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„Jo is denn scho wieda Weihnachten?“

Keine Tiere unterm Weihnachtsbaum!!!!!!!!
Unbedingt nicht teilen!!!
Woran merke ich, dass es straight auf Weihnachten zu geht? Also nicht mehr am Franz, der war ganz böse und steht im goldenen Buch. Der darf nicht mehr grenzdebil rum schwadronieren, den hat der Loddar beerbt. Tja, statt „Schaun mer ma.“,heißt es jetzt  „Wäre, wäre, Fahrradkette.“ Würdiger kann kein Nachfolger sein.  Aber zum Beispiel daran,  dass mir beim abendlichen Fernsehmarathon ein verträumtes Tränchen still und leise die Wangen herunter läuft. Immer dann, wenn die Merci-Werbung sehr durchschaubar alle Knöpfe sämtlicher sentimentalen Hirnareale drückt, keine Schublade auslässt und mich erfolgreich hormonell auf „bruääähhhh“ flutet. Wenn die Sendetermine von „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ und „Der kleine Lord“ nicht nur per Markierung bei FB sondern auch ganz analog per Anruf der besten Ellis, erfolgt. Die jährliche biblische Grundsatzdiskussion darüber, ob „Last Christmas“ zu Weihnachten oder in die audible Tonne getreten, gehört. Der Duft nach Angstschweiß gemischt mit einer Wolke aus den aktuellen „In Touch Düften“ auf behaarten Männerarmen, die verzweifelt auf der Suche nach einem verlorenen Geschenk für ihren Schatz in den armen von schwarz gelackten DouglasDominas verenden. Wenn der beste Kerl ab acht Wochen vor Weihnachten, gefühlt jeden Tag, ein bis zwei Weihnachtsfeiern oder Essen unter Stöhnen besucht und ich in Summe gar keine! Bei der Aussage. „Also Samstag sind meine Jungs und ich auf der Santa Monika, kannst du mich abholen?“ Habe ich dann doch gestutzt, kurzzeitig drüber nachgedacht, zu welchem Event ich da meinen Segen gebe, bevor ich zustimmte. Im Grunde kann ich mich nicht beschweren, werde ich doch für die meisten Weihnachtsfeiern der besten Kerle angefragt. Zumindest als Taxinette in ständiger Rufbereitschaft ohne Taxameter. Es gibt nichts Befriedigenderes als gebraucht zu werden. Nicht zu vergessen in dieser vorweihnachtlichen, besinnlichen Zeit, die Spendenaufrufe, postalisch, per Mail, Messengerdienste, Anruf oder besonders moralisch erpresserisch per Klingeln direkt an der Haustür. Wieviele kleine Esel und Lamas wohl aus Streichelzoos entführt werden, um angekettet an schmierige Kerle mit klappernden Sammeldosen, in Fuzos bei plärrender Weihnachtsmusik Geschäftseingänge zu blockieren als arme, verhungernde Zirkustiere. Bin froh das Menschenrechtsorganisationen nicht frierende, verhungernde Kinder vor Burgerbuden anketten, um klar zu machen, dass die strahlenden CocaColaTrucks selten durch den Senegal fahren und „hope and joy for everyone“ in die real existierenden Hungersgebiete bringen. Weihnachten ist natürlich in erster Linie das Fest der Familie. Und das Fest der Familiendramen. Also das Fest der Liebe. Bis die Äxte fliegen. Hat jetzt sogar sehr lustig ein Discounter in seine Weihnachtswerbekampagne umgesetzt. „Wer gut isst, streitet nicht.“ Okay, erhöht jetzt mal ein klein bisschen den Druck auf die jeweiligen Köche der Familienschlachtplatte. Tatsächlich genieße ich es sehr mit Zeit und Ruhe um einen Tisch mit den Lieben zu sitzen. Aber bis es soweit ist, hat der Gott des Konsums uns doch jedes Jahr einige krumme Tannenbäume in den Weg gelegt. Da wären die- Geschenke! Ja klar, da lächeln jetzt die vier Weisen aus dem Konsumland. Ihr, die schon im September alle Geschenke gekauft, verpackt und versteckt habt. Für Euch: Ihr seid gottverdammte Aliens! Und nervt. Gut, wenn man sich von dieser Geldumschläge – und Gutscheintauscherei befreit. Noch besser, wenn sich auch alle, wie ich, an die Abmachung halten würden. Würde mir diese peinliche Pause mit dem Drecksgeschenk in der Hand ersparen, in der ich mich sagen höre:“Ich dachte wir schenken uns NICHTS??!!!“ Der beste Dad, der gerne schon im März ganz genau wüsste, wie, wann, was und ob überhaupt, die popelige Meschpoke bei Ihnen aufzuschlagen gedenkt. Wer was, wann und warum essen bzw. nicht essen kann oder mag. Und ob, ich denn schon Winterreifen aufgezogen habe, wegen O bis O (Oh menno, wieder kein Schnee- Oh shit, Winterreifen wieder viereckig gefahren weil wir 23 Grad hatten)? Das Wissen darum, dass sehr sicher, genau an dem Tag, wo ich Zeit finde meine Außenbeleuchtung zwecks weihnachtlicher Stimmung und so, an das sich wehrende Haus zu klöppeln, es wie aus Eimern gießt, bei knapp drei Grad Temperatur und windigen Böen, die in den Spitzen schon mal Orkanartig sein können. Dabei ist völlig egal, welchen Tag um den Totensonntag ich mir ausgucke und welches Wetter vorher oder nachher, sein sollte. Schmückt ist Claudia-Kleinert-Möpse-Tag. Immer. Ach ja, nicht zu vergessen, die Rotz- und Sprotzzeit, die sich schon über die Werbung für Antischnupfmittelchen aller Art ankündigt. In jeglichem Zusammenhang in dem man in dieser unsäglichen Zeit auf Menschen trifft, hustet, schnieft und prustet es aus sämtlichen Gesichtsöffnungen. Laut und leise in allen Tonlagen und einer Farbpalette von zarten Tönen in schleimig-gelb bis eitrig-grün, keine Wünsche an die winterliche Kollektion offen lässt. Da hilft das fluchtartige Verlassen des jeweiligen Ganges, sofortige Einstellung des Atemvorganges bis zur Ohnmacht, schildkrötenartiges Einziehen des Schädels unterhalb des Schleimhäuteäquators, tief unter achtundzwanzig Lagen des dicken Schals, ebenso wenig, wie das panikartige Verlassen des viralen Eldorados. Ein paar sehr findige Virenmultiplikatoren haben ein perfides Mittel gefunden, ihre Bakterien fast unbemerkt mit der undankbaren Umwelt zu teilen. Ich kann aus diesem Grunde seit vier Wochen niemals mehr in meinem Leben Blumenkohl essen. Als unfreiwilliger Beobachter folgender Szene, die mich so paralysierte, dass ich weder einschreiten, noch abwenden konnte. Ein Rentner wühlte in einer Kiste von Blumenkohlköpfen und redete mit jedem Einzelnen.“Na, na, du bist zu klein. Komm doch mal her, nein, zu klein. Na komm schon. Du bist schön…“ So sabbelte und krabbelte er ohne Unterlass in den blassen Vitamin C Bomben. Dieser, sagen wir mal, schon sehr eigene Umgang mit profanem Gemüse, zog meine volle Aufmerksamkeit auf dieses ungleiche Kohlkopfduett. Während er so brabbelte, mischte sich ein leichtes Kratzen und Räuspern auf seine schwingenden Stimmbänder. Dem Räuspern folgte ein stolperndes Hüsteln. Das Hüsteln steigerte sich in ein bellendes Husten. Meine Augen weiteten sich vor Entsetzen und Ekel. Der debile Sack steckte kopfüber in der Kohlkiste, hatte einen hochroten Kopf und Brüllhusten mit Auswurf. Bäche von Sekret tropften und sprühten über das jungfräuliche Weiß, gefolgt vom unteren Teil seines Zahnersatzes. DAS IST KEIN SCHERZ! Mit Würgreiz und Unverständnis für die „Alten Leute von Heute“, rannte ich ohne Einkauf aus dem Laden, sprang in meinen Fluchtwagen und schwor mir nie wieder dort und nie wieder Blumenkohl einzukaufen. Ich weiß, warum ich zwar auf Umverpackungen wenn möglich verzichte, aber alles Obst und Gemüse vor dem Verzehr heiß abwasche. Die letzten Jahre halte ich mir die Virenschleudern mit bösem Blick, ausgefahrenen Ellbogen, einer Mischung aus Ingwer, Zitrone und Honig und Bewegung vom Leib. Daumen drücken für die aktuelle Schwemme, die laut FB Timeline auch immer mehr meiner Kollegen und Freunde mit sich nimmt. Auch sehr beliebt zur Winterzeit sind auf meiner Timeline immer mehr Fotos von mehr oder weniger originellen Stehrümmchen. Gerne in Gold oder Glitzerglatzer von begabteren Dekohexen, als ich das jemals sein könnte. Eröffnungsankündigungen von temporären oder durchgehenden Sauf -und Kaufmärkten in weihnachtlichem Gewand mit Unmengen von Tinnef. Vorzugsweise aus Filz. Mützen aus Filz, Handschuhe aus Filz, Schuhe aus Filz, Strümpfe aus Filz, Jurten aus Filz, Geschirr aus Filz, Bratwurst aus Filz,Filz aus Filz. Hässlicher Kram, den normalerweise niemand braucht und selbst die letzte überlebende Ökobraut niemalsnicht kaufen würde. Wäre das Herz nicht weihnachtlich beseelt, der Verstand nicht glühweintechnisch geflutet und der Gruppenzwang, der anderen Mädels aus dem Großraumbüros, die alle schon zwei Filz- BH mit passendem Schlüpper vorne liegen. Plus dem pinken Filztankini für den nächsten Malletrip für die Wahl der „Miss WetFilz“! Gut, wenn der Filz nass wird, riecht er muffig nach nassem Köter, aber er schrumpft vom Tankini zum Wampini, besser bekannt als fusseliges Dominakorsett. Auf Internetportalen, Homepages, im TV, eine Flut von Bildern mit traurigen Hunden hinter Gitterstäben, jeden Alters, jeder Rasse mit großen, angsterfüllten Augen. Alle auf der Suche nach einem Zuhause. Rettung vor Einsamkeit und Kälte. Oder dem sicheren Tod. Dazu persönliche Anfragen von Kunden, Kollegen, völlig Fremden, das eine oder andere Tier über mein Netzwerk zu teilen oder bei der Vermittlung zu helfen. Gleichzeitig der alljährliche mantraartige Aufruf, dass man „Tiere unter dem Weihnachtsbaum“ als emphatischer, vernunftbegabter Mensch in jedem Fall abzulehnen und gesellschaftlich zu ächten hat. Am Besten öffentlich als Multiplikator und Teiler. Erstaunlicherweise über die selben Internetportale, die mich eben noch an meine moralische Pflicht, Hunde aus dem Tierschutz jeder anderen Quelle, gerade jetzt vor Weihnachten, bei unwirtlicher Witterung, ein Zuhause, eine Chance, aber zumindest eine Plattform einräumen muss. Mal ehrlich, ich suche seit Jahren nach dem Sinn hinter diesem Aufruf. Wird auch nur ein einziger Hund deshalb am Ende des Tages, weniger ausgesetzt, dem Tierschutz übergeben, als unüberlegte Fehlentscheidung des Jahres erkannt? Es gibt für mich dazu keine Quelle, obwohl ich mich bemüht habe, irgendein zählbares Ergebnis zu finden. Ist es das Feigenblatt des guten Gewissens, um beruhigt Weihnachten feiern zu können? Wie die mundgeblasenen Postkarten von Bethel? Ist ja auch schnell geteilt oder unterschrieben. Danke Internet. Engagement wird digitalisiert. Kostet nichts, keine Zeit, kein Geld, keinen Gedanken. Ein Klick und vergessen. Petition? Gegen was? Egal, Hauptsache „Gegen“, unterschreiben, gut fühlen. Politisch engagiert sein, ohne Ahnung, ohne Konsequenzen, ohne den Arsch hoch kriegen zu müssen. Wie einfach. Wie praktisch. Wie risikofrei und ohne Nebenwirkungen. Ich glaube nicht das Aufrufe „Keine Tiere zu verschenken“ in irgendeiner Form schaden. Aber ich bin mir sehr sicher, dass sie auch nichts nützen, außer dem guten Gefühl, etwas getan zu haben, ohne dabei in Schweiß zu geraten. Ich teile diese Aufrufe nicht, ebenso wenig wie Kettenbriefe. Wer teilt solche Aufrufe? Die Menschen, die sich sicher sind, dass Tiere fühlende Lebewesen sind, die man niemals unbedacht anschaffen sollte. Wer liest so etwas? Die gleichen Menschen. Ist wie aufwendige Werbung für ein Produkt von dem man eh nachhaltig und tief überzeugt ist. Wann ein Tier in eine neue Familie zieht , sollte nicht von außen sondern von der Familie bestimmt werden. Wenn man über Weihnachten oder generell im Winter einfach genügend Zeit hat, dann ist das so. Ich kann nachvollziehen, wenn Mitarbeiter aus dem Tierschutz über die Feiertage auch ein Recht auf Familie, Freizeit und freie Tage haben. Ansonsten einfach den Auftrag, ehrlich zu beraten, nachhaltig zu vermitteln konsequent nachkommen, dann ist es völlig wumpe, ob ein Tier an Weihnachten, Ostern, zum Geburtstag oder am St. Nimmerleinstag adoptiert wird. Ein genereller Stopp von Vermittlungen bei seriösen Organisationen, hilft am Ende nur den Vermehrern, den Profiteuren des illegalen Welpenhandels und Leuten, die ihre unerwünschten Fehlanschaffungen auf Ebay verschleudern. Die scheren sich einen Scheißdreck um die Ware Tier, die zukünftigen Familien oder die Jahreszeit. Denen geht es um Gewinn, der noch viel einfacher zu erzielen ist, wenn die Konkurrenz sich selber vom Markt nimmt. Vielleicht auch auf der hellen Seite der Macht nicht immer so pauschal die Moralkeule schwingen und auch lieb gewonnene Themen einfach mal neu überdenken.
Frohe Weihnachtszeit und das meine ich auch so.


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Ein Rummelschubser vs. Glioblastom et alia

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Arno von Rosen

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