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Bakery is baking….

Kennt ihr das? Diesen süßlich, warmen, aromatischen, speichelboosternden, heimeligen, kindheitserinnernden, würzigen Duft, der Einem aus einer Bäckerei entgegen strömt? Ich meine eine Bäckerei, wo noch Handwerk drin steckt, wo Handwerk drauf steht. Nicht die Hauptsache billig, früher waren Brötchen knackiger, krustiger, frischer, aber ich kauf trotzdem lieber in einer Billigkette oder Backstation und glaube gerne an Aussagen großer Diskounter- „Woran erkennt man gutes Brot? Am Geschmack, guten Zutaten, Gutes Brot erkennt man an gutem Brot!“ Wie einfach, wie nichtssagend, wie unwahr, wie dämlich. Leute- geht zu eurem Bäcker, sonst gibt es ihn sehr bald nicht mehr. Ich weiß , es ist nicht so rührend wie Aufrufe des WWF und Bäcker sind meistens lang nicht so niedlich wie Pandas, obwohl sie die gleichen schwarzen Augenringe ihr eigen nennenTatsache ist aber sie sterben ebenfalls aus! und zwar rasend schnell. Also ich kaufe unfassbar gerne bei verschiedenen Bäckern, die ihr Handwerk heiligen und mit einer Seriosität vertreten, wie es nur Menschen können, die eine tiefe Ehrerbietung gegenüber ihrem Beruf, den Lebensmitteln und dem uralten Kunsthandwerk empfinden. Also Menschen, die ihren Beruf als Berufung und nicht als notwendiges Übel leben. Ein besonders begabter Bäcker und seine Frau, eine Französin, betreiben eine Bäckerei in unserer Gemeinde. In dieser Bäckerei bekommen Kunden wunderbare Backwaren, die besten Brötchen, französische Patisserie, frische Berliner, Kuchen der Saison, Kaffee, Frühstück, selbstgemachte Frikadellen, einen kurzen, persönlichen Plausch, auf französisch, deutsch und türkisch, et, et, et….Je t`aime… Vier Minuten Wohlgefühl mindestens zweimal in der Woche.

Eigentlich kein typischer Blogbeitrag für mich- oder?!

Nun, ich kaufe zweimal die Woche bei der Bäckerei meines Vertrauens und natürlich nicht nur ich. Das Coole ist, das man in der Bäckerei Backwaren und vor der Bäckerei Wagen für Umme bekommt. Hört sich komisch an- ist aber so. An mindestens einem Morgen im Monat, steht vor dem Laden ein Auto unterschiedlicher Fabrikate mit steckendem Schlüssel und bei laufendem Motor. Ich verharre immer kurz vor den rohstoffverballernden, stickoxydproduzierenden, lärmenden Karren und checke den Kilometerstand, um zu schauen, ob sich die Aneignung lohnt. Bislang haben immer meine aktuellen fahrbaren Untersätze gegen die röhrenden Kackschüsseln gewonnen.Nun bin ich ein zutiefst sozialer Mensch, heißt nur weil ich ein Wohlstandsblag zu sein schein, gilt das ja nicht für alle Anderen. Also gehe ich an solchen Morgen gerne  mit einem gönnerhaften Lächeln und fragenden Blick in das warm erleuchtete Ladenlokal und nachdem mein freundlich übermotiviertes „Mohrgähnnn!!!“ auf ein geteiltes Echo von Ignoranz bis Erwiderung trifft und verhallt, baue ich eine kurze Kunstpause ein. Gerade, wenn alle sich wieder ihrem Tagesgeschäft zu wenden wollen, erhebe ich Kopf und Stimme und frage laut und deutlich:“ Braucht Jemand einen Audi A4 mit 123000 Kilometern in Silber für umsonst?“ Schönes Gefühl, wenn einem von jetzt auf gleich die volle Aufmerksamkeit vor und hinter der Theke sicher ist. Ich blicke dann immer gerne in diese fragenden, verunsicherten und irgendwie auch erwartungsfrohen Gesichter. „Ja wirklich, für Umme !!“ Ungläubiges Schweigen- jedesmal. Ich schaue sehr seriös von Einem zum Anderen, deute mit meinem Arm in Richtung Tür :“Echt! Steht vor der Tür, Schlüssel steckt , Motor läuft- viel Spaß und allzeit gute Fahrt!“ Meistens teilt sich dann die Zuhörerschaft, in lächelnde Kopfschüttler und einem fluchtartig seine Brötchen greifenden, den Raum verlassenden, manchmal Erklärungen brabbelnden Mitmenschen, der seinen geparkten, laufenden Fluchtwagen entert und mit quietschenden Reifen davon braust. Ich hatte schon so unterschiedliche Exemplare, alte Karren, nagelneue Schlitten, einen riesigen Traktor, und wenn ich sage riesig, meine ich riesig. Allein dessen Reifen hatten einen Durchmesser von fast 2 Metern, als er hielt, verdunkelte sich das Ladenlokal und der nagelnde Diesel, ließ die Bienen in der Auslage im Takt vibrieren und vermutlich konnte das Jungbäuerlein nur deshalb so gelassen seinen Kuchen bestellen, weil er sicher war, dass kaum Jemand in der Lage sein würde die Treppen zum Fahrercockpit zu erklimmen.

Vor drei Wochen hatte ich jedoch den absoluten Highscore an Dämlichkeit und diesmal kommt dämlich von Dame, also nicht im Habitus aber als Genius. Hier also holde Dämlichkeit, meint weiblich und was noch schwerer wiegt, Status: Muttertier. Nicht mehr laktierend, aber offenbar hatte die Stilldemenz immer noch einen nicht unerheblichen Einfluss auf die junge Dame. Sie hatte sichtlich wenig Zeit, weder zur Eigenpflege, noch zur Zubereitung von ausser Haus Speisen für den Nachwuchs. Da ihr offensichtlich die Aufzucht der Brut jegliche Zeit, Nerven, Umgangsformen, als auch lebenswichtige Synapsen geraubt hatte, sah sie sich gezwungen, ihre beiden Kinder, eins Grundschule, eins KiTakind, mit dem gesunden, französischen Zuckergebäck  und brausehaltigen Getränken plus einem Tetrapack Kakao des Bäckers für den anstrengenden Tag zu wappnen. So geht vernünftige Ernährung, schließlich bist du eines Tages, was du isst. Ihre Kinder würden eines Tages wunderbare, luftige, puffige , französische Hefeteilchen mit Schokofüllung und Zuckerguss sein- einfach tres charmant et une Pümmelfee. Nun Ernährung ist eine Baustelle, Verantwortung ist eine andere. Ich stehe also bass erstaunt, ernsthaft entsetzt und wütend besorgt vor ihrem laufenden Golf älteren Baujahres. Mit Puls und trotzdem bemüht friedlich zu klingen, entere ich das heimelige Ladenlokal. Ich schenke mir die Ansage der Tageszeit und frage direkt:“ Braucht Jemand einen älteren Golf? Er hat Gebrauchsspuren und seine besten Tage schon gesehen. ABER- er hat eine absolute Sonderausstattung! Zusätzlich zu dem Raucherpaket, CD Wechsler und elektrischen Fensterhebern gibt es zwei Kinder , männlich/ weiblich, on top. Beide schon Gesellschaftskompatibel, auf feste Nahrung umgestellt,  gebrauchsfertig, trocken, mit Lauf – und Sprachfunktion, Schlaftaste. Wagen steht auf der gegenüberliegenden Straßenseite, Schlüssel steckt, Motor läuft, ein Kind , männlich sitzt auf dem Beifahrersitz , ein Kind weiblich auf der Rückbank, Kindersitze gehören zum Lieferumfang.“ Alles dreht sich um und schaut mich verständnislos an. Das Muttertier fuhr herum und herrschte mich an, dass mich das ja sowas von überhaupt nichts angehe und sie schließlich morgens nur drei Minuten eben Schokocroissants für die Kinder holen wollte.Ob das jetzt auch schon verboten sei?!!“ Ich versuchte ruhig zu antworten:“Ja, ist es. Aber in erster Linie ist es grob fahrlässig.“ Sie drehte sich abrupt um, bezahlte ihren Einkauf und zischte irgendetwas über die Theke, was sicherlich abfällig in meine Richtung gemeint war, ich aber nicht verstand- akustisch. Mal ehrlich, ich lass mich auch nicht gerne belehren, schon gar nicht über meinen Umgang mit meinen Kindern mit und ohne Fell und schon ganz und gar nicht, wenn diejenigen auch noch Recht haben. Ich hätte auch zickig reagiert, aber ich hätte mich geschämt und darüber nachgedacht. UND- ich hätte mein Kind nie wieder dieser Gefahr durch meine Bequemlichkeit ausgesetzt. Sie war einfach nur angepisst, weil ich genervt hatte, zwei Tage später, gleicher Film vorm selben Theater. Meine Idee, einfach mal in die laufende Kiste einzusteigen und weg zu fahren, verwarf ich wieder, nicht wegen der dummen Nuss, aber wegen der beiden Kids, die vermutlich Todesängste ausgestanden hätten. Wenn  ich sie morgens so antreffe, warte ich solange bis Supermom mit ihren zwei Bäckertütchen wieder in ihr Auto steigt, um die 900 Meter zur Schule weiter zu fahren. So kann ich wenigstens sicher sein, dass den Beiden nichts passiert, eine andere Idee habe ich gerade nicht.Zumindest Keine die legal und jugendfrei wäre.

 

 


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