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Am Telefon. (November 2014)

„Ja Hallo, mein Name ist M Ü L L E R!!! (Name von der Redaktion geändert). Sind Sie die Hundetrainerin aus Bönen?“ Die Stimme am anderen Ende der Leine äh Leitung verriet eindeutig, dass sie einer älteren Dame zugehörig war. Ich bestätigte ihre Frage und es entwickelt sich ein typisches Kundenerstgespräch. Die Tatsache, dass die freundliche Dame nach eigenen Angaben, deutlich jenseits der 70 Jahre war, erklärte ihre merkbare Hörschwäche. Ich bemühte mich also deutlich und in kurzen Sätzen zu antworten. Wir sprachen über ihre Lebenssituation und ihren kleinen „sturen“ Hund, den sie dereinst aus dem Tierschutz übernommen hatte und den sie heiß und innig liebte. Nannte sie ein Verhalten. dass ihr irgendwie nicht geheuer war oder sie schlicht und ergreifend nervte, nahm sie die Maus im nächsten Satz sofort wieder vor eventuellen Angriffen meinerseits in Schutz. Ich merke mittlerweile sehr schnell, ob Jemand wirklich Trainingsbedarf hat, einfach nur ein wenig Bestätigung braucht oder sich kostenfreie Trainingstipps per Ferndiagnose frei Haus erschleichen möchte. Letztere Gruppe von Zeitgenossen habe ich gefressen und beende das Gespräch auf eine Frage,“ Wie “ man“ oder ich, ein bestimmtes störendes Verhalten „abstellen“ könnte?“, gerne mit der Antwort:“ Indem man mich oder einen anderen kompetenten Kollegen vor Ort zur Rate zieht und bezahlt.“ Meistens ist das Gespräch damit sehr abrupt beendet und Du hörst nie wieder etwas von diesen Wissensschmarotzern. Als Trainer bist Du aber auch davor gefeit, dass sie entgegen deiner Philosophie eine Trainingsmöglichkeit abgreifen, sie ohne Wissen und Erfolg an ihrem armen Versuchshund ausprobieren, um dann zu behaupten, dass sie bei dir auch schon trainiert hätten und das hätte überhaupt nichts gebracht. Gegen diese verleumderische, vernichtende Kritik, kann man als Trainer nämlich kaum etwas tun, niemand wird sich die Mühe machen, diese Aussage auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen.Glücklicherweise hatte ich in meinen Jahren als Verhaltensberater kaum solche Begegnungen der eher unangenehmen Art. Die süße Omi am anderen Ende , gehörte eher zu der zweiten Kategorie, sie liebte ihren kleinen Hund, sie kam gut mit seinen Eigenheiten zurecht. Die ein , zwei Eigenarten,die sie selber unartig fand, schob sie einfach auf die Zeit im Tierschutz -auch wenn diese schon acht Jahre zurück lag. Während sie von Höcksken auf Stöcksken kam, mittlerweile war unser Gespräch bei der nicht vorhandenen Polizeipräsenz in Bönen mangels Geld und auf Kosten des Sicherheitsgefühls von Frau Müller angekommen, da stockte sie mitten in ihrem Redefluss. „Haben sie Kinder?!!“, die Frage kam ziemlich unvermittelt. „Ja?!!“ , antwortete ich. „Wieso?“ „Ich höre doch Kinder weinen im Hintergrund?!!“ Ich stutzte und hörte eine kurze Weile angestrengt nach draußen, ich hatte ein Fenster geöffnet und unsere neuen Nachbarn von Gegenüber hatten gerade einen Frischling bekommen. Nach kurzem Lauschen, wollte ich gerade sagen, dass ich nichts dergleichen feststellen konnte, schaltete sich wieder mein Telefonömchen ein:“DA , da war es wieder, das sind doch mehrere Kinder!“ Alle Sinne verschärft auf Außengeräusche werfend, sagte ich ihr:“Also ich höre nichts und mein Sohn ist 14 und in der Schule.“ „Aber ich weiß doch was ich höre! Die armen Würmer jammern ganz schrecklich!“ In diesem Moment wusste ich was die gute Frau meinte- „Ach DAS! Ja das sind tatsächlich zwei Babies, zwei Katzenwelpen! Sie sind 17 Wochen jung , erst seit zwei Monaten bei uns. Sie rufen sich immer gegenseitig, wenn sie sich aus den Augen verlieren.“ Mit dem erleichterten Gefühl die Geräuschquelle eruiert und das Missverständnis aufgeklärt zu haben, wollte ich zu unserem Gespräch zurück kehren. Bevor ich Luft holen konnte, bretterte die Dame empört auf mich los:“ 17 Wochen? Und sie plaudern hier mit einer alten Frau?!! Nein, diese jungen Mütter, immer telefonieren und die armen Würmchen weinen lassen!!! Ich sag Ihnen mal was, ich finde sie sehr sympathisch, aber ich lege jetzt auf UND sie kümmern sich gefälligst um ihre Kinder!!!!!“ Sie schmiss den Hörer auf und ließ mich leicht konsterniert zurück. In diesem Moment flog erst ein rotes Badmännchen neben mich auf die Küchenplatte vor der ich stand und keine Sekunde später der zweite schnurrende Verbrecher. Sie strichen mit ihren hocherhobenen Sterten um mein Gesicht und stießen mit dem Kopf an meinen Telefonhörer. Ich musste wirklich grinsen und sagte: “ Jaki, Elli – ich habe gerade die höchstrichterliche Anweisung erhalten, mich um Euch zu kümmern, dann kommt mal mit…“ . Ich hörte ein zweistimmiges „Mauuu- Mauuu“ hinter mir her laufen und wirklich, wenn man es nicht besser gewusst hätte, hätten es auch zwei greinende Babies sein können. Ich kann also nur bestätigen, dass  Katzen in meinem Menschenhaushalt auf der gleichen Frequenz funken wie die eigene Brut. Nicht dumm, nichts bringt eine Mama so auf Sendung, wie ein weinendes Würmchen, selbst wenn sie jenseits der 70 ist. 😉

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