unter einer Wollmütze gebändigt, die Hände tief in den Taschen seiner Jeans vergraben, die einen ungefragten, informellen Blick auf den Unterwäschengeschmack des Trägers frei geben. In ausgelatschten Sneakers, schleicht er hinter seiner Holden her, nicht recht ahnend was er hier überhaupt soll. Vorher war Weihnachten, einen Abend mit der Familie, Essen, Trinken, Scheck abholen, zwei Tage mit den Kumpels abfeiern bis der Arzt kommt, um sich schon mal auf die Silvesterparty einzustimmen. Mit dem aktuellen Beziehungsstatus ändert sich dies schlagartig, er weiß es nur noch nicht. Sie- lässt das arme Baumhutzelmännlein sämtliche zweitausendsiebenhundertunddrei Bäume auspacken, mit dem immer gleichen Ritual. weiterlesen


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Arno von Rosen

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