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Kettenreaktion

DSC_0140Kettenreaktion (Juli 2014)
Seit vier verfluchten Tagen kollidiert meine Bestimmung als Katzenpförtnerin und Trickybespaßungsdienstleisterin mit dem verhassten Dasein als Gartensklavin.  Die diversen anderen Bestimmungen, ganz gleich ob fremd oder selbst bestimmt, mal ganz außer Acht gelassen.
Vier Tage Kampf mit der unendlichen Vielfalt, der ungehindert wuchernden Wildkräuter in unserem Garten, haben ihre deutlichen Spuren an meinem Körper hinterlassen. Meine Oberarme wirken, als wäre ich nicht Hundetrainerin sondern TasmanischerTeufelBändiger. Dabei war mein wehrhafter Gegner nur eine verklemmte Zierquitte, dorniges Mistgehölzstück…. Die hat mal Dornen, dagegen kann sich die oft besungene Rose mal schön bedeckt halten. Lächerlich. Ein Tasmanischer Teufel ist ein Streichelzoo gegen eine aufgebrachte Quitte. Da die Zierquitte mit Blick auf unseren Teich residiert,  bin ich zudem übersät mit mördermäßig juckenden Mückenstichen.  die erst Ruhe geben, wenn ich sie blutig gekratzt habe- Schmerz ist (m)eine ertragbare Alternative zu Juckreiz. Die hier siedelnden Mücken, wurden schon vor langer Zeit von einem Freund als  Unterart der gemeine Kazimaken Moskitos identifiziert. Da wir es weder besser wussten,  noch nüchtern genug für eine weitreichende, inhaltlich korrekte biologische Ordnungsdiskussion in Bezug auf die Aggromücken waren, stimmten wir alle, wissend und kopfnickend zu. Während wir noch eine ganze Zeit an der Erhöhung des Alkoholspiegels im Blut arbeiteten, keiner mehr die olle Mücke auf der Festplatte hatte, schlug sich unser Hobbybiologe an die Stirn. „Habe ich Kazimaken Mücke gesagt?!!“ „Jepp.“ „Was ein Quatsch, warum sagt ihr denn nichts? Ich meinte Kamikaze- Mücken.“, und fiel vor Lachen rückwärts vom Stuhl.

Neben dem subjektiven Eindruck, dass dieser alternde Körper sich in seine Einzelteile zerlegt, kommt es zu unangenehmen Muskelschmerzen an Stellen, die ich offensichtlich ansonsten niemalsnicht mit Bewegung behellige. Sollte dringend ein Kreuz mit Edding  drauf malen, damit das auch in Zukunft immer so bleibt!

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Ein ganz besonderes Pflänzchen, ist die berühmt berüchtigte “Lenningser Feuerdrachenvulkanarschlochbrennnessel”. Sie wächst nur sehr begrenzt aber hartnäckig, bevorzugt alle Arten von Böden, mag warmes Wetter, Wüste oder arktische Verhältnisse,  braucht  unbedingt keinen Dünger und viel bis gar kein Wasser.  Ok, es ist eine “Urtica dioica”, die hundsgemeine Brennnessel. Aber, für die Unwissenden, die hier ansässigen Brennnesseln sind mit nichts weltweit zu vergleichen. Sie wird locker 1-8 Meter hoch, ihre scillionen Brennhaare sind mehrere Zentimeter  bis einen Meter lang und aus Titan oder ähnlichem Material. Sie durchstechen mühelos Jeanshosen oder gepolsterte Westen, arbeiten ihre ätzende Ameisensäure tief unter die Haut und bilden juckende, brennende Quaddeln, die einer Beulenpest zur Ehre reichen würden. Die absolute Frechheit ist, dass das Brennen und Jucken nach ein paar Stunden nachlässt und das gepeinigte Opfer in trügerischer Erleichterung wiegt. Nur um nach einem Tag noch heftiger zurück zu kehren. Duschen, wird nach einer Rollkur in Brennnesselsaft, zu einem denkwürdigen Ereignis.
Ein Nachbar hat mir original Feuerwehrhandschuhe besorgt- (Ja! Es gibt auch welche in meiner Größe!! Denk mal nach!! Kinder- und Jugendfeuerwehr?! Siehste!) Mit den Teilen, die bis über das Ellbogengelenk reichen, kann man glühendes Lava jonglieren, aber gegen diese chemische Wunderwaffe der Natur sind sie nahezu wirkungslos.
Ich knie also heute, bei zweitausend Grad, in einer winzigen Aussparung unter einer meiner auf Krawall gebürsteten Dornenstrauchzickenbüsche. Eingezwängt zwischen Zaun, Strauch und zu jätenden Brennnesseln, Girscht und und und, arbeite ich mich Millimeter um Millimeter vorwärts. Neben mir ein Hecheln, Kratzen und mieferndes Schnaufen. Meinem Hundekind ist LANGWEILIG… Ihm ist völlig klar, wer das ändern könnte. Er hat eine ganze Weile mit sich allein gespielt. Dabei wohl einen selbstgepflückten Stock in Streichholzgröße geschreddert und ihn gut sichtbar in meinen Arbeitsbereich geschoben. Er schaut erst mich auffordernd an, dann sein Minihölzchen, dann auf seine Füße. Er triangelt der Pfiffikus, in der Hoffnung, dass selbst die dusselige Blondine rafft, was er gerne sagen möchte. Dann schaut er wieder auf sein Pinnchen, schiebt ihn vorsichtig mit der Pfote näher zu mir und wartet gespannt. Ich ziehe mein kleines Runzelgesicht in tausend Falten, nehme den nassgesabberten Zahnstocher und werfe ihn unmotiviert etwa 15 cm weit. Das ganze Spiel machen wir etwa fünfmal, beim fünften verunglückten Wurfversuch, verschwindet sein Spielzeug in den Haufen von gezogenem Unkraut. Er kratzt panisch in dem Häuflein herum, stupst es mit der Nase durcheinander. Ich rutsche auf den Knien rückwärts, um ihm etwas Platz zu machen. Umgehend durchfährt mich ein brennender Schmerz, kurz über da wo der Rücken sich teilt. Da war ich wohl mit Schwung lustig in die beschriebenen Nesseln gerutscht. Vom Schmerz getrieben, komme ich ruckartig aus der Hocke hoch, um mir diese fiesen Dinger aus der Hose zu klauben, schlage dabei mit meinem Rücken in die Dornen der blöden Zierquitte, lass mich entsetzt nach vorne fallen, bleibe aber mit meinem Zopf im Geäst der fiesen Türkisen hängen. Klassische Pattsituation, jede unüberlegte Bewegung  würde Schmerz bedeuten, also überlege ich fieberhaft, welche wohl bei einer Wahl zwischen Pest und Cholera das kleinste Übel bedeuten würde. In diesem Moment fühle ich, wie ein winziges, angesabbertes Stückchen Holz auf meinem blutenden, gebeugten, mit Quaddeln überzogenen Rücken platziert wird. Immer noch bewegungsunfähig versuche ich nach links zu spähen, was zum Teufel, das nun wieder sein könnte. Da fühle ich einen warmen, feuchten Atem an meinem Ohr, ein Hundkopf, der mich sanft, aber bestimmt anstupst. Trickhelm hat sich wohl gedacht, wenn ich da eh nur so herum hänge, könnte ich genauso gut etwas Nützliches tun und seinen Pinörkel durch die  Luft bewegen. Ich beiße die Zähne aufeinander und entscheide mich meinen Zopf zu opfern. Ein Teil meiner wirren Haare bleiben als glänzendes, filigranes Sommerlametta auf der Quitte zurück, ich fühle mein sinnigerweise weißes T-Shirt am Rücken kleben. Es wird sich später als ein unverwüstliches Konglomerat aus Blut und Schweiß erweisen, dass jedem noch so weiß waschenden weißen Arielriesenmeisterproppersalzsäure Reiniger standhält.  Als ich mich wutschnaubend und schmerzverzerrt befreit habe, schaue ich in diese erwartungsvollen braunen Augen.  Trickbärchen hat sein Stöckchen schon wieder zwischen den Zähnen und legt ihn mir unverdrossen in den Schoß.
Unglaublich!- Ich nehme den bekloppten Stock, krabbel vollständig aus dieser blöden Falle. Mein Rücken blutet, meine Haare hängen in kleinen Büschel als Zierde an der Quitte, der verbliebene Schopf hängt mir wirr im Gesicht, anstatt Arschgeweih blühen die ersten Quaddeln. Ich habe Schmerzen- und ER??  Er schaut mich vertrauensvoll an und wedelt leicht mit der Rute. So! Ich baue mich zu furchteinflößenden 1 Meter 58 vor ihm auf, stemme meine Feuerwehrhandschuhfäuste in die Seite, beuge mich zu ihm herunter, hebe den Arm, nehme ihm seine olle Stockattrappe ab –
Und küsse ihn zwischen seine duftenden kuscheligen Fellöhrchen und werfe den verdammten Stock. – Was sonst?  Das hätte ich sofort tun sollen und mir dafür den ganzen gefährlichen Jätequatsch klemmen. Der beste Kerl kommentierte meine Verletzungen, während er meinen Rücken versorgte, mit dem unnötigen Wissen des Zuschauers, das ich mir solche Nahkämpfe mit der Natur erleichtern könnte, wenn ich nicht nur zweimal im Jahr, sondern durchgehend dem Unkraut die Stirn bieten würde. SchlauArsch.


Rummelschubser

Ein Rummelschubser vs. Glioblastom et alia

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"Loriot is always sitting on my shoulder"

Arno von Rosen

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