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„Gutes Personal zu finden ist schwierig heutzutage.“ (November 2014)

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Der Jahresabschluss steht bevor und ich habe dem Elend ein Ende gemacht und es getan. Ich habe mir zwei persönliche Sekretäre geleistet.  Sie sind jung, knackig, ledig und schon etwas  Anregendes für meine tränenden, alten  Augen. Zudem sind sie Beide rothaarig und allein was man dieser Haarfarbe so an Temperament   nachsagt, spricht ja für sich bzw. für mich. Natürlich haben sie auch ein paar Dinge, die gewöhnungsbedürftig sind. Sie tragen Schnauzbart, lange, wenn auch gepflegte Fingernägel, die man ohne Übertreibung auch „ Krallen“ nennen könnte, immer einen Pelz, obwohl sie meine Haltung zu Pelzträgern genau kennen. Während der Eine, seine sonore Stimme erklingen lässt, hat der Andere seine Stimmbänder wohl mit Micky Mouse getauscht. Ein Umstand, der ihn bestimmt eines fernen Tages das „hohe C“ glockenklarer trällern lassen wird als dies jemals den drei Tenören gelang. Er beerbt bestimmt einmal den so lange verwaisten Stuhl  des unvergleichlichen Enrico Caruso.  Im normalen Büroalltag ist dieser Ton jedoch eher dazu geeignet labile Fenstergläser zu  zerbersten oder da er direkt nach kurzem schmerzvollen Passierens der Gehörgänge, hinter dem linken Auge einschlägt und sich dort festkrallt, kann er auch mal spontan   einen Migräneschub auslösen. Alles in Allem sind sie im Büro eine suboptimale Hilfe, es sei denn man legt tatsächlich keinen Wert auf Arbeitsentlastung und hat nur etwas fürs einsame Herz und besagte triefende Augen gesucht. Dabei sind sie nicht einmal wählerisch bei möglichen Adressaten ihrer recht eindeutigen Avancen. Gestern wähnte ich den besten Kerl, ächzend und lamentierend über den Abrechnungen, ich wollte nur kurz etwas fragen- und was musste ich entdecken? Statt brav seine Finger über die Tastatur fliegen zu lassen, massierte er einem der vor Wonne schnurrenden Kerle das gefüllte Ränzlein. Sie rieben, wohl im Irrglauben unbeobachtet zu sein, ihre runden Köpfchen aneinander und tauschten feuchte Küsse aus. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, räkelte sich währenddessen der andere Nichtsnutz auf dem Schoß meines besten Kerls. Unverfrorene kleine Schlingel.  Mein Kerl, mein Schoß, meine Sekretäre!  Fällt vermutlich unter, „ Man muss auch jönne könne, wie der Kölner sagt“. Ich zog mich daher unbemerkt, aber ein wenig desillusioniert  in Bezug auf die Unersetzlichkeit meiner Person, zurück.

Heute musste ich nur zwei Rechnungsblätter für den besten Dad kopieren.  Unser Kopierer ist nicht mehr der Jüngste, man muss schon ein, zwei Probekopien erstellen um  die richtige Einstellung zu finden. Ich bastelte ein bisschen und legte dann die Rechnungen auf den Kopierer und drückte zwei Kopien und verließ das Büro in Richtung Keller. Dort sang unsere neue Waschmaschine eine „Ich bin fertig“ Melodie, die entfernt an „Guten Abend, Gute Nacht“ erinnerte. Also Waschmaschine entleert und Trockner befüllt, Treppe wieder hoch, Schleppi hoch gefahren. Als ich mich gerade mit meinem Laptop befasse wollte, drang ein merkwürdiges Geräusch von oben zu mir durch. Ich schloss die Augen, drehte den Kopf in Richtung Geräuschquelle und versuchte mich zu konzentrieren, was oder wer die Ursache wohl sein könnte. Blitzartig wurde mir klar, was es sein musste, ich sprang auf, hastete die Treppe hinauf, enterte das Büro und erstarrte. Zwei entfesselte rothaarige Kerlchen turnten auf und neben dem Kopierer herum, drückten dabei sämtlich erreichbare Tasten und unter ihnen lief permanent ein unruhiger Lichtkegel hin und her, während der Bauch des Gerätes unentwegt schwarze Blätter in den Raum spuckte. Einer der Beiden fing die Flyer, zerbiss sie oder versuchte eine Art Surfbrett daraus zu machen, indem er mit ihnen über das Laminat schlitterte. Als ich den Raum stürzte, um den Ausschalter zu betätigen, herrschte schlagartig Ruhe. Beide schauten  auf, hielten kurz inne, um dann hoch und tief maunzend, mit hoch erhobenen  Köpfen den Raum in Richtung Treppe zu verlassen.  Ich blieb leicht konsterniert im Chaos zurück Also- ich habe die Beiden Pfeifenheinis nach diesem Vorfall von allen Aufgaben entbunden, ich arbeite nun wieder ohne Sekretäre. Aber ich hege einen fürchterlichen Verdacht und möchte mich nun, falls dieser sich bestätigen sollte bei allen Betroffenen im Vorfeld entschuldigen. Jetzt wo ich weiß, was die Beiden während meiner Abwesenheit so getrieben haben…. Also sollte Eine oder Andere  von meinen Kunden, Freunden, Familie oder Facebooklern eine Mail, Fax oder Whattsapp mit Bildern eines Kopierers von zwei kleinen, roten, befellten Vermehrungsmittelfabrikationsbällchen (kurz Hoden) erhalten- Ich war das nicht!!! Ehrlich. Und das wird nicht ohne Konsequenzen bleiben, am 20.12.2014 haben die Beiden einen kleinen Eingriff. Nach dem OP- Termin brauchen sie endlich nicht mehr breitbeinig laufen wie John Wayne und sie dürfen  auf die andere Seite der Terrassentür, da wo das Leben tobt und mit all seinen Abenteuern auf die zwei Fruppsis wartet.


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