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Als die Blondine das Fliegen lernte. (Januar 2012)

Durch einen angeregten Austausch unter zwei Hundebekloppten, war sie auf einmal wieder da. Eine fast vergessene Erinnerung  wärmte mein Herz und ließ mich laut Lachen. Unser Gespräch hatte etwas von einem Sonnenstrahl, der etwas kurz mit seinem Licht streift und es in einen hellen, goldenen Glanz taucht.  Naja weniger golden, mehr erdig, ich denke schlammig, trifft es vermutlich am Besten. Tricky ist ein besonderer Hund mit besonderen Anforderungen an uns. Dabei beziehe ich mich nicht auf seine gesundheitlichen Probleme, da wir sie in unserem Alltag durch eine gut greifende Medikamentation gut ausblenden können.  Mit „besonderem“ Hund, sind seine diversen Baustellen gemeint, die er mit in unser Leben brachte. Eine, die sich sehr schnell nach seinem Einzug offenbarte, ist seine passionierte Jagdleidenschaft. Mein entzückender Mann, ähnlich von unserem vorherigen Sozialarbeiter unter den Hunden Flixi verwöhnt wie ich, machte seine heilige „ein Mann und sein Hund“-Abendrunde mit dem „Neuen“.  Tricky war zu diesem Zeitpunkt etwa vier Tage bei uns. Nach etwa 20 Minuten Abendrunde klingelte mein Handy, am anderen Ende ein etwas erboster Mensch, der so gar nichts mehr von Hundehalterstolz in der Stimme hatte. „Der ist weg!“.  „Wer ist weg?“, ich fühlte, wie ich innerlich blass wurde, mein Kreislauf seinem Namen alle Ehre machte. „Der bekloppte Knallschadenköter!“ „Wie weg??!!!!“ „Na weg, W-E-C-H, wie nicht mehr da. Abgehauen, wie ein Irrer hinterm Reh her, Richtung Steinen(umliegendes Kaff, Anmerkung der Autorin), habe zwei Frauen getroffen, die ihn gesehen haben, als er die Straße überquerte…“

Na super, also ich mich in meinen Bulli geschwungen, meinen Mann angewiesen dort zu warten, wo ihm Tricky (der seit diesem Zeitpunkt nicht mehr sein, sondern ganz allein mein Hund war!) irgendwie von der Leine und abhanden gekommen war. Wir suchten eine ganze Zeit, keine Chance, ich war total verzweifelt, es wurde langsam dunkel. Wir hatten zwar eine kurzfristige  Aufsicht für den besten Sohn, damals gerade 7 Jahre, in einer netten Nachbarin gefunden, aber wir mussten erst einmal abbrechen. Auf dem Rückweg, ratterten unsere Gehirne. Ein Plan musste her, ich würde mich wieder auf den Weg machen, um den armen, wahrscheinlich mittlerweile total verängstigten Hund zu suchen, mein Mann sollte die notwendigen Stellen informieren. Wir bogen beide mit schwerem Herzen, aber überzogen heiterer Außenfassade in unsere Einfahrt, ich hatte einen riesigen Knoten im Magen. Wie sagen wir es dem Kind? Mittlerweile war es dunkel, ich schaute zu unserer Haustür. Im Dunkeln erkannte ich auf unserer Treppe die Umrisse unseres „Freigängers“. Ich konnte es nicht fassen, vier Tage da,  in einer unbekannten Gegend abgezischt, in eine entgegengesetzte Richtung, im Jagdmodus- und er findet den Weg trotzdem zurück. Nicht auf dem Weg, den er gekommen war, da hätte ihn ja der beste (und nun doch sehr erleichterte) Kerl wieder aufgegabelt. Er muss sich in einem geographischen Dreieck wieder zurück orientiert haben, Pfiffikus. Egal wie, er war wieder da, ich musste eine Runde bläddern, da bin ich dann Mädchen und unser gemeinsames Trainingsziel, hatte eine neue aktuelle Top 1, ebenso wie meine Literatur- und Fortbildungsliste.

So begann unsere intensive Arbeit an unerwünschtem Jagdverhalten. Wir hatten gute und schlechte Zeiten, aber nach einigen Monaten fruchtete unser Training endlich und er konnte auch wieder öfter „Offline“ laufen. Alles in allem will ich ja nicht angeben, aber wir machten das klasse und ich war super Stolz auf unsere Erfolge. Obwohl – welch Wunder, bei der Trainerin?!!

Der Winter kam und der nasskalte Frühling begann, zu dieser Zeit verstarb meine sehr verehrte Großtante, etwas, dass ich hier nicht vertiefen möchte, ist eine Geschichte für sich und nicht der richtige Rahmen. Warum ich es dann erwähne? Sie wohnte in Hagen- Rummenohl und mein Vater und ich mussten nach ihrem Tod Vieles regeln, einschließlich der Räumung ihrer nicht gerade kleinen Wohnung. Wir fuhren in jeder freien Minute die etwa 50 km in Richtung Hagen und kamen dieser traurigen Verpflichtung nach.  Eines Tages musste ich Tricky mitnehmen, weil er sonst über einen unangemessenen Zeitraum alleine hätte bleiben müssen. Mein Vater stieg in Hagen- Dahl aus und kümmerte sich um die letzten Bankgeschäfte seiner Tante. Ich nutzte die Zeit, um meinen Hund und mir einen Spaziergang zu gönnen. Dahl, Priorei,  Rummenohl, sind alles kleine Gemeinden, die rechts und links malerisch in den steilen Hängen um das Volmetal liegen. Man kann hier tagelang in den Wäldern spazieren gehen. Tagelang hatte ich leider keine Zeit, aber zumindest ein halbes Stündchen, hatte ich mir eingeplant. Ich trug keine adäquate Hunderundenkleidung oder Schuhe, da wir schließlich zum Räumen der Wohnung angereist waren. Es war ein nieseliger Tag, irgendwie spiegelte das graue, nasskalte Wetter meine innere Verfassung. Ich stiefelte also in eine sich hochwindende   Seitenstraße, vorbei an einer Art Hundepension, aus der Gebell ertönte, aber kein Hund zu sehen war. Tricky schien, ob des Gekläffes sehr angespannt, Ringelrute hoch erhoben, stacksigen Ganges, zog er mich, wenig leinenführig, an der Pension vorbei. Nach der Hundepension querten wir eine Art Sägewerk, aber auch hier keine Seele zu entdecken, ich versuchte mich in Leinenführigkeit, schließlich klappte das sonst ziemlich gut. Tricky blieb sehr angespannt, aber zog nicht mehr und ich hatte tausend andere Sachen in meinem Blondinenschädel. Während ich im Kopf schon wieder am Sachen planen und packen war, änderte sich die Umgebung. Wir hatten das letzte Haus hinter uns gelassen und eine Art Wanderweg führte weiter in den Wald. Dabei zog sich der Schotterweg immer noch relativ steil nach oben. Ich stolperte so eine ganze Zeit ziemlich gedankenverloren vor mich hin, nur der zunehmende unangenehme Zug auf meine Hand und Schulter holten mich zurück- ans andere Ende der Leine. Ich blickte um mich und wir waren auf einem mittlerweile schmalen Patt unterwegs, meine Füße in den unvorteilhaften GeländeBirkis, waren durch das Gras feucht und ich rutschte in den Outdoorschläppchen blödsinnige Fußfurzgeräusche produzierend hin und her. Ich schaute kurz hoch auf meinen Hund und sah gerade noch, wie er gespannt wie ein Flitzbogen, jedes Sinnesorgan in Richtung Wald gerichtet, Rute leicht gekrümmt oberhalb der Rückenlinie, kurz verharrte. weiterlesen


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Ein Rummelschubser vs. Glioblastom et alia

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