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„Double Blonde“

Wenn zwei Blondinen im Doppelpack unterwegs sind, gestaltet sich der Alltag mitunter bunter. Da gibt es diese Schwester in Farbe, Alter und Geist, die sich wunderbarerweise über ihr Fellkind in mein Leben geschnüffelt hat. Seit diesem ersten Moment teilen wir ab und an diese blonden Momente im Leben, darüber könnte ich mich „verzaubern“ , wie sie so gerne sagt und der Rest der Welt vermutlich ein bisschen lustig machen. Einer unser ersten Momente, war der gemeinsame Besuch eines Seminars. Nicht nur, dass wie beide auf den allerletzten Drücker vor Ort waren und es lag nicht daran, dass ab Autobahnauffahrt ein selbsternanntes Safety Car vor uns eingeschert war. Das habe ich einfach rechts überholt und dafür 10 Sekunden Strafe in der Boxengasse in Kauf genommen. Wir erreichten den Hof mit Müh und Not, fast pünktlich, der Kreislauf noch etwas zu tot für hochgeistigen Input. Also direkt am Seminarraum vorbei gerannt und in die Verpflegungsküche eingecheckt. Schnellradar eingeschaltet, Raum gescannt und sofort mit dem Verstand eines Süchtigen die riesige schwarze  Kanne als heiligen Gral für die wunderbare, belebende , schwarze Bohnenbrühe ausgemacht. Becher geschnappt, schließlich drängte die Zeit, der Referendar war vor ein paar Sekunden an uns vorbei geschlockert, hatte uns begrüßt und nun den Raum der Weisheit geentert. Noch waren wir just in time und safe. Nur noch den Becher unter den Kannenrüssel stellen und den Pumpmechanismus betätigen, Gewürze rein, Wissen wir kommen. Ich schnappte mir einen der einladenden Becher, positionierte ihn punktgenau, goß einen kleinen erhebenden Schluck Milch in die Tasse, damit dieser die schwarze Suppe, golden färben möge, schaute suchend auf das Kannenköpfchen, entdeckte den riesigen roten Punkt auf seiner Stirnseite und drückte. Nix passierte. Ich drückte ein zweites Mal, etwas energischer, wieder nüscht. Langsam war ich etwas genervt, ich konnte das Zeug das einen Körper in neue Dimensionen boostern konnte, schließlich riechen. Ich schlug also mit der flachen Hand mehrfach auf den verflixten roten Knopf, ohne dass ich meinem Ziel auch nur einen Millimeter näher gekommen wäre. Meine blonde Schwester hatte bis zu diesem Zeitpunkt mit einem leeren Becher in der Hand geschwiegen und geschaut. Nun ging der Guten die Geduld mit der dusseligen Kaffeekuh aus und mit einem , „Lass mich mal!“, schubste sie mich zur Seite. Sie eruierte die Gesamtsituation, um dann ohne zu zögern ihre leicht geballte Faust auf den roten Knopf niedersausen zu lassen. Ohne wirklich trinkbares Ergebnis, aber sie hatte sich zumindest Respekt bei der renitenten Tröppelminna erarbeitet, zitterte diese doch nun leise klappernd vor sich hin. Während sie sich mit der Kanne einen Faustkampf lieferte, schaute ich mir das eigentlich einfach gestrickte Teil genauer an. Ein kleiner grüner Schalter blinkte mich schelmisch an, ich schubste nun die wütende Boxerin aus dem Ring und deutet stumm auf den neu entdeckten Öffner der Büchse der Bohnenpandorra. Ich steckte meinen Zeigefinger weit aus und schnippte damit  den Schalter behände nach links. Es macht ein metallisches, klagendes Geräusch und der Deckel trennte sich vom Rumpf der Kanne. Eine Sekunde starrten wir entsetzt auf das Kaffeekannenmassaker. „Du hast sie kaputt gemacht!!“, kam es von meiner rechten Seite. „Gar nicht!“ behauptete ich und suchte hektisch die Einzelteile zusammen und steckte sie wieder mit Blick über die Schulter, ob mein Frevel unfreiwillige Zeugen hatte, zu einer Kanne zusammen. „Echt, jetzt lass mich mal besser machen.“Ich machte freiwillig Platz, schließlich hatte ich meine Unfähigkeit als Kaffeekannenflüsterin gerade bewiesen. Sie nahm Zeige -und Ringfinger und ließ sie vorsichtig auf die grüne Taste gleiten. Und- zack, zerlegte sich das Teil ein zweites Mal in seine Bestandteile. Mittlerweile ging es gar nicht mehr darum unseren Kreislauf anzuschieben, der lief sich seit fünf Minuten wund, auch ohne Koffein. Es ging um den persönlichen Ehrgeiz, sich von einer Plastikkanne nicht in die Knie zwingen zu lassen, zum Vollhorst hatte sie uns ja schon formvollendet gemacht. Als wir sie ein weiteres Mal gemeinsam wieder zusammen bastelten, fiel uns rein zufällig der riesige schwarze runde, handtellergroße  Tastschalter ins Auge. Schwarz auf schwarzer Kanne! Wir bauten sie zusammen, hielten abermals unsere Becher unter den Ausgießer, drückten sehr skeptisch und vorsichtig die schwärzesten aller schwatten Drucktasten, und hielten den Atem an. Als wäre es ihre natürliche Bestimmung spuckte die Kaffeekanne sprutzend und schwallweise Kaffee in die beiden Kaffeepötte. Als wir uns biegend vor Lachen gerade aus der Küche begeben wollten, kam eine weitere Teilnehmerin. „Gibt es hier Kaffee?“ „Jepp, da.“, wiesen wir in Richtung der zickigen Urne für Arabica und Robusta. Etwas hämisch warteten wir im Türrahmen, um uns an dem Schauspiel ein wenig zu ergötzen. Selbstsicher schritt die junge Frau an Kanne und Becher, stellte ihn unter, drückte die schwarze Taste, zog sich einen Kaffee und schritt fröhlich an uns vorbei. Als wollte sie uns verhöhnen, hielt sie uns die dampfende, duftende Suppe entgegen:“Geht doch nichts über einen frisch, gebrühten , heißen Kaffee am Morgen.“ Ich muss seit dem jedes Mal grinsen, wenn ich diese ollen Pumpkannen sehe. Mal ehrlich schwarz auf schwarz , wer kommt denn auf sowas?!

Heute waren wir zum Eis essen verabredet. Ich war shoppen im verhassten Einkaufszentrum, weil ich mal wieder für eine Hochzeit Klamotten brauche. Das Zentrum liegt zufällig in ihrer Stadt, daher die Verabredung, denn das einzig Gute dort, ist die italienische Eisdiele. Da keiner meiner Männer mitfahren wollte, wie immer, ich auch keine wirkliche Lust hatte, wie immer, rettete mich der blonde Engel, weil sie mir ein Eis in netter Gesellschaft verschaffte, am Ende des unumgänglichen, aber nervenden Einkaufs. Nach einem italienischen Moment durch die italo- deutsch radebrechenden Kellner , einem wunderbaren Cappuccino der  Extraklasse plus eine Waffel mit Eis und Obst, mit Jemandem, der meinem Humor blind folgen kann, über dieselben Dinge ablacht, die gleichen Werte hochhält und kongenial meine Gedanken mit und weiter spinnt, war ich mit der Shoppingwelt wieder versöhnt. Und das trotz Promosingsangaktion einer Lenamenaminnapinajodeldö, die direkt unter uns im Foyer ihr vermeintlich Bestes gab, das Schlagertext und dünnes Stimmen hergaben.Nach einer Stunde kurzweiliger Plauderei, machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Parkscheinautomaten, um unsere kleinen Plastikparkkarten zu bezahlen, damit diese uns bei Ausfahrt die Schranke öffnen mögen. Ich stand zum wiederholten Male an diesem frühen Abend in einer Schlange , erstaunlicherweise hatte wohl nicht nur ich die Idee an einem Samstagnachmittag in ein Einkaufszentrum zu fahren, verrückt. Endlich war ich an der Reihe , immerhin um einiges schneller als beim Klamottenladen zuvor, wo die Schlange Konsum -und Bezahlwilliger bis zum Ausgang reichte. Dabei taten die vier Mädels an der Kasse, eigentlich alle Models gefangen im Körper einer Kassiererin, wohlgemerkt einer sehr langsamen Kassiererin ihr bestes die Schlange ins Unendliche wachsen zu lassen. Ich also endlich am Ziel, stecke meinen plastinen Parkschein in den Automaten. Er machte ein rollendes Einzugsgeräusch, um die Karte mit hohem Bogen , fast angewidert vor meine Füße zu spucken. Unverdrossen schob ich die olle Karte wieder in den Schlitz, sie kotzte sie wieder aus. Ich weiß nicht warum, aber in solchen Momenten muss ich das Spiel unbedingt erst drei, vier Mal wieder holen, bevor ich merke, dass es so nicht funktioniert und sinnentleertes Wiederholen eine Maschine nicht überzeugt. Danach setzt dann irgendwann wieder das Denken ein, wenn auch auf sehr einfachem Niveau.Meistens ist mein erster Gedanke, dass das Scheißteil kaputt sei und ich für immer in der Shoppingmale verbleiben müsste. Oder noch besser , einen virtuellen Schrankenherrscher auf Knien und unter Zahlung eines Monatstagesparksatzes anflehen müsste, damit dieser seinen schwarzen Tastknopf  zwecks Schrankeröffnung drücken möge. Nicht ohne Androhung ewiger Maliverdammnis und das Video zu meinem Versagen bei YouTube hochzuladen. An mir konnte es schließlich eigentlich niemals nicht liegen. Ich tat einen Schritt zurück und versuchte ohne meine Lesebrille die Augen auf scharf zu stellen. Endlich gelang es mir die Symbole unter dem Schlitz zu fokussieren. Es waren Geldscheine! Ich hatte viermal versucht den Geldschlitz mit der Plastikkarte zu füttern, kein Wunder, das das Teilchen Regenbogen kotzen musste. Kartenzahlung war an diesem Automaten sowieso nicht möglich. Unweit des Geldschlitzes, saß auch der Leseschlitz für das Plastikkärtchen, Karte rin, 3 Euronen in einen dritten Einwurf , Wechselgeld aus dem riesigen Auswurf gekratzt, Karte wieder raus, fertig. Hinter uns eine anwachsende Schlange von Menschen mit Kärtchen im Anschlag. Meine Sis arbeitet sich selbstsicher an den Automaten, steckt die Parkkarte lässig in den dafür vorgesehenen Schlitz, 1 Euro 80 wurden zur sofortigen Zahlung ausgerufen. Sie öffnete in aller Seelenruhe ihr Portemonnaie und begann nach Kleingeld zu kramen. Natürlich auch ohne Lesebrille, Frau kann Geld passend erfühlen. Der Typ hinter ihr bekam langsam Plaque und das ließ sich nicht nur an dem wippenden Fuß und seinen angestrengt hochgezogenen Augenbrauen festmachen. Das ließ die bezahlende Blondine neben mir völlig kalt, sie kramte weiter in ihrem Kleinmetallfach. Sie schaute angestrengt auf die Münzen in ihrer Hand, auf die angezeigte Summe, auf den Schlitz  und zurück auf ihre Hand. „Mist, zu wenig.“ Hinter uns missbilligendes Raunen. Mit Schwung wanderten der Klimperkram wieder in der Geldbörse. Stattdessen zückte sie mit spitzen Fingern einen Fünftausendeuroschein aus einen der hundert Fächer und stopfte ihn in den Geldscheinschlitz. Wieder ein rollendes Einzugsgeräusch, doch bevor der Automat ihn ihr wieder vor die Füße rotzen konnte, pfriemelte sie ihn kurzerhand wieder zurück. Der Gott des Geldeinzugs hatte wohl die seufzenden Gebete der nachfolgenden Zahler erhört, die in dieser Zeit ihre Lebenspartner kennen gelernt hatten, heirateten und nun schon in der vierten Generation hinter uns auf ihre Chance warteten. In dem Moment als der Automat den Geldschein akzeptierte, ergoss sich in die riesige Wechselgeldklappe ein Regen aus unzähligen Münzen. Sie hatte den Highscore, fehlte nur noch ein Blinklicht und Flitterflatterkonfetti aus zwei Kanonen, das Gerät sprudelte derweil weiter Kleingeld aus seinen Gedärmen in die überlaufende Bauchlade. Mit den grazilen Bewegungen einer Primaballerina im Rentenalter mit Gicht und versteiften Rückenwirbeln, schraubte die coolste der Blindschöpfe sich nach unten, um nun mit Ruhe und Bedacht ihr Wechselgeld einzusammeln. Sie drehte sich nach getaner Anstrengung mit einem gequältem, aber bezaubernden Lächeln an das geneigte Publikum, „Sorry, ich hab Rücken.“ Die Gesichtszüge all der potentiellen Mörder in der Reihe hinter uns , die schon über zwei Etagen in den Keller reichte, hellten sich auf. Wie sollte man einer Blondine mit Rücken und blonder Freundin an den Hacken auch böse sein, sie hatte es schließlich schwer genug. Ich fuhr lächelnd nach Hause, hatte ich doch mal wieder eine neue Erfahrung machen dürfen, nicht unverschuldet in einem Stau den Gezeiten ausgeliefert zu sein sondern kurzerhand einfach mal „La Tete“ der Polonaise zu bilden . Krass.


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Ein Rummelschubser vs. Glioblastom et alia

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"Loriot is always sitting on my shoulder"

Arno von Rosen

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Comics, Illustrationen und Musik mit Blechbart, Ninja-Affen, Einhörnern und Glitzer

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Irrelevanzen aus Münster.

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