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Ich bin heissssssss“

Eigentlich wollte ich ja meine „Unter Geiern“, falsch, „Unter Müttern“-Kleinserie fortführen, aber ich denke, da Pause gerade ein Thema in meinem Leben ist, unterbreche ich die Serie bevor sie überhaupt begonnen hat. Nur eine Pause, versprochen. Ich bin ja, für die die mich nicht kennen, das was im Pott auch gerne als „heißer Feger“ tituliert wird. Bevor jetzt entschiedener Widerspruch aus der Ecke der Menschen kommt, die mich kennen- Stopp! Macht mal kurz Pause, atmet und lest weiter.  Seit ein paar Wochen habe ich nachts regelmäßige Effekte. Wäre ich eine Friteuse, hieß es wohl Defekte. Aus welchen Gründen auch immer, erwache ich regelmäßig aus dem Schlaf und bemerke ein dringendes Bedürfnis. Also nicht dieses „Granufinkfemina Ding“. Es ist Durst. Dürstender dramatischer Durst. Gut, ich bin ein schlechter Trinker. Hört sich blöd an, gibt es gute Trinker? Also, ich meinte damit, dass meine Flüssigkeitsaufnahme über den Tag verteilt, sehr zu wünschen übrig lässt. Mag daran liegen, dass ich als Getränk fast ausschließlich Kaffee zu mir nehme. Ich kann und mag, mir eine Welt ohne Kaffee nicht einmal theoretisch vorstellen. Wasser als Durstlöscher, kommt nur als Geschmacksträger für den schwarzen, dampfenden, frisch gemahlenen Sud, durch meinen ausgedörrten Hals. Ich erwache also irgendwann gegen halb zwei Uhr nachts mit Brand wie eine Herde Bergziegen. Eine dröge, pelzige Zunge, die den gesamten Mund ausfüllt und sich am Gaumen des Oberkiefers fest gesuckelt hat. Die nächste unangenehme Wahrnehmung betrifft meinen alternden, auseinander fallenden Körper. Ich registriere mit dieser nervenden, dicken, klebenden Zunge, dass ich ganzkörpertechnisch, glühe. Ach was glühe. Lächerlich. Ich brenne! Lichterloh. Instinktiv werfe ich dampfend, sämtliche Zudeckmöglichkeiten von mir und versuche das Feuer  nicht durch hektische Bewegungen noch mehr anzufeuern. Mir fällt auch die naheliegenste Erklärung für dieses Phänomen ein. Seien wir mal ehrlich. Ich bin 50. Der Lack ist ab. Die ersten, einzelnen, grau-silbrigen Strähnen, verstecken sich (noch) gut, aber sichtbar im Restblond, das aber auch irgendwie eine trockenere Haptik entwickelt hat in der  letzten Zeit. Die ersten Fältchen sind mittlerweile Falten und glätten sich nicht mehr vollständig durch Dusche und Co. Zum Lesen, ist das erste technische Hilfsmittel in Form einer Brille, auf dem sicheren Weg zur Pflegestufe, als Buchstabierhilfe eingezogen. Summa summarum, lässt all dies nur einen möglichen Rückschluss zu. Ich neige zur spontanen Selbstentzündung! Ein weitgehend unbekanntes und unerforschtes Leiden, das jedoch über hochgeheime, ganz seriöse Studien der Parawissenschaften esoterisch belegt ist.  Gefahr erkannt, Gefahr gebannt! Ich schlafe nun unter einer asbesthaltigen Löschdecke. Neben mir , griffbereit ein Schaumfeuerlöscher. Schaum aufgrund der gefährlichen Explosionsgefahr, sollte  man einfach unbedacht Wasser auf die brennende Blondine kippen , zwecks Abkühlung der atomaren Kernaggregate. Dies hätte als Reaktionskette, unweigerlich eine Verpuffung der nicht vorhandenen Impulskontrolle zur Folge mit unabschätzbaren Schäden für die Umwelt. Man bedenke: Meine persönliche Gefahrgutdeklaration fällt unter „hochexplosiv“ . Heißt,Orange, X423, selbst entzündbarer fester Stoff, der mit Wasser gefährlich reagiert und entzündbare Gase bildet. Daher ist allerhöchste Vorsicht geboten. Die selbstentzündlichen Prozesse, wiederholen sich im zweistündigen Rhythmus. Bedeutet für Betroffene, also mich: Alle zwei Stunden den alternden, glitschigen, innerlich verkohlten Kadaver aus den Federn hieven, die Treppe herunter schleppen, einen Liter gefärbtes Wasser exen, um nach der Glühwürmchennummer irgendwie wieder  abzukühlen und danach ächzend ins Bett zu fallen. Mittlerweile stehen nicht einmal mehr die Katerkinder mit auf, wenn Mama ihr Hexenselbstverbrennungsritual zelebriert. Ähnliche Symptome hatte ich schon einmal vor ca. sechs Jahren. Damals konnte ich mühelos acht Stockwerke hochlaufen, ohne aus der Puste zu kommen. Beängstigender Weise bekam ich jedoch aus einer völligen Ruhesituation, beispielsweise bei einem Kundengespräch am Telefon, Schnappatmung und Herz rasen. Gleichzeitig konnte ich mit meinen nächtlichen HitzeSchwitzeattacken, nicht nur meine Drosselgrube ( Jugulum- Furche zwischen den beiden Schlüsselbeinen ) zu einer Vogeltränke umfunktionieren, sondern auch ohne Mühe das gemeinsame Bett fluten. Ich zog dem besten Kerl vorm  zu Bett gehen immer vorsorglich seine Schwimmflügelchen an, damit er nicht Gefahr liefe nächtens, im Bett zu ertrinken. Diese Gefahr bedrohte meine Schlafbarbie extrem, fiel er doch, sobald er in die Horizontale gelegt wurde in einen unerschütterlichen Tiefschlaf. Gut das war wohl werkstechnisch so vorgesehen, zumindest bei dem mir beiliegenden Prototyp.  Besondere Gefahr ging dabei von seiner bevorzugten Schlafposition aus. Gerne, wie aufgebahrt, auf dem Rücken, mit leicht geöffnetem Mund. Als wenn der Schlaf an meiner Seite , nicht schon genug Gefahren beinhalteten würde, suchte der Kerl das volle Risiko und versuchte jede Nacht verzweifelt, nicht an seiner eigenen Spucke zu ertrinken. Und das neben mir, dem menschgewordenen Schweiß -und Flammen werfenden Springbrunnen. Wenn der Ernstfall eintrat, löste ich ein Signal aus einem Nebelhorn aus, das den Soundtrack zu „Das Boot !Achtung wir tauchen!“ anspielte, gefolgt von der automatischen Durchsage aus dem Bordlautsprecher: „Bitte bewahren sie absolute Ruhe. Wir haben eine brennende Eisblondine gestreift. Befolgen Sie strikt die Anweisung des Bordpersonals und warten auf ihren Plätzen bis die Sauerstoffmasken von der Decke fallen.“ Mal ehrlich, in diesem Zusammenhang bekommt die fast erstaunte, mit leichtem Ekel getätigte Aussage des Partners:“ Boah, bist du heiß! Und feucht!“, eine ganz neue Bedeutung. Als ich im Laufe eines halben Jahres nun auch noch mit dieser völlig aus dem Kontext gerissenen Atemlosigkeit und rasendem Herz zu kämpfen hatte, ging ich gegen meine Gewohnheit zu  großen Check Up. Sämtliche Werte wurden genommen, ein Kardiogramm erstellt, abgehört, meine sämtlichen Impftiter bestimmt und ein Gesprächstermin vereinbart. Ein Tag vor dem Gespräch, hatte ich die Praxis, genauer gesagt, eine Frau Dr. T. am Telefon. „Ja. Hallo Frau Hillebrand? Ich habe hier ihre Werte. Also alles soweit okay. Ein, zwei Impfungen müssten aufgefrischt werden und den Rest bekommen wir mit ein bisschen Diät wieder ins Lot.“ Sie schwieg fröhlich strahlend durch den Hörer. Ich atmete tief ein und fragte sie:“Wir kennen uns nicht?“ „Nein, wieso?“ „Nur so. Vielleicht warten wir unseren morgigen Termin ab, bevor wir Telefondiagnosen stellen?“ Am nächsten Tag wurde ich schon relativ terminnah ins Behandlungszimmer gerufen. Sie las intensiv in meinen Ergebnissen, schaute während sie mir mit einem Wink den Stuhl anbot, nicht auf. „So….. Frau Hillebrand…….. Wir hatten ja gestern schon telefoniert.“ Sie blickte mich an, stockte, musterte mich einmal von oben bis unten. „Okay, das mit der Diät vergessen wir erst mal.“ Ich musste grinsen. Sie war wirklich kein sympathischer Mensch und gestand mir zudem, dass sie Menschen und den Kontakt zu ihnen, einfach nur als anstrengend empfand. Überrascht von diesem surrealen Geständnis, fiel mir nichts Besseres ein, als „Tja, Augen auf, bei der Berufswahl.“ zu erwidern. Immerhin war sie sehr gründlich. Sie suchte weiter nach der Ursache für meine innere heiße , überschäumende Quelle. Meine Selbstdiagnose, dass es sicher die Wechseljahre seien, verneinte sie entschieden. Ich war enttäuscht. Wenn es nach mir ginge, hätte ich direkt nach der ersten Menstruation in die Menopause gehen können. Braucht kein Mensch, eine AggroBlondine mit PMS vom Feinsten , Rückenschmerzen und Wassereinlagerungen an Stellen, die dem anderen Geschlecht entgegen schreien, „Hallo, ich habe Brüste!“. Echt was soll das??? Möpse wie Schneeflittchen und eine Laune , wie die 13. Fee bei Rondöschen. Also keine Pause. Menno. Damals war es eine Schilddrüsenunterfunktion mit Zyste, die unter Tabletten gestellt wurde und Beobachtung stehen sollte. Vielleicht sollte ich das doch mal wieder abklären lassen, ist schon ein Weilchen her….Obwohl, wenn ich so darüber nachdenke, vielleicht ist es diesmal die Menopause. Die Zeichen mehren sich. Also icke froi ma druff. Ansonsten bleibe ich eben bei der spontanen Selbstentzündung als einzig mögliche Antwort auf meine Beschwerden. Nicht schön, aber selten.

 


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