Schlagwort-Archive: Bin ich denn schon drin

„Ja bin ich denn schon drin?!“ (Mai 2015)

Alles fing mit einem unauffälligen, an mich adressierten Umschlag vor etwa vier Wochen an. Ich schaute kurz auf den Absender und legte ihn ungeöffnet auf den Esszimmertisch zurück. Er war völlig uninteressant und schon mit seinem leisen Daniedergleiten auf die Tischplatte von meiner Festplatte gelöscht. Etwa 24 Stunden später stand mein bester Kerl mit einem Brief in der Hand vor mir und wedelte ein wenig vorwurfsvoll damit vor meiner Nase herum. „Du musst deine Post auch mal lesen!“. Ich blickte auf das Logo und dachte bei mir, dass ich sicher nicht den scillionsten Werbeflyer meines Telefonanbieters, nennen wir ihn mal Magentkom, lesen möchte. „Wozu?! Meine Rechnung kommt online, alles läuft und ich werde den Teufel tun, diesen seltenen Zustand auch nur ein Mühchen zu verändern.“ „ Die haben dir gekündigt.“, entgegnete der beste Kerl in aller Ruhe. „DIE haben WASS?!!!!“ „Ich sagte ja, dass du deine Post auch mal lesen solltest.“, kam es lakonisch aus dem irgendwie selbstzufrieden schauenden Gesicht meines Gegenübers. Ich riss den Brief an mich und überflog den Wisch. Tatsache, mein „Produkt“, trotz meiner absoluten Zufriedenheit, würde in Zukunft auslaufen, man kündige mir daher fristgerecht zu November 2015, freue sich jedoch mir „Ihr-Alles-wird- schneller- höher-weiter- eben „Magenterer“- Pakets anbieten zu können, mit der abschließenden eindringlichen Bitte mich kurzfristig an einen ihrer unzähligen Sachbearbeiter zu wenden. Um nicht wieder den Eindruck zu erwecken, dass Magentkom oder die Wünsche meines Liebsten mir hupe sind, rief ich direkt dort an. Der Sachbearbeiter bestätigte den Inhalt des Briefs und unterbreitete mir in aller Ausführlichkeit eine pinke Zukunft. Da ich mich gerne schnell entscheide, bestellte ich das „Fast-as-a-pink-shark-Paket“ mit kompetentem Strippenleger inklusive. Dass der mobile Servicemitarbeiter mit Neunundneunzigeuroneunundneunzigcent extra zu Buche schlagen würde, für ein Produkt, das ich weder brauchte noch unbedingt wollte, versteht sich von selbst. Der freundlich gemeinte Rat, ansonsten zu einem Konkurrenten zu wechseln, ist bei einer absoluten Monopolstellung meines Anbieters in unserem zweihundert Seelennest schon ein ganz klein bisschen zynisch oder rotzfrech. Der Kundenservice wurde allerdings in den letzten Jahren ein wenig besser durchdacht und an vielen Stellen modifiziert. Ein Termin wurde vereinbart,  das notwendige Zubehör bestellt, bestätigt und schnell geliefert, direkt bevor der Streik der Paketdienste anfing, alles begleitet von Mails und Anrufen , die jeden Schritt dokumentierten oder ankündigten. Im Prinzip blickte ich dem Besuch des Mitarbeiters am Montag letzter Woche, sehr optimistisch entgegen. Freitag vor dem Besuch die Terminbestätigung auf mein Handy und die Abklärung aller Umstände, die der Servicemensch vorzufinden hoffte bei seinem Eintreffen. „Unser Techniker ruft Sie dann eine halbe Stunde vor Eintreffen an und muss Zugang zu folgenden Räumen…. haben. Welche Geräte müssen entfernt und welche installiert werden?“ Wir klärten die Details und ich fragte nach dem voraussichtlichen Aufschlagen des Technikers vor Ort. „Nun, er wird in der Zeit von 12 bis 18 Uhr 30 bei Ihnen sein.“. Ich atmete scharf ein:“ Von Juni bis Juli?“ „Wie meinen?“ kam es etwas pikiert zurück. Sie wusste genau wie ich meinte zu meinen, aber ich traktierte sie nicht weiter mit meinem gewöhnungsbedürftigen Humor. Montag raste ich nach Hause nach der Arbeit und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Um 13 Uhr schellte mein Handy, Nummer verborgen, ein sicheres Zeichen für einen Magentkom Mitarbeiter am anderen Ende, dessen Identität unbedingt so geschützt werden muss, wie die eines Kronzeugen bei einem Mafiaprozess. „Hallo Frau Hillebrand, hier Herr Müllermeierschulze von der MagentKom. Ich bin jetzt am Verteilerkasten, schalte sie eben frei und dann komme ich zu ihnen, um ihren neuen Anschluss einzurichten!“, strahlte es aus dem Hörer. Ich fühlte so etwas wie Begeisterung in mir aufsteigen, arbeitete weiter an meinem Nudelteig und wartete. Eine Stunde und Haushaltsarbeitsmeilen später, das Handy bebte erneut. „Hallo Frau Hillebrand, hier Herr Müllermeierdingenskirchen von der Magentkom.  Ich wollte ihnen nur kurz sagen, dass ich ein wenig hänge, aber ich habe sie weder vergessen, noch den Weg nicht gefunden. Ich schalte sie frei und dann komme ich auf jeden Fall zu ihnen raus.“, das Strahlen der Stimme war merklich gedämpfter. Während ich noch überlegte , wie man sich verfahren sollte vom 400 Meter entfernt liegenden Verteilerkasten auf einer dörflichen Straße, die geradeaus zu unserem Haus führte, merkte ich , wie meine Zuversicht, diesmal kein Desaster zu erleben, schwand. Eine weitere geschlagene Stunde später, mein Handy- am anderen Ende eine zögerliche Stimme ohne Glanz und Gloria. „Hallo Frau Hillebrand? Hier nochmal Herr Müllermeierhackenstramm. Ich wollte nur Bescheid geben. Es geht nicht! Ich weiß nicht woran es liegt, aber das müssen sich meine Kollegen vom Innendienst anschauen.“ Ich fühlte meinen Puls hochschnellen:“Was heißt – es geht nicht?? Hier geht dank ihrer Vorarbeiten gar nichts mehr, ich kann weder telefonieren noch ins Internet. Was passiert jetzt und was ist mit der Technik hier im Haus, die ab- bzw. aufgebaut werden muss?“ „Ja nee, weiß ich auch nicht, ich kann erst einrichten, wenn das Signal bei Ihnen ankommt und wann der Trupp rauskommt, weiß ich auch nicht.“ „Na dann schalten sie mich zurück, vor drei Stunden war alles in bester Ordnung!!!!!“  „Ja neeeee, das geht auch nicht.“, neben bedauernd hörte sich dieser Typ irgendwie ratlos und ein wenig weinerlich an. Ich bat ihn inständig, die Störung mit dem dringenden Hinweis weiter zu leiten, dass sowohl ich als auch mein Mann, beruflich von Erreichbarkeit und Internetzugang abhängig seien.  Er versprach dies hoch und heilig, wirkte dabei aber irgendwie als wäre er der Fahrer des Fluchtfahrzeugs der Panzerknacker und schon million miles entfernt. Nudelteig muss lange und gut geknetet werden, tatsächlich soll man ihn zwischendurch kräftig schlagen, um ihn geschmeidig zu machen. An diesem Montag gelang mir der beste geschmeidigste Nudelteig ever, aber ehrlich gesagt war mir der Preis für diesen Wutteig zu hoch. weiterlesen


Rummelschubser

Ein Rummelschubser vs. Glioblastom et alia

beastieblonde

"Loriot is always sitting on my shoulder"

Arno von Rosen

Buch Autor

teamocomics

Comics, Illustrationen und Musik mit Blechbart, Ninja-Affen, Einhörnern und Glitzer

seppolog

Irrelevanzen aus Münster.

%d Bloggern gefällt das: