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„Mein Schatzzzzz“

Da ist das Ding! Ein Traum aus Chrom, Lack und Leder. Und wie der riecht! Nach – ja nach was eigentlich? Letztlich Humpe, entscheidend ist, wonach er nicht riecht. Nach Zigarettenrauch, kaltem , aufdringlichem, beißenden alter Aschergeruch. Ds war der einzige Makel seines Vorgängers, der selbst für unsere Verhältnisse eine extrem kurze Durchlaufzeit als unser Vehikel hatte.Dabei war ansonsten ein feines Fahrzeug, wenn da nicht dieser penetrante Gestank gewesen wäre. Ich frage mich, ob sein Vorbesitzer zum Rauchen statt auf den Balkon in sein Auto gegangenen ist, zusammen mit seinen drei Skatbrüdern und dem Malboromann mit seinem zigarrenrauchenden Gaul, um dort dem Gott der Glimmstängel eine Stange „Gitane ohne“ zu opfern. Wer jetzt behauptet, das sei doch gar nicht so schlimm- ich bestimme , was schlimm ist! Wer jetzt mit Mr. Schlauschlauaufbereitertricks um die Ecke schlockert- Maul halten! Dieser Wagen hatte alle bekannten und unbekannten  Geruchsbakterientötungsrituale hinter sich, die der Markt hergibt. Und ja, auch die ultrawirksame Ozonbehandlung war dabei- zweimal! Auch der Essigwasser/ Kaffeepulvertrick hat nicht gefunzt. Ja selbst Lufterfrischter,mein absolutes Grauen, kamen zum Einsatz. Frischluft- Fehlanzeige. Nun wurde er von einer neuen Familie adoptiert, zwei Kettenraucher, da hat der kalte Entzug unseres Wägelchen endlich ein qualmendes Ende. Und wir so? Endlich mal wieder ein neues Spielzeug auf vier Rädern. Wurde ja auch Zeit, endlich wieder Internetrecherche, Autohaushopping und ein Treffer im BMW Zentrum in Frankfurt. Macht doch immer wieder Spaß, diese Jagd nach einem Neuen. Ich fahre berufsbedingt und privat sehr viel mit dem Auto. Man könnte behaupten, ich verbringe mehr Zeit in meinem Fahrzeug als im Bett. Das ist nicht das hohe Klagelied einer rasenden Rastlosen, eher das Gegenteil. Mein Glück ist, dass ich wirklich gerne fahre, mein Glück ist auch, dass mein Süßer einen noch größeren Autotick pflegt wie ich, was bedeutet, dass ich immer genau den fahrbaren Untersatz unter meinen kleinen blonden Hintern schieben kann, der mir in meinem kleinen blonden Schädel so vorschwebt. In der Quintessenz könnte man sagen, ich wechsle lieber meine Autos, wie andere Leute ihre Unterwäsche als den Liebsten. Und ich habe meine jeweiligen Autos auch ein klein bisschen gern, also sogar ziemlich sehr gern. In einer Kutsche, die mir zur Wonne gereicht, fährt es sich doch viel entspannter. Selbst bei Stau oder wenn, wie erst Mittwoch, ich mein Kind mal eben ins Nachbardorf zum Training fahren sollte und aufgrund von Sanierungsarbeiten an sämtlichen Eisenbahnbrücken im Umkreis von 40 Kilometern (Tatsache!) keine Durchfahrt zur zielführenden B1 möglich ist. Macht einen Umweg von einer halben Stunde, heißt, ich konnte direkt als ich zurück war, wieder losfahren, um ihn abzuholen. Bleibt ja nicht aus, wenn man über Paris nach Hemmerde anreist. By the way, wenn man so von Umleitung zu Umleitung umgeleitet wird, durch die dörfliche Nacht, fallen einem zum ersten Mal die Weihnachtsilluminationen einiger Zeitgenossen ins entsetzte Auge. Mal ehrlich, zwischen „Oh Du Engelsgleiche“ und „Bück dich Engel!“, liegt manchmal nur ein Jägerzaun. Wo war ich? Ach ja. Wenn man all diese Puzzleteilen zusammen nimmt, zeichnet sich ein klares Charakterbild in Bezug auf mich und meine Spielzeuge aus Chrom und Blech. Frei nach Heinz Erhardt:“Das Berühren und vermacken von Fenster, Lack und Türen mit den Pfoten, ist verboten. Ansonsten gibt`s hier einen Toten.“ Heißt im Klartext: Finger vonne Dinger! Anscheinend hatten diese blonde Regel ein, zwei Individuen noch nicht so wirklich verinnerlicht in dieser noch laufenden Woche. Beim wöchentlichen Großeinkauf parke ich grundsätzlich möglichst am Ende der Welt, dort wo niemals nicht Niemand parken würde. Ganz einfach, weil ich die Kratzer, Dellen, Macken oder Lackspuren von unbeaufsichtigten, freifahrenden Einkaufswagen, Beifahrertüren oder Einparkkünstlern, die ihre Karren gerne mal gegen den Strom, quer in eine Parkbuchse und meine Fahrerseite setzen, einfach satt habe. An bestimmten Tagen, welche genau, konnte ich trotz penibelst angelegter Statistik und langjähriger Evaluation nicht heraus finden, sind all diese Maßnahmen, im wahrsten Sinne des Wortes für den Arsch. Vorvorgestern komme ich mit meinen Einkäufen in Richtung meines Wagens geschoben, steht doch tatsächlich trotz dreizig freier, besserer, näherer Plätze, ein Wagen neben Meinem. Alles drumherum frei. Während ich mich nähere,  sehe ich eine Frau um die Dreizig mit wagnerischen Ausmaßen. Nicht verkehrt verstehen, mir sind die Konfektionsgrößen von Mitmenschen völlig gleichgültig. Aber! Ja, natürlich kommt jetzt ein „Aber“. Aber, wenn ich schon eine unfassbar große Menge an Space um mich herum mit Materie und Leben fülle, muss ich diese Tatsache realisieren und in meinen Alltag integrieren. Beispiel: Meine Körpergröße misst in der Höhe, wenn man es denn Höhe nennen möchte, gerade mal 2/3 eines handelsüblichen Zollstocks. Das ist eine Tatsache und ich komm darauf gut klar. Aber es gibt ein paar Sachen in meinem Leben, die ich aufgrund der fehlenden Zentimeter gar nicht oder nur bedingt hätte machen können. NBA Profispieler , Obstpflücker (außer auf einer Erdbeerplantage), Dogdancer (es sei denn mein Partner hat ebenfalls Dackelbeine) oder Topmodell bei Lacroix. Als Idealbild einer XXL Muse von Rubens, verhält sich das ähnlich. Es gibt ein paar Dinge, die funktionieren nicht oder nicht so einfach als Curvy Christel. Verstecken hinter einem Laternenpfahl, Tandemsprünge, Topmodell bei Lacroix, beispielsweise. Was gar nicht funktioniert. Ist, zwischen zwei nebeneinander geparkten Wagen hindurch zu tänzeln, wenn da gerade mal 10 Zentimeter Platz sind. Ganz besonders geht das so was von nicht, wenn eins dieser Gefährte, meins ist.

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Je näher ich der Szenerie kam, desto unbegreiflicher erschien mir das Vorgehen der großen Unbekannten. Ich rief ihr aus einiger Entfernung zu, ob sie wohl die Güte hätte einen anderen Weg zu nehmen, weil es so ja wohl offensichtlich ein klein wenig zu eng sei. Sie reagierte nicht. Ich suchte in meiner Jackentasche nach meinem Autoschlüssel, ertastete die Vorderseite und drückte auf den hintersten Kontakt. Mein Wägelchen blinkte kurz auf und dann öffnete sich wie von Geisterhand, langsam aber kräftig, die Heckklappe. An ihrer Reaktion sah ich, dass sie erschrak und kurz inne hielt. Dann drehte sich sich weiter schräg zwischen den beiden Boliden und kämpfte sich weiter vorwärts in Richtung der Außenspiegel. „Heh!!!!“, brüllte ich empört und besorgt zugleich. Unbeirrt versuchte sie zunächst durch eine seitwärts Drehung und einer Streckung des Oberkörpers ihre Möpse oberhalb meines und ihr Hinterteil unterhalb des anderen Spiegels hindurch zu zwängen. Überraschenderweise klappte Plan B nicht wirklich, also was macht Frau? Na klar, völlig logisch und folgerichtig, reißt sie ihre Ärmchen in die Höhe und dreht sich um 180 Grad. Dort angekommen, versuchte sie nun das gleiche Schauspiel nochmal. Mit dem Unterschied, dass sie nun nicht mehr ihre Vorderseite an meinem unschuldigen Wägelchen rieb, sondern sich über ein gekonntes „Releve´“, geht doch Nichts über eine jahrelange Ballettausbildung, schoss es mir unsinnigerweise durch den Kopf, ihren Po in die Höhe liftete, um ihn oberhalb meines Spiegels auf die andere Seite zu verfrachten. Kurzfristig hatte ich soviel Fragezeichen auf die Stirn gemeißelt, dass ich fast vergaß, weiter zu laufen, um das was von meinem Auto noch nicht in ihrem Hintern verschwunden war, vor Schlimmeren zu bewahren. „STOP!“, brüllte ich „Die, die sich durch diese hohle Gasse quetschen musste“ an. Sie versuchte sich in Richtung Geräuschquelle zu drehen und blickte mich unschuldig über ihre Schulter fragend an. Ich riss alles auf, was mir zur Verfügung stand, Augen, Nasenlöcher und meine Klappe:“Steigen SIE sofort von meinem Spiegel herunter. Mein Auto braucht keine Wäsche. UND, es ist schon vergeben.“ Ihr Unterkiefer klappte herunter und sie stierte mich an, als ob ich ein Eichhörnchen auf dem Kopf sitzen hätte, das sich den Latz mit Nusskotze bekleckert hätte. „Häh? Was meinen Sie?“, unschuldig, aber auch etwas ängstlich, weil eine schnelle Flucht nicht möglich, da Madame ja unerwarteterweise in zwei 1000.- Euro elektrischen, beheizten, etwas überdimensionierten, zweckentfremdeten Spiegeldildos steckte. „Was ich meine?!!! Ich meine, dass es völlig überflüssig ist, auf einem fast leeren Parkplatz sich ausgerechnet zwischen zwei Autos durch zu quetschen, zwischen die kaum ein Blatt Papier passt! Und wenn man dann bemerkt, das es nicht so flutscht, wie man dachte, dann bewegt man sich einfach wieder rückwärts raus und vergewaltigt nicht die Spiegel beider Wagen!“ Nun schaute sich mich beleidigt an. Ein Ruck ging durch ihren Körper und die beiden Autos. Sie drehte sich diesmal nur um 90 Grad und ackerte sich zügig zum Heck der Wagengasse und dann flüchtend von der wutschnaubenden, durchgeknallten Blondine und dem bekotzten, lallenden Eichhörnchen weg. Ich tauchte ab und suchte kurz nach Spuren ihrer Schändung, von unten rief ich weiter tobend hinter ihr her:“ Und sollten sie schwanger werden, kommen sie ja nicht auf die Idee, Unterhaltsforderungen für die kleinen BMWastarde zu fordern!!!“ Sie war schon fort und hörte mich nicht mehr, was gut war. Ja ich war wütend und mal wieder über das Ziel hinaus geschossen. Aber. Hallo! Sie hatte Sex mit meinem Schatzzzzzzz……

Zwei Tage später, morgens um kurz vor 8 ist die Welt noch in Ordnung. Ich hielt auf dem Weg zu meinen Eltern beim Bäcker meines Vertrauens an, um ihnen Brötchen mit zu bringen. Der Bäcker liegt an einer, gerade um diese Zeit, gut befahrenen Straße. Das Kurzzeitparken vorm Bäcker auf beiden Straßenseiten entspannt die Verkehrssituation nicht wirklich, ist aber auch nicht lebensgefährlich. Die Mädels vom Bäcker kennen mich und meine immer gleiche Bestellung, das rettet mich verdammt oft vor Verspätungen. Gerade wenn ein Grundschulzwerg vor den Verführungen deutscher Bäckerkunst steht und sich trotz guter Vor- und Ratschläge aller Anwesenden, nicht entscheiden kann oder ein echter Kerl eben noch sechs belegte Brötchen, mit doppelt Käse, Salami, Senf und Mayo, ohne Salat und Tomaten, dafür Frikadelle mit ohne Zwiebeln und einer Bild to go, den ganzen Laden aufhält. Diesmal war es mal wieder eine Riesentonne an dem ein Zwerg hing, die freundliche Bäckerin machte mir eben nebenher meine 10 Brötchen fertig, ich reichte ihr schnell das Geld und war schon wieder vor der Tür. Ich bugsierte mich vorsichtig um die Motorhaube meines Autos und drückte die Fernbedienung, um ihn zu öffnen. Der nicht abreißende, fließende Verkehr, zwang mich, mich mit dem Rücken an die Fahrertür zu stellen, um eine Lücke in dem vorbei fahrenden Autokorso  abzuwarten. Nur zur Info. Wenn ich mich an ein Auto presse, dann steht der Außenspiegel immer noch weiter vor als mein Miniaturkörper. Drei Wagen passierten problemlos. Der Vierte zog direkt vor mir nach rechts, also quasi direkt auf mich zu. Er stoppte kurz vor mir und begann wild, wie ein Fluglotse im Dienst mit seinen Armen und Händeln zu wedeln. Ich blickte ihm eine Weile verdutzt zu, um ihn dann den internationalen Gruß für „Fick dich und verpiss dich, Wichtigtuer“ zurück zu wedeln. Er fuhr an, zog seinen  Wagen direkt neben mich und ließ die Scheibe herunter fahren. Na perfekt, ein selbsternannter Hilfspolizist mit Sendungsbewußtsein und elektrischen Fensterhebern. Bingo. In Erwartung ganz neuer Erkenntnisse oder Schimpfwörter, neigte ich den Kopf in Richtung Fensterspalt. Ich war ganz Ohr und genervt, allerdings war das nichts im Vergleich zu der sich hinter ihm stauenden Schlange von hupenden Fahrern, die nun überhaupt keine Chance mehr hatten, das Hindernis zu passieren. Er beugte sich über den Beifahrersitz, schaute mich an und fragte ein bisschen besorgt und traurig, aber auch irgendwie menschlich enttäuscht:“Warum springen sie einfach auf eine viel befahrene Straße? Ist ihnen ihr Leben nichts wert? Wollen sie sich umbringen?“  Großartig. Morgens um 8 ist die Welt schon scheiße und die Blondine vor dem hohen Gericht. Ich legte den Kopf noch schiefer, zuckte schuldbewusst meine Schultern und seufzte:“ Absolut. Ich bin heute morgen wach geworden und mir fest vorgenommen, mich vom ersten Besten, der mit Absicht meinen Aussenspiegel abfahren möchte, tot quatschen zu lassen.“ In seinen Augen machte sich tiefe Betroffenheit über so viel blondes Unverständnis oder nennen wir es doch beim Namen, Doofheit, breit. Mit quietschenden Reifen brauste er davon, um all sein männliches Wissen und  ritterliches, edles Wesen einer anderen Jungfrau in Not angedeihen zu lassen. Heute erinnere ich mich an ihn mit einem milden Lächeln. Mein Blick geht nicht zurück im Zorn. Aber an diesem Morgen, hätte ich ihn zusammen mit dem besoffenen, prollenden  Eichhörnchen auf meinem Kopf ohne mit der Wimper zu zucken, so viel Nüsse in sein Wahrheit predigenden Schlund stopfen können, dass er daran erstickt wäre. Schon wieder über das Ziel geschossen, ja klar. Aber. Hallo! Er wollte an meinen Schatzzzzzzz……


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Arno von Rosen

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