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Mädchenkramalarm II

Entgegen meinen Prognosen, erst mal kein Teil mehr vom, „Wir trauen uns und würden uns freuen, dich Blabla…“zu sein, flatterte vor ein paar Wochen eine Einladung für eine ebensolche Festivität, ins Haus. Ich mag die Braut sehr und freute mich über den Gedanken, dass nach einem schwierigen Jahr nun endlich mal etwas wirklich Positives in ihrem Leben ihre Gedanken beherrschte. Es war eine standesamtliche Trauungszeremonie in einem Kettenschmiedemuseum und einem anschließendem Essen in einem naheliegenden Restaurant geplant. Auch wenn unsere kleine Gruppe, die gemeinsam eingeladen war, weder zum engsten Familien- noch allerbesten Freundinnen gehörte,stellte sich zumindest mir mal wieder die Frage- was ziehe ich an? Ich ging meinen überschaubaren Kleiderschrank in Gedanken durch und stellte erleichtert fest, dass bis auf eine etwas dickere , aber trotzdem elegantere Jacke und Schuhe, eigentlich alles vorhanden war. Was für eine Jacke bzw. Mantel und welche Schuhe, wusste ich auch. Ich hatte also einen Plan, als der beste Vater mich fragte:“Und was ziehst du an?“ „Ledermini, weiße Bluse, Lederjacke und hohe Schuhe, darüber einen kurzen Mantel – fertig!“, erwiderte ich triumphierend. „Hohe Schuhe?? DU?!!!.“ Ich blickte Ihn fragend an:“ Klar, wieso denn nicht , ich denke das wird zum Minirock passen.“ Immer noch mit zweifelndem Augenbrauenrunzeln antwortete mein selbsternannter Modeberater.“ Klar sieht das gut aus zum Minirock, meine Rede. Wundert mich nur, wie du da jetzt auf einmal drauf kommst.“, der Rest ging in unverständlichem Gebrummel unter. Wir wechselten das Thema zum Dortmunder Tatort, den ich liebe und er normalerweise hasst, aber diesmal war das Sujet wohl einmal etwas in die Nähe des Polizeialltags gerückt, was ihn in seinem Urteil milde stimmte. Das Frühstück plänkelte so vor sich hin, als ich mich erhob und mir im hinausgehen wieder spontan einfiel, was ich noch zum Outfit vergessen hatte. „Rot“ „Wie Rot, was für rot?!!!“ „Also die Schuhe.“ „Welche Schuhe?“ „Na die Schuhe für die Hochzeit. Ich suche rote Schuhe.“ Ich drehte mich um und verließ den Raum, zog mich an und kehrte zur Verabschiedung zurück. Meine Eltern saßen noch immer am Esstisch und schauten mich an als hätte ich einen Fleck im Gesicht. „Was?“ „Rot? Du willst dir rote hohe Schuhe zu einem schwarzen Ledermini anziehen?“ „Ja, wieso nicht?“ „Du fällst wirklich von einem Extrem ins nächste, aber du bist ja alt genug, sollte man meinen.“ „Seit wann , weißt du was gerade angesagt ist?“, fragte ich etwas schnippisch zurück. An ihren Augen sah ich, dass sie keine Lust auf eine endlose Diskussion mit ihrer Tochter hatten und so taten , als hätte ich gewonnen. Kopfschüttelnd saß ich im Auto, was war das wieder? Keine Ahnung, ich würde mich nun zeitnah und möglichst effizient auf die Suche nach Joppe und Schuhe machen, Basta.ich flog in den nächsten Zwei Tagen zwei Städte und sämtliche Schuhläden an. Hört sich langwierig an, ist es aber bis auf die Parkplatzsuche aber nicht. Ich scanne einen Laden in etwa 2 1/2 Minuten und entweder hat dann irgendetwas geschrien, Kauf mich! oder eben nicht. Der Gedanke sich in einen Schuhladen zu begeben und mir von einem weiblichen Al Bundy unzählige paar Schuhe in irgendeiner Größe außer meiner eigenen anschleppen zu lassen, um mal eben in Diese oder Jene hinein zu schlüpfen, käme mir nicht einmal nach einer Gehirnabsaugung. Warum sollte ich mich schwitzend und ächzend auf einem unbequemen Hocker zwischen Schuhregalen und einem Meer von Schuhe, Schuhe, Schuhe von einer mir völlig fremden Person an der Beinen herum spielen lassen? Allein der Gedanke, dass vor mir schon irgendeine Tante mit Schwitzefüßchen, Nagelpilz und Dornwarze versucht hat, einen schlanken 36er Schuh auf einen 42er Senk-Spreiz-Plattfuß -Kindersarg zu weiten, macht mir ein Gefühl subtiler Übelkeit. Egal, die Schuhnummer funktionierte mal wieder bei keinem der Händler vor Ort und ich fand das Objekt der Begierde in den wunderbaren Weiten des Internet, gesehen, bestellt, bezahlt nach drei Tagen Meins. Ich zog sie an und war begeistert, die roten Schühchen waren wie für mich gemacht. Ich zeigte sie voller Stolz meinen Eltern. „Schau mal!“, ich schob meinen Fuß durch die geöffnete Haustür. „Ja Und?“, kam es von innen. „Die Schuhe!! Ich habe die Schuhe für die Hochzeit!“ „DAS sind die roten , hohen Schuhe?“ „Klar, was dachtet ihr denn?“ Mein Vater schüttelte sich vor Lachen.“ Das verstehst du unter hohen Schuhen?“ Ich blickte an mir herunter, auf meine Füße, die in nagelneuen, bordeauxroten, auf Vintage getrimmten, hohen Schnürschuhen, die einem Outdoorstiefel der Army nachempfunden waren, steckten. „Hätte ich mir denken können, dass du bei roten, hohem Schuh , niemals nicht an Manolo Blaniks gedacht hast.“ Entrüstet blickte ich ihn an:“Wie lange kennst du mich eigentlich schon? Ich und hohe Hacken. In ROT! Soll ich damit auf den Omastrich in den Dortmunder Norden?“ „Deshalb waren wir ja so verwundert. Aber wir sind ja Kummer gewohnt.“, bevor ich ihn mit meiner Empörung strafen konnte, drehte er lachend ab. „Immerhin sind sie rot! Nicht schwarz, wie sonst immer!“, rief ich ihm hinterher. Mein Blick fiel auf mein Spiegelbild und die neuen Stiefelchen, verliebt blickte ich auf die dicken Knobelbecher, die ich für alle Manolos der Welt nicht eintauschen würde. Und sie würden perfekt zum Minirock passen und keiner würde auf die Idee kommen, um an meinem Hintern nach meinem Preisschild zu suchen.
Zumindest die Joppe fand ich in einem Joppenvertreiberladen in Hamm. ( https://beastieblonde.wordpress.com/2016/10/02/double-blonde/ ) und wurde mit einem tollen Eis in wunderbarere Begleitung belohnt. Auch wenn das Handy meiner Freundin aus Eiscafe Firenze, ein „Hi , bin da. Warte in der Forensik.“ machte, war es ein wirklich gelungener Shoppingtag, der glücklicherweise nicht im Eisfach der Pathologie endete. weiterlesen


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