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“Sometimes life is a bitch, a blonde bitch.” (August 2015)

“Hättest du mal besser den Herrmann nicht getötet!“, kam es aus dem Mund meines besten Bruders. „Hättest du mal besser den Mund gehalten, wird wohl auf deinem Grabstein stehen!“, dachte ich zornig und schaute auf. Sein Blick war jedoch sehr milde, erkannte er wohl, dass die Blondine echt am Boden zerstört war und man als best Bro keine Leichen fleddert. Oder über jahrzehntelange Erfahrung eben genau weiß, wann man den irren „Ich-könnte-töten-Blick“ bei der Kurzen besser ernst nimmt. Wenn man allerdings einen zeitlichen Zusammenhang bauen wollte, begann tatsächlich alles mit der unfassbaren Bitte meines Bruders mich liebevoll eines Herrmanns anzunehmen. ICH!!! Nicht nur, dass mir für derartige Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen definitiv die Zeit fehlt, selbst wenn ich alle Zeit der Welt gebunkert hätte, würde ich eher Farbe beim Trocknen zuschauen, als mich von einem Teig gewordenen Kettenbrief tyrannisieren zu lassen. Dann könnte ich ja auch gleich anfangen in die Kirche zu rennen und zu glauben.  Herrmann ging also unbearbeitet und ungeteilt den Weg alles Irdischen. Ein Schicksal, dass er mit all seinen Brüdern, die mir im Laufe der Jahre immer mal wieder angetragen wurden, teilt. Tod den ollen Hefe-Herrmännern. Just zu dieser Zeit, entschlossen wir uns einen Thermomixer zu adoptieren, es musste nur noch ein passendes Objekt in den Kleinanzeigen eines Onlineportals gefunden werden. Nach kurzer heftiger Suche fand ich ein Angebot das sich wirklich gut las, ein Gerät mit Restgarantie, eine Beschreibung, die vermuten ließ, dass jene Birgit wohl begeisterte Userin dieses Küchenutensils zu sein schien, zudem bestand die Dame auf Abholung, Solingen war nun auch nicht ewig weit entfernt,passte also. Ich nahm per Emailfunktion des Portals Kontakt auf und man wurde sich erst einmal einig. Dies passierte an einem Sonntag, Montag darauf fuhr ich nach Bergkamen zur Arbeit mit meinem Bullichen. Auf dem Rückweg legte ich einen Zwischenstopp bei einer freien Tanke ein, um den Kleinen mit 80 Litern feinsten Diesels zu befüllen. Kaum die Tankstelle verlassen, begann der alte Mann das Stottern. Er nahm einfach schlecht Gas an, ruckelte und buckelte, aber er fuhr. Ich hatte Fahrdienst und wollte den besten Sohn und seinen Freund von der Schule abholen. Kurz vor der Schule, in einer 30er Zone, ruckelte der Wagen ununterbrochen, die Tachonadel sprang unruhig hin und her, um plötzlich auf null zu fallen.  Ich versuchte über Kupplung und Gas, den T4 irgendwie am Laufen zu halten, hinter mir eine riesige hellgraue Wolke, das arme Autochen bockte sich in Richtung Ampelkreuzung. Ich kämpfte wirklich darum, dass er zumindest nicht mitten auf der Straße liegenblieb, mit Schweißperlen auf der Stirn, mit zusammengepressten Lippen schaute ich in den Rückspiegel, wo sich die Wolken die ich ausstieß immer mehr verdichteten. Als ich wieder nach vorne blickte, schaute ich in die rote Kelle eines uniformierten Verkehrspolizisten, der mich seitlich herauswinkte. Ich fuhr auf den Bürgersteig, wie angewiesen, ließ die Scheibe herunter, völlig durch den Wind und mit den Gedanken bei meinem offensichtlich schwer verletzten Wagen. Einziger Gedanke, wie ich nun weiter vorgehen sollte. „Einmal Papiere und Fahrzeugschein bitte. Sie wissen was ihnen vorgeworfen wird?“ Ich blickte ihn verwirrt an:“Mein Auto?!!“ „Ja das haben wir auch gesehen, DAS sieht nicht gut aus! Sie fuhren in der Spitze 39 km/h in einer 30er Zone! Was ist denn passiert.“ „Ich war tanken, vor 10 Kilometern, seid dem ruckelt er und jetzt qualmt er auch noch.“ „Was haben sie denn getankt?“ „DIESEL.“ „Sicher?!!“  „Natürlich bin ich sicher, ich schau immer dreimal nach, vergleiche die Anzeige bevor ich tanke, außerdem hat Diesel einen anderen Tankrüssel,“ Er dreht sich um: „ Sie sagt sie hätte getankt!“, zu seinem Kollegen, der meine Papiere überprüfte. „Diesel?“ kam es fragend zurück. „SIE sagt JA!“ So langsam gingen die beiden Komiker mir echt auf den Nerv, ich mag ja blond sein, aber ich betanke dieses Fahrzeug seit zehn Jahren, ohne Ausfälle und Hilfe. Ich kramte in meinem Portemonnaie und streckte ihm meine Quittung entgegen. „Sie hat wirklich Diesel getankt!“ Hörte ich da so etwas wie Enttäuschung? Er reichte mir die Quittung und meine Papiere. „Wo müssen sie denn hin?“ Ich erklärte, dass ich zumindest noch die 500 Meter bis zur Schule schaffen müsste, damit ich meinem Sohn Bescheid geben kann, zudem könnte ich hier an dieser von ihnen ausgesuchten Stelle ja eh nicht stehen bleiben.  „Ja das stimmt, aber 15 Euro müssen wir ihnen trotzdem berechnen.“ Danke du Freund und Helfer, währen ich mit Karte meine Strafe bezahlte, krähte sein Kollege ständig neue Ferndiagnosen über die Straße, das sei bestimmt die Zylinderkopfdichtung, war dann letztendlich seine völlig unerhebliche, ungefragte  Überzeugung und ich dürfte damit auf gar keinen Fall noch weit fahren, blabla. Ich ließ die beiden Diener des Staates in einer riesigen, stinkenden Qualmwolke zurück und schleppte mich auf den Parkplatz des Schulzentrums. Ich stellte den Wagen vorausschauend direkt so ab, dass der ADAC keine Probleme hätte mich im Falle eines Falles abzuschleppen. Das Bulliopichen hatte mich brav an diesen sicheren Ort gebracht, nun streckte er die Segel, starten keine Chance, game over, tapferes Auto. Sohn abgesagt, besten Kerl Bescheid gesagt, gelbe Engel benachrichtigt. Eine halbe Stunde später flog er ein, der Retter der Landstraße. Ein junger Mann, ich schilderte ihm den Sachverhalt, er fragte noch mal nach, ob ich tatsächlich Diesel getankt hätte. Wortlos reichte ich ihm die Quittung, er öffnete den Tankdeckel, steckte seine Nase hinein. Er erklärte mir, dass er schon von Diesel ausgehen würde, aber leider sei er schwer verschnupft, dies erkläre mir auch seine nasale Stimme, (nicht dass ich es bemerkt oder es mich annähernd interessiert hätte) und daher könnte er sich kein klares Urteil bilden.  Er reichte mir zwei unfassbar schwere Kanister, zwecks Geruchsprobe, damit ich mir selber ein Bild machen könne. Gleich die erste Probe war Benzin, ich steckte meine Nase wie befohlen in die Öffnung, nahm einen tiefen Zug. Ich atmete ein und meine Schädeldecke flog aus der Verankerung, meine Nasenschleimhaut verätzte schmerzend bis auf Weiteres, die Dämpfe rannen meine Kehle hinunter und verursachten keuchendes Würgen, meine Augen brannten als hätte ich mir ein Kilo Zwiebelsaft direkt ins Auge geträufelt. Um es kurz zu machen, ich verlor in diesem Moment jede Fähigkeit Gerüche zu unterscheiden, war also für die mir zugedachte Aufgabe als Spritschnüffler denkbar ungeeignet. weiterlesen


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