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„2.Advent“

„Weißt du was? Ich gehe heute mal nicht zum Sport, sondern fahr mit dir nach Unna zum Shoppen!“ Der beste aller Kerle hatte das runde Köpfchen leicht schief gelegt und schaute mich erwartungsvoll an. „NEIN! Auf gar keinen Fall!!!“, kam es viel zu schnell und mit entsetztem Unterton aus meinem Mund geschossen. Mist, ich biss mir auf die Unterlippe, ich wusste, dass diese Reaktion zwar ehrlich, aber zu heftig ausgefallen war. Mit schmeichelnder Stimme, ruderte ich so gut es ging zurück. „Oh, komm schon, DU weißt, dass das keinen Sinn macht, mit uns Beiden.“ Er runzelte die Stirn:“ Ach ja? Wieso denn nicht?!“ „Das weißt du ganz genau, wir gehen beide so ungern shoppen. Ich habe noch zwei Gutscheine für die ich nach Klamotten schauen werde und ein, zwei  Weihnachtsgeschenke werde ich außerdem besorgen. Das kann dauern. Geh doch in der Zeit zum Sport und wir treffen uns im Anschluss? Was denkst du?“ „Nö, je länger ich darüber nachdenke, desto mehr freue ich mich darauf mit dir einkaufen zu gehen.“ Mein Gehirn arbeitete fieberhaft an einer Strategie, die mir diese gemeinsame Unternehmung ersparen könnte, ohne meinen Süßen weiter anzureizen oder aber zu verletzen.  „Wir könnten doch am Sportstudio parken, du gehst eine Runde Eisen biegen und kommst dann nach?  Es wird UNFASSBAR voll sein, schließlich ist Samstag und Adventsmarkt und dabei klares, sonniges Wetter… Und…“ Während ich weiter Argumentationsketten bildete, blickte ich ihn an und sah sein breites Grinsen. Offensichtlich genoß er es, wie ich mich verzweifelt wand wie ein Wurm unter dem Spaten. Ich seufzte, mir wurde schlagartig klar das weiterer Widerstand zwecklos war. Vor meinem geistigen Auge tauchten unsere gemeinsamen Samstagseinkaufstouren beim Lebensmittelhandel vor Ort auf. Der Herr bewaffnet mit Unmengen von Kästen mit Leergut, enterte den anliegenden Getränkemarkt, um uns mit neuen Softgetränken und Wasser zu bevorraten. Während ich schon mal vorpreschte, um den Lebensmittelhandel um einige Waren zu erleichtern, indem ich sie  aus Regalen, Aufstellern, Kühlschränken, Truhen und Kisten riss und in einen Einkaufswagen schmiss. Diese sind so dimensioniert, dass selbst wenn man den halben Laden in sie umfüllen würde, sie immer noch den Eindruck vermittelten, dass man mit so wenig Input die Kassiererin auf gar keinen Fall beschämen könnte. Schließlich lebte sie davon, dass Menschen wie du und ich das Laufband bis an die Kotzgrenze voll füllen mit Allem, was satt und rund macht. So pflückt man schon mal aus reiner Verlegenheit hektisch rechts und links unnützes Zeug aus den Regalen, damit wenigstens der Boden der rollenden Kiste bedeckt sei. Ansonsten kann ich mir nicht erklären, warum ein reiner Lebensmittelhandel, kurz vor den Kassen, völlig unerwartet, mitten im Weg, Waschmaschinen oder Rollatoren an die Frau bringen möchte und es vermutlich auch erfolgreich tut.      „Hi, war im Edeka einkaufen, Schatz. Habe Brot, Äpfel, Gesundheitsschuhe, 120 Pandasticker für mein WWF  Sammelalbum, ein zweites Dauerabo unserer Tageszeitung abgeschlossen, läuft auf deinen Namen, eine Mitgliedschaft beim ADAC gewonnen und eine Heizdecke mitgebracht. Und das Beste! Für meine Paybackpunkte habe ich einen „Rentner to go“, geschenkt bekommen. Hilfst du eben ausräumen, die Tüte mit dem Rentner ist so schwer.“

Im Normalfall, holt mich der beste Kerl kurz nach der Gemüse- und Obstabteilung ein, da ich mich dort naturgemäß am Längsten aufhalte. Ich muss ihn nicht einmal sehen, ich fühle ihn. Kaum angekommen, übernimmt er den Wagen, er ist schließlich der Kerl im Warenhaus. Kaum hat er das Steuer übernommen, legt er ein Tempo vor, das faktisch nicht mehr messbar ist. Er legt seinen Oberkörper auf die Stange des Einkaufswagens, hakt seine linke Hüfte und das rechte Knie aus und wankt im Tripptrapppisspottwalzerschritt von Gang zu Gang. Ihm dabei zuzuschauen, heißt in der Zeit rückwärts reisen zu lernen. Wie er bei dieser kaum merkbaren Vorwärtsbewegung überhaupt einen Schritt vor den Nächsten setzt, ist erstaunlich, aber einfach zu erklären. Er bewegt sich einfach unablässig mit seinem hin und her wankenden Tanzbärschrittchen, zusammen mit der Hilfe des Zeit-Raum Kontinuums erobert er so unermüdlich den Mount Santa di Konsume. Meine inständige Bitte, entweder den Wagen oder sich mit Wagen, hier oder dort, in eine statische, wieder auffindbare, nicht behindernde Position zu stellen, ignoriert er mit der stoischen Gelassenheit eines erleuchteten Gurus. Heißt, wenn ich mich mit 2 1/2 kg Kartoffeln, 2 Litern Milch, einem Netz Orangen behangen, dazu zwei Gläsern Marmelade unter das Kinn geklemmt, 10 Rollen Toilettenpapier und zwei Baguettes unter beide Arme gesteckt, umdrehe, um alles vorsichtig ächzend zu balancieren versuche, ist der Herr Lohse nicht da. Und was viel Schlimmer wiegt, mit ihm ist auch der Wagen verschwunden. So überladen schwanke ich durch den Laden, der unendliche Regalreihen und Gänge zu haben scheint. Irgendwann, in einer Reihe, in der ich niemals nicht einkaufen würde, steht er dann da, meine Säule der Erkenntnis und blickt verloren im meditativen Nirvana angelangt, auf Tütensuppen und Fertigprodukte. „Alles so schön bunt hier… Ich will Stege! Einen Tempel des Konsums….“ Gut, meine entnervte, aber ziemlich sinnentleerte Frage:“Mann, wo warst du?!!“, kann ich mir ebenso klemmen, wie die immer gleiche, verständnislose Antwort:“Na hier!“. Gemeinsam absolvieren wir dann doch noch das Essen-, Trinken-, Pflichtkaufprogramm. Ich immer vorne weg, wie ein Eichhörnchen, das fleißig Nüsse sammelt. Er, der auf der Stange schläft, immer etwas zurück.  Irgendwann landen wir  natürlich unweigerlich an der Männerquengelzone. „Oh, schau mal!“, seine Äugeln werden ganz rund vor Verzückung:“DAS hatte ich aber schon lange nicht mehr. BITTE, darf ich????!!!!“ Um mir Heul- und Strampelszenen vor der Fleischtheke zu ersparen und mitleidige Fleischfachverkäuferinnen, die ihm Tempotaschentücher zum schneuben an die Nase und eine Fleischwurstscheibe „auf die Hand“ reichen, nicke ich schicksalsergeben. Irgendwann geht auch der schönste Kaufrausch einmal vorüber und da nichts im Leben für Umme ist, näherten wir uns dem lächelnden Mädchen von Kasse Vier.Das war mal ein voller Wagen!  Nachdem alle Waren gebeept wurden und ich schon auf dem Weg zum gegenüberliegenden Bäcker unterwegs war, hörte ich die junge Damen zum Herrn der Tantiemen sagen:“Das macht 97 Euro 45. Sammeln sie Punkte?“ „97,45?!“ „Ja!“ „Na das ist ja mal eine Ansage!“, kam es mit einer Mischung aus Erstaunen, Empörung  und sich keiner Schuld bewusst seiens aus seinem Munde. Ich musste lächeln, die Summe betrug mal locker ein Drittel mehr als wenn ich alleine einkaufen gewesen wäre. Ist die Mischung aus, „Guten Tag, mein Name ist Lohse. Ich kaufe hier ein!“, „Keine blasse Ahnung was Lebensmittel normal kosten“, „Das habe ich ja schon ganz lange nicht mehr gehabt!“, „Ach die zwanzig Cent..“ und „Nimm Vier!“. Egal. Immerhin hat er keine Waschmaschine gekauft. Und keinen Rentner! weiterlesen


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