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„Denken ist Glücksache- manchmal.“ (März 2015)

11990492_732639836841977_1631245341415470429_nNeulich in einem der unendlichen, unübersichtlichen, aber vor allem unpraktisch engen Gängen eines Lebensmitteldiscounters. Zwischen zwei Blondinenverwirrkosumgüterregalreihen, vor mir  Stau, zwei junge Mütter unterhalten sich. Nicht das sich Jemand Sorgen macht, ich habe weder geraucht, noch Ichsehdieweltrosaundhabealleliebpillen geworfen.  Ich interessiere mich im Normalfall null für solche Situationen oder  stalke aus Langeweile das Leben der Anderen.  Die beiden Muttis ließen mir einfach keine andere Möglichkeit, sie blockierten mit ihren reichlich mit Kindersatt,-trocken und –saubermachutensilien plus jeweils ein geschlüpftes Gnagna in Kindercontainern und einem schon selbstständig quengelnden  Blabla gefüllten Einkaufswagen die kürzeste Passage zu den befreienden Kassen. Beide bewegten sich alterstechnisch zwischen Anfang und Mitte Zwanzig. Junge Mütter haben offensichtlich wenig Zeit, daher legen sie wenig Wert auf die eigene Frise oder Outfit, ein bisschen Schwund ist halt immer. Zum optischen Ausgleich, wird die fehlende Ich-Zeit, in die zuckersüß und unfassbar unpraktisch rosa oder blau gewandeten Krähsäcke investiert. Ich erinnere mich zwar wegen chronischen Schlafmangels, nur Bruchstückhaft an die Zeit, aber ich fände und fand es umgekehrt irgendwie sinniger. Liegt vielleicht daran, dass ich selten erwachsene Frauen, lustig und leidenschaftlich durch Dreck und Pfützen waten sehe, obwohl sie stets perfekt dafür gekleidet scheinen. Die top gestylten Zwerge werden meistens scharf und lautstark eingebremst, wenn sie mit ihren Designermatschhosen tatsächlich in selbigen abtauchen wollen.  Ich bewundere auch immer, dass diese Supermoms auf alle möglichen und unmöglichen Eventualitäten eingerichtet zu sein scheinen. Gerade spukt einer der langsam unwirsch werdenden Gnagnas den obligatorischen Kieferorthopädenglücklichmachenden „Schnulli“, mit hohem Bogen aus seinem Erdbeerkörbchen, um ob des Verlustes direkt in anschwellendes „Bruäähhhh“ zu verfallen. Ohne ihr Gespräch zu unterbrechen, taucht Mama One ab, schnappt sich die Ersatzdroge für Zuneigung, öffnet noch im Abtauchen ihren Wanderrucksack, fingert auf einem Bein stehend in einer der vorderen Taschen und zaubert ein Päckchen Desinfektionseinmaltüchlein hervor, befreit eine dieser Umweltsündenblättchen aus seinem Beutel, reibt den Schnulli ordentlich damit ab und steckt den Chemiecocktail in den weit aufgesperrten Schnabel. Ist bestimmt gesünder, als die paar  Immunsystemtrainer, die der Schnulli  am Boden mitgenommen hatte. Immerhin verätzt es dem kleinen Pamperspöter erst mal die Stimmbänder und es herrscht trügerische Ruhe. Ich weiß, warum ich nie den „Best Mom Choice Award“ gewinnen konnte, kein Schnulli, keine Dauerbetankung an der Teepipeline, keine sterile Desinfektionsaktionen, ständig Tierhaare auf  und in dem Kind, einziges Utensil an der Frau waren jeweils zwei Wechselwindeln.  Sorry Süßer, deine Ma war eine unmögliche Rabenmutter.

Aber ich schweife ab, mal wieder… Also zurück in unseren Diskounter. Da schaut gerade die mittelblonde Pferdezopfmutti, die brünette Pferdezopfmutti mit großen Augen an, legt das Köpfchen schief und kräuselt angestrengt die Stirn. Beschwörend schaut sie ihr brünettes Pendant an und spricht flüsternd:“ Also seid Finn da ist, bin ich immer am DENKEN!!!“ Kurze Pause…Dann fast flehentlich: „Kennst du DAS auch? Ich mein, weißt du, was ich meine?!!“. Das brünette Lottchen schaut auf ihre blonde Schwester im Geiste. Sie schaut und schaut, die Augen vor Anstrengung weit aufgerissen und rund, kullern fast hinaus, ihr Mund öffnet sich und schließt sich wieder. Sie schaut erneut, legt ebenfalls die Stirn in Falten, öffnet wieder den Mund, dann endlich schüttelt sie bedauernd den Kopf. Sie zuckt mit den Achseln und hebt fragend beide Arme:“ Neee du, kenn ich nich.“
Ich musste schnell weiter, damit sie mein unkontrolliertes Lachen und tourettartiges Zucken nicht noch mehr verwirren möge. Ich überlege immer noch, unter was ich das Abheften soll? Unter „Posttraumatische Stilldemenz“, „Teilamnesie durch eine Überdosis Desinfektionsmittel“ oder „Im Obergeschoß brennt Licht, aber es ist niemand zu Hause“?  Hupe- Mein liebes „DoppeltesMütterLottchen” – Danke!!! – You just made my day, both.


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