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„1. Advent“

Gestern, 1. Advent. Ich mag die Weihnachtszeit, sehr. Und ja, das geht sehr gut als Atheist. Die meisten Bräuche, die wir so in diese Zeit tragen, sind eh heidnischen Kulturen oder der Feder eines umtriebigen Werbefuzzis entsprungen. Für den ersten Advent hatte ich alles perfekt vorbereitet, also für meine Verhältnisse. Alles an Gerümpel vom Dachboden gehievt, das glitzert, glänzt, nach Zimt und Nelken duftet, weihnachtliche Symbolik oder Leuchtmittel und, oder alles zusammen in sich trägt. Es ist meine Schatzkammer und ich bin jedes Jahr erstaunt, was es in all diesen Kisten, Tüten und Kartons zu entdecken gibt. Liegt wohl daran, dass ich spätestens am Neujahrsmorgen, die Krätze beim Anblick des gestern noch geliebten Tinnefs bekomme und es im Putzrausch von ihren Sockeln und Haken reiße, um es wieder in den Höhen und Ecken des Dachbodens , verschwinden zu lassen. Erleichtert es jetzt erst mal für 11 Monate nicht mehr sehen zu müssen. Schizo? Absolut. Ich entscheide immer spontan und gerne gegen den Trend, in welchen Farben und Formen das Fest seinen Ausdruck nehmen soll.Ein Adventskranz vom Gartencenter Drücke aus Unna, schmückte den Tisch und erfüllte den Raum mit Tannenduft. Drücke, liegt mir wirklich am Herzen. Es ist ganz nebenbei das erste Gartencenter seiner Art, denn vorher gab es das Konzept eines Selbstbedienungsladens im Gartenbereich unter der Begleitung von Fachpersonal nicht. Das Konzept haben nach und nach die riesigen Ketten, die wir kennen, übernommen. Leider ohne Fachpersonal, ohne Baumschule , ohne Landschaftsgartenbau und ohne den Charme eines freundlichen Familienbetriebs, in dem Menschen im Team arbeiten, die lieben und wissen was sie tun. Wer das nächste Mal wieder enttäuscht den Billigschnapp aus dem Baumarkt oder Riesenblumendiscounter nach zwei Wochen zur Mülltonne tragen muss, weil das Miststück verlaust ist oder überdüngt mit Ameisenpisse die Ästchen streckt, selbst schuld, Du hättest ja auch zum Fachhandel fahren können. LedLichterschlauchungeheuer, mit klammen Fingern, einer steifen Brise trotzend ans Haus vertüddelt, umschlungen sie nun wie Schlangen den Hauseingang und das Balkongeländer, um die mittlerweile gegen 16 Uhr 30 anbrechende Nacht zu erhellen. Man könnte also sagen, Weihnachten könnte kommen, zumindest dekotechnisch. Samstag vor dem ersten Advent, meine Männer vergnügten sich außer häusig auf einem Feld auf dem dem runden Leder gehuldigt wurde in einer fernen norddeutschen Hafenstadt. Ein Tag ohne Termine und wie geschaffen, um endlich mal meine Buchhaltung auf Stand zu bringen. Irgendwann am Abend tunkte ich gedankenabwesend, den Kopf von Kilometern, Routenberechnern und Zahlen schwirrend, ein Baguette in einen etwas überdatigem Ofenkäse, den ich zudem ein klein wenig übergart hatte, weil ich ihn irgendwie vom Radar verloren hatte. Für eine, maximal zwei Stunden. Aber hey, er saß ja nicht ausgesetzt auf dem zugigen, dunklem Bahnhof, sondern wärmte sich den schimmeligen Pelz im erleuchteten Hightechofen bei 4D Umluft und 200 anheimelnde Grad.  Irgendwann drang sein genervtes Geblubber an mein Gehör und als ich in den Ofen blickte, zischte er mich brodelnd an, dass er mehr als fertig sei. Er durfte sich eine halbe Stunde im Zwischenraum abkühlen und halb verhungert, tunkte ich das ziemlich krosse Baguette, das ich kurz hatte nachknuspern wollen im immer noch kochenden Ofen ( hätte, hätte , Fahrradkette…), in den wieder erzähten Käsebrei. Der erste Bissen wurde gierig abgebissen und ohne auf die Zunge zu kommen herunter gespült, der zweite Biss, küsste unverhofft meine Geschmacksknospen und ich verzog das Gesicht. Den dritten Bissen, spuckte ich angewidert in den Spülstein. Bah, schmeckte das schäbbig. Etwas in mir, warnte mich dem sehnsüchtigen Bitten des Hundekindes nachzugehen und den Käse in ihn umzufüllen. Ich entsorgte ihn, wenn auch mit dem schlechten Gewissen des Verschwenders. Eine Tüte Chips, eine Flasche Bier und drei Stunden später, füllte ich das Sprichwort „Mir platzt gleich der Arsch“ sehr anschaulich mit Leben und glaubt mir, das will keiner sehen. Ich verbrachte die nächsten zweieinhalb Stunden mehr oder weniger elegant auf der Schüssel. Mein kaltschweißiger Körper, kämpfte, nachdem ich mich dazu entschieden hatte, meinen sprudelnden Mageninhalt nur als Einbahnstraße in Richtung Kanalisation zu schicken und nicht auch noch dem Sprichwort „Kotz die Wand an“ Ausdruck zu geben, gegen die Erdanziehungskraft und einen Kreislauf, der sich für Stillstand entschieden zu haben schien. Gegen zwei Uhr ließen die Koliken nach und ich schleppte mich ins Bett, dort erwachte ich wie immer um sechs Uhr. Schlapp, müde und mit Muskelkater von nächtlichen Krämpfen und akrobatischen Verrenkungen am Rande der Klobrille. Irgendwann, nach dem ein oder anderen Nachgang auf den Ort, an dem ich mich in der Nacht noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen lernen musste, war ich dann in Unna. Ich traf bei einem meiner Trailkurse gegen halb 11 Uhr ein, blass, aber guter Dinge, hatte ich meinen Schließmuskel doch anscheinend wieder unter Kontrolle. Meine Mädels trafen nach und nach ein, alle wünschten sich einen guten Morgen und einen schönen 1. Advent. Ich blickte verwirrt in die Runde:“Wie erster Advent? Ist das heute?“ Allgemeines Kopfnicken. „Oh Mann, warum sagt mir das denn keiner?“ Na toll, ich hatte den ersten Advent verpasst. Was ein Scheiß. weiterlesen


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