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„Heineken- mir graut vor dir.“

Seit Januar habe ich „Aschermittwoch“, meint „Clean Eating“, mehr Sport und natürlich den Verzicht auf Alkohol sowie Einschränkungen beim Kaffee. Bei diesem freiwilligen Verzicht, fällt mir persönlich der Kaffeeentzug am wenigsten leicht. Der Rest ist kein Problem, da ich so gut wie nie Fertigprodukte verwende und Schnaterkram weniger dem Genuss als der Bequemlichkeit geschuldet ist. Also nichts, was man nicht mit ein bisschen Selbstdisziplin und Automatismen in Griff bekommen könnte. Alkoholverzicht ist nie ein wirkliches Thema, da ich in diesem Lebensbereich sehr moderat unterwegs bin. Seit unserer Schottlandtour im letzten September, ist es tatsächlich eine meiner leichtesten Übungen. Warum? Wir steigen zeitlich gesehen auf dem Hinweg in das Geschehen ein, heißt in diesem Fall- wir befinden uns schon auf der Fähre von Amsterdam nach Hull. Endlich an Bord, endlich vereint mit dem Rest der Truppe. Umarmen, hinsetzen, durch schnaufen, Runde Bier bestellen. Während der beste Kerl noch telefonisch versuchte einen Arbeitsalltag zu retten, für den er seit acht Stunden „eigentlich“ nicht mehr zuständig war, stand ich vor einem verschmierten Tresen hinter dem ein freundlicher Asiat fleißig Getränke ausgab. Eine dickliche Britin ungefähr zwei Stunden an einem Caipi herum baute und ein Kerl mit Jack Wolfskin Ganzkörperoutfit vor mir, versuchte die Bestellung von zwei Bier so kompliziert wie irgend möglich zu gestalten. Keine 15 Minuten später, die so kurzweilig verflogen waren wie Farbe beim Trocknen zu beobachten, hatte die Flachpfeife vor mir endlich ein Heineken Flaschenbier, zwei Plastikbecher und in beidem einen Schuss Limejuice in seinen schmierigen Griffeln. Ein Pussygetränk für die Pussy des Monats. Thank God its Friday. Eine Runde Heineken 05er Flaschen, plink, plink, plink – voll. Zumindest ich, war nach einem anstrengendem Tag und leerem Magen, nach einer Flasche, schon echt angezählt. Mein Protest wurde ignoriert, zweite Runde, plink, plink, plink. Blick aufs Meer, Sonnenuntergang, Auslaufen aus der Marina, letzte Möglichkeit mit dem zurückgelassenen Kind zu schreiben. Schwummriges Gefühl, im Kopf, im Bauch und in den Beinen. Zeit für das Buffet. Sehr ausgewogenes Buffet, sehr delikates Essen, Heineken, plink, plink, plink. Voller Bauch, volles Herz, voller Kopf. Absacker in einer der Bars unter Deck. Heineken, plink, plink, plink…Ich mochte nicht mehr, es passte kein Schluck mehr in mich hinein, hatte schon nur noch ein halbes Pint bestellt und selbst das am Ende verteilt. Bettschwer in die Kojen der 2 x 3 Meter Kajüten. Da auf diesen paar Quadratmetern „All in“ untergebracht werden musste, hatten sich Tinyhouse Designer für Sardinenbüchsen, pfiffige Raumsparwundereinrichtungen erdacht. Nüchtern betrachtet sicherlich klaustrophobisch, voll wie tausend Russen, mir doch hicks. Ich machte einen Aufschwung in die Hutablage, die sich mein Bett schimpfte. Ein breites Grinsen macht sich auf meinem sich merkwürdig taub anfühlendem Gesicht breit. Nicht schlecht für 50! Leitern?!! Lächerlich! Ist was für fluguntaugliche Weicheier. So der Stand gegen 23 Uhr in der Welt der betrunkenen Blondine. Nachts gegen drei Uhr, schweißgebadet aus Sekundenschlaf hochgeschreckt, tausend Grad in dieser Konservenbüchse, meine letzte verbliebene funktionierende Gehirnzelle, versuchte sich per Dosenöffner einen Fluchtweg in die Schädeldecke zu raspeln. Pulsierender, unerträglicher Haarwurzelendspitzenschmerz. Meine Hutablage war direkt mit der Ablage der Nachbarkabine verbunden. Ungewollte Intimität. Jedes Drehen, Husten,  Röcheln wurde 1 zu 1 an den unsichtbaren Nebenmann durch die hauchdünne Wand übertragen. Ich musste dringend von diesem Hochsitz klettern, um einem diffusen Rumoren im Darmbereich nachzugeben. Vorsichtig lugte ich über den Rand in die Dunkelheit, zu tief, zu eng, zu heiß, um einfach zu springen. Umdrehen und sich auf das untere Bett herab lassen? Keine Chance, ohne mit den strampelnden Hobbitschlegeln meinem selig schlafendem Mann, unkontrolliert auf oder in wichtige Körperteile zu treten. Jetzt fiel mir wieder ein wofür die denkende Welt Leitern erfunden hatte. Wie sich Ansichten ändern, wenn man die Perspektive wechselt und/ oder der Blutalkoholspiegel die Komagrenze verlässt. Keine Zeit zu philosophieren und über meine Versäumnisse der jüngsten Vergangenheit nachzusinnen. Ich musste irgendwie aus meinem Adlerhorst zur Latrine gelangen, ohne dabei abzustürzen oder andere mit in den Abgrund zu reißen. Plan B. Mann mit ganz viel lautem Flüstern wecken, herunter hangeln, Aufgaben wie ein Käptn auf der Brücke der Titanic ansagen- Ich Klo. Er Klima. Als ich endlich wieder im Vogelhorst lag, hatte der Süße die Klimaanlage auf „Cool“ geregelt, was bedeutete, dass man auf meiner blanken Stirn kein Spiegelei mehr gar gebraten werden konnte, aber im Schweißsee meiner Drosselgrube immer noch ein Frühstücksei hätte leicht simmernd garen können. Die nächsten Stunden verbrachte ich mit Auf- und Abschwüngen, um wahlweise meine Koliken zu pflegen oder meinen Därmen den Weg in die Freiheit der endlosen Nordsee zu ermöglichen. Um 6 Uhr allgemeines Aufstehen mit mehrsprachigem Weckruf. Immer noch Darm, immer noch Kopf, trotzdem oder gerade deshalb Powershowern. Kaum fertig mit dem Duschen, war ein gemeinsames Frühstück am Buffet geplant. Justament in diesem Moment überlegte sich mein Magen, dass er viel zu lange geschwiegen hatte zum Breakdance der Innereien. Ab 7 Uhr fand er, es sei höchste Zeit für einen neuen Move im langweilen Darmbreieinerlei, er stieg mit einer achtfachen Doubletrouble Windmill ein. Hieß für den Rest meines ausgelaugten Altfrauenlaibes, der dieser neuen Aktivität nicht folgen konnte. Ab jetzt wurde zurück gespuckt. Glücklicherweise hatte ich schön bunt gegessen, so konnte ich in Regenbogenfarben kotzen. Tipp für Nachahmer- das macht es in der Nachschau etwas interessanter. Nach und nach tauchten die Gesichter meiner lieben Mitreisenden auf. Alle hatten ihre Spucktüten zusammen gelegt und sie für mich gesammelt. Alle beruhigten mich, dass es mir bald besser gehen würde und erklärten, dass es auf gar keinen Fall am Seegang (Seekrank hätte „nur“ im Strahl kotzen gemeint) und auf gar keinen niemals nicht Fall am Heineken (Bier sei schließlich Medizin und mit meinem Befinden überhaupt nicht in Verbindung zu bringen) gelegen haben könnte. Sie waren sich einig, dass ich etwas Falsches gegessen haben müsste. Basta. Um es vorweg zu nehmen, es war ganz klar eine selbstverschuldete, angesoffene Magen -Darm- Kopfgrippe. Die spätere Rückfahrt durch den selben Kanal bei schlechtem Wetter, blieb ohne Probleme, spuck-weil alkoholfrei. Ich hatte ein wunderbares Abend- und Frühstücksbuffet, eine ruhige Nacht und eine unkomplizierte Heimfahrt. Von wegen Etwas verkehrtes Gegessen, am Ende war es einfach besoffen wie tausend Russenund Ja, Alkohol ist ein Nervengift. Aber Danke ihr Lieben für den Versuch. Ich war gerührt und es tat mir furchtbar leid, dass ich schon das erste Frühstück vermasselt hatte. Für die nächste Etappe, hatte ich ein viel schwieriges logistisches Problem zu lösen. Leider würden in diesem Zustand Kotztüten nur einen Ausgang bedienen. Vielleicht sollte ich die fünf Stunden Fahrt zu unserem Hausboot auf einem Eimer sitzend, über eine Tüte gebeugt, hinter mich bringen? Ein anheimelnder Gedanke, mit mir würde ich auch nicht reisen wollen. Allein die Aussicht darauf am Nachmittag wieder ein Boot zu betreten und eine Woche in diesem Zustand zu verbringen, sorgte nicht gerade für ungetrübte Vorfreude. Über diesen Gedanken umarmte ich, kniend, den stählernen Trichter der Verdammnis. Wie schön, ab jetzt nur noch Galle. Falls Jemand Interesse an einer Magen- Darmspiegelung bei mir hätte, ich wäre dann clean und bereit, zumindest hatte ich keine Kraft mehr für irgendeine Form des Widerstands. Eins war mir jedoch glasklar- DAS würde ich nicht einen Tag länger überleben. Endlich fuhr die Princess of Sickness in den Hafen von Tyre/ Newcastle ein. Als Letzter „On“ Board, hieß im Umkehrschluss als Einer der Ersten von Bord. Vorsprung bedeutete dies allerdings auch nicht, weil wir in eine Sonderreihe für Whatever gelotst wurden. Letztlich machte ich aber ein so grünes, freundliches Gesicht, wie es mein Zustand zuließ und man winkte uns nach Passkontrolle durch. Gut, der englische Cop, schaute viermal zur Kontrolle auf mein Passbild, um es dann mit dem Original zu vergleichen. Irgendwann kam er zu dem Schluss, dass Grüngelb das neue Wachsweiß sei und ließ uns passieren. Zumindest hatten meine Überlaufventile in beide Richtungen ihre Produktion endlich eingestellt. Stunde zwei, spuckfrei. Seit diesem Tag bekomme ich Bier nicht mehr über den Knorpel. Die gute Nachricht ist, als Alkoholiker zu enden wird definitiv nicht mein Schicksal. Mir ist unerklärlich, wie man nach so einer unnützen Nahtoderfahrung und dem Wissen darum, was passiert- wenn- dann- sich freiwillig das Zeug hektoliterweise in den Einfüllstutzen kippen kann. Der Rest des Urlaubes war wunderbar mit dem ein oder andern gepflegtem Glas Wein ohne Grenzerfahrungen. Seit Januar also mal wieder ganz ohne Alles, mal sehen Ostern ist sicheres Ziel, aber vielleicht vergesse ich ja einfach aufzuhören mit dem Aufhören? Abwarten, Tee trinken. dav

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