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„Justitia ist eine blinde Kuh.“

10557356_550662611706368_4189989955312941347_nDas die römische Göttin der Gerechtigkeit als barfüßige, blinde, waagentragende Jungfrau durch die Welt der Paragraphen stolpert, ist ja nun wahrlich keine neue Geschichte. Ich muss sagen, bislang habe ich mir auch über den tieferen Sinn dieser bevorzugten Darstellung keine Synapse verbogen. Warum die Jungfräulichkeit ein klareres Gerechtigkeitsempfinden fördern sollte, bleibt der Blondine auch nach Tieferem schürfen, schleierhaft. Aber vielleicht liegt es daran, dass ich ein erfülltes Sexualleben eher als förderlich , denn als hinderlich für einen entspannten Blick auf die Welt erachte. Und entspannt, urteilt es sich doch gleich ein bisschen offener und verständnisvoller. Okay, da ich als Kind sehr begeistert der griechischen und römischen Mythologie erlegen bin, erinnere ich mich noch dumpf daran, dass die Justitia im Altertum noch gar keine tragende Rolle hatte. Tragende Rolle bezieht sich hier nicht auf das symbolträchtige Herumschleppen von Waage und Schwert, sondern auf ihre Wichtigkeit in Bezug auf all die anderen Karrieristen im göttlichen Haiffischbecken bei Pluto und Co. Tatsächlich wurde sie in den Anfängen der heroischen aber auch zutiefst menschlichen Erzählungen über die Götter und Halbgötter, kaum erwähnt. Letztlich hat sie nur einen kleineren Auftritt und wird zur Strafe auch noch als Sternbild der Jungfrau ans Firmament genagelt. In späteren Darstellungen bekommt sie ein Diadem, bleibt jungfräulich, den Namen Justitia und eine Binde. Also eine Augenbinde! Ich weiß in ihrem Alter von über 2500 Jahren, hätte es genauso gut eine „Tena Lady“ sein können, ist es aber nicht . Die Dame ist nach meinen Informationen oben klar und unten dicht. Wer wünschte sich das nicht im Alter? Diese Binde ist heute Symbol für Objektivität, für Gleichheit vor dem Gesetz. Damals war sie als Verhöhnung gedacht ,vor dem Hintergrund das das Gesetz „blind“ sei.
Nun nach meiner jüngsten Erfahrung , kann ich bestätigen, dass Justitia eine blinde Nuss ist. Aber wahrscheinlich kann die alte Frau Gott gar nichts dafür, man ist eben immer nur so gut, wie die Jünger, die die reine Lehre in die Welt tragen. Der Jünger, an den ich unlängst geriet, war wohl mehr ein Anhänger vom Grundsatz „Vorm Gesetz sind alle Blondinen gleich“. „Mitgefangen – Mitgehangen“. Und „Fakten , schützen vor Strafe nicht“. Oder so ähnlich. Was war passiert? Ich bekam vor etwa vier Wochen einen Brief mit mir als Adressaten auf dem unscheinbaren, weißen Briefumschlag. Beim Öffnen des Umschlages fiel mir ein dreifach gefaltetes Blatt von einer Anwaltskanzlei aus Dortmund entgegen. Nennen wir sie mal Puck & Muck . Inhaltlich wurde ich freundlich gebeten mich in einer Angelegenheit „Schwindelweg“ zu äußern. Keine weiteren Angaben, kein Aktenzeichen, keine Erklärung. Erstaunt und leicht beunruhigt, zeigte ich den Schrieb dem besten aller Kerle, der ihn als Versuch einer Abzocke oder Verwechslung einstufte. Wir entschieden, dem Ganzen keine Beachtung zu schenken, damit landete das Blatt in der runden Ablage. Aus den Augen, aus dem Sinn. Zwei Wochen verstrichen, ich hatte die Brüder MuckundPuck schon wieder vergessen. Ein neue Küche war geplant und zog die unvermeidlichen Unwägbarkeiten einer Großbaustelle nach sich. Jeden Tag ein neues Problem, jeden Tag fremde Menschen, jeden Tag neuen Dreck, Lärm und WDR 4, selbstredend neben dem ganz alltäglichen Wahnsinn. Wobei WDR4 dabei die größte Herausforderung für mich darstellte. Ich denke immer noch das ich Teil eines Menschenversuches bin, bei dem ich mich nach Aussage meines besten Bruders nur so „lala „schlagen würde. Hat Der eine Ahnung, ich könnte ohne zu zögern einen Menschen erschlagen, nach Stunden der Beschallung mit Texten, wo sich „probieren“ auf „erfrieren“ reimt und doch immer nur „Poppen“ meint. Egal, andere Geschichte. Zwischen einer Leckage, Versicherungsgedöns, Gutachter und Trocknungsmaschine, ein erneuter Brief ähnlichen Inhalts gleichen Absenders. Leider ebenso wenig erhellend, dafür aber angereichert mit einer latenten Drohung  sich weitere Schritte vorzubehalten. Die Drohung im Zusammenhang mit „Leben ist eine Baustelle“, traf bei mir auf ein leichtes Unbehagen, das allerdings von einem Gefühl der Genervtheit weit übertroffen wurde. Ich hielt meinem Süßen das Blatt unter die Nase und fuchtelte damit herum. Er beruhigte mich mit dem Hinweis auf fehlende Aktenzeichen oder Titel etc.pp. und zerknüllte den Brief mit einem abwertenden „miese Abzocke“ und warf ihn in die Tonne. Mir keiner Schuld bewusst, beschäftigte mich der neuerliche Versuch sich in mein Leben zu drängen, doch mehr als gedacht. Ich erwähnte den Vorfall in einem beiläufigen Gespräch mit dem besten Dad, der sich das Ganze anhörte und es zwar auch für eine Verwechslung hielt, aber dennoch eine Warnung aussprach. Sollte ich einen Gerichtsvollzieherschreiben erhalten, hätte ich ein Problem und müsste dringend Einspruch erheben. Gerichtsvollzieher?! Wieso Gerichtsvollzieher? Dazu hätte es einen Titel gegen mich gebraucht und ich hätte davon in Kenntnis gesetzt werden müssen. Da waren wir uns Alle einig, also verdrängte mal wieder der Alltag den kleinen Muck und seinen Bruder, Puck ,die blinde Stubenfliege, aus meinen Gedanken.
Es verging eine weitere Woche, mittlerweile war die ehemalige Küche ein völlig zerstörter Raum im Rohbauzustand, Löchern in Wand und Boden mit freier Sicht auf ausgetauschte Rohre und in den darunter liegenden Keller. Der beste Sohn tauschte gerade aus dem Chillimilliferienmodus in ein Schnupperpraktikum bei einer großen Firma für 14 Tage und eine Hardcore 35 Stundenwoche in der IT Abteilung. Hieß für ihn, viel Input, harte Arbeit (Einrichtung von 40 Druckern und einiger Monitore mit entsprechendem Gewicht), lange Tage und die Erkenntnis, das ein erfolgreiches Abitur und noch zwei Jahre Schule, sooooo verkehrt nicht sei. Für mich, hieß das im Umkehrschluss, einmal mehr Kutschendienst für den designierten Thronfolger, da keine Sänfte weit und breit, ihn ansonsten vom Sommerlandsitz in das entfernte Königreich Kamen tragen würde. Endlich Freitagmittag, die erste Woche fast überstanden, zwischen all den fremd- und eigengesteuerten Terminen, ein Griff in den Briefkasten. Rechnungen, Versicherungsschreiben, Werbung und ein Umschlag an mich. Ich überflog die Zeilen und wurde innerlich blass. weiterlesen


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