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Sometimes life is a bitch, a blonde bitch, Part 3 (August 2015)

“Wann hattest Du vor, mir davon zu erzählen?“Die Stimme meines entzückenden Mannes, klang alles andere als entzückt. Was macht die Blondine, wenn sie sauer auf sich selber ist- genau, sie geht zum Angriff über. „Wieso soll ich dir Bescheid geben?!! Bist du mein Erziehungsberechtigter? Muss ich eine  Hotline über all meine Verfehlungen und persönliches Scheitern in Echtzeitübertragung an dich schalten?“ An seinem Blick merkte ich, dass ich über das Ziel hinaus geschossen war. Da er mich ein wenig kannte, konnte ich mit der Zwergenstrategie „Angriff ist die beste Verteidigung“ weder Punkten, noch ließ er mich damit davon kommen.  „Wie hast du das denn hinbekommen?“ „DAS“ waren zwei eindrucksvolle Beulen in der Beifahrer –und Schiebetür meines Bullis. Zwei Monstermacken, die ich auch noch versucht hatte mit blauer Spraydosenkunst zu überschminken. Natürlich hatte ich dazu weder die Türen gereinigt, noch angeschliffen oder was zur Sprayerhölle man auch immer tun muss, damit das Ergebnis wenigstens einigermaßen annehmbar aussehen würde. Es war eher mal wieder pragmatisch, schnell und sah echt Scheiße aus. Nachdem die Angriffsnummer zum Scheitern verurteilt war, zog ich die nächste Karte meiner vielfältigen Ablenkungsmanövermöglichkeiten, die mich als Alleinschuldige entlarven könnten. Ich holte tief Luft und begann die Umstände, die zu meinem Blackout führten minutiös und ausladend zu erklären. Auch das fruchtete beim besten Kerl nicht wirklich, er zog sich einen Kaffee, setzte sich, schaute kurz auf und nahm einen tiefen Schluck Wieichlondinentäglichüberlebezaubergetränk: „Die Kurzfassung.“  Kurz erzählt, war ich zwischen zwei sehr eng gesteckten, fremdbestimmten Terminen, eine ortsansässige Apotheke angeflogen. Da der Mercedes neben mir nagelneu in der Sonne funkelte, parkte ich leicht auf dem seitlich abgrenzenden Bürgersteig, um beim Öffnen der Tür keine Kratzer in die Nobelkarosse zu hauen.  So weit so gut. Nach einem ausladenden Beratungsgespräch in der Apotheke, das mich in Fülle und Zuvorkommenheit überraschte, raste ich zu meinem Auto, sprang hinein, haute den Rückwärtsgang rein und fuhr langsam rückwärts. Ich hatte den Rückspiegel fest im Blick, weil ich auf die vielbefahrene Hauptstraße musste. Was ich weder im Blick noch auf dem Schirm hatte, waren die vier riesigen, unbepflanzten Blumenkästen aus Waschbeton, die den Bürgersteig auf der rechten Seite zum Parkplatz hin, begrenzten. Diese unfassbar hässlichen, blumenlosen und daher ihrer eigentlichen Daseinsberechtigung beraubten 70er Jahre Geschmacksverirrungen, waren im Zweikampf mit meinem VW im absoluten Vorteil. Grob gesagt, waren die Betonblumenkübel für meine Autoaußenhaut ähnlich unsichtbar und effizient, wie der Eisberg für die Titanic, ohne Meer, Tote und Kälte versteht sich. Die ollen Mistdinger waren im Außenspiegel nicht sichtbar, weil zu tief, hatten scharfkantige Ecken, die sich tief in den Lack und das Blech meiner Türen gruben. Wie ich es geschafft habe, nicht einen durchgehenden Schaden sondern zwei unterbrochene, in den erwähnten Türen zu erschaffen, ist eine dieser unfassbaren Begebenheiten im Leben einer partiell hirnlosen Tittenträgerin. Wirklich – ich habe keine Ahnung, wie mir dieses Kunststück gelungen ist. Ich erinnere mich an Rückwärtsfahren, ein kratzendes, blechernes, dumpfes Geräusch, dass mich erschrocken und abrupt bremsen ließ, um kopflos einzulenken und wieder vorwärts zu fahren, um direkt ein zweites Mal dieses widerwärtige, gänsehautproduzierende Geräusch zu provozieren. Ich sprang klamm aus dem Wagen, die möglichen Zuschauer nicht wahrnehmend, schaute auf den Schaden, hastete zurück in den geschützten Innenraum, zog den Wagen gerade und stob, leichenblass und mit kaltem Schweiß auf der Stirn, verschämt von dannen. Während mein Puls an meinem Innenohr vorbei rauschte, fuhr ich wie in Trance meinen besten Sohn abholen.  Diesem fiel der Schaden beim Einsteigen nicht mal auf, die minimale Hoffnung, dass es vielleicht doch gar nicht so schlimm sei, wurde sehr schnell widerlegt. Er hatte 15 und Jede/r, der schon mal 15 hatte, weiß, dass in dieser Zeit die Wahrnehmung extrem eingeschränkt daher kommt, weil selektiv auf alles was für 15 emotional und damit wichtig ist. Ein uralter T4 gehört sicher ebenso wenig in diese exquisite Selektion, wie eine kaltschweißige, blasse, unentspannte Chauffeuse, die irgendwie auch noch den langweiligen Mutterstatus hat, im wahren Leben. Erst explizit auf die neuen Schönheitsfehler des fahrenden Dinos aufmerksam gemacht, kam ein Trockenes:“Cool, kann man mal machen…“.

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