„Vive la France“

„Guten Morgen Heike, halte deinen 128 tägigen Strike am Leben!“ Das ist seit besagten 128 Tagen meine morgendliche Begrüßung, wenn ich mein Handy vom Strom und zur Hand nehme. Brav folge ich den Anweisungen der App, die mich geduldig versucht an ein fast unrettbar verschüttetes Wissen eines eher mäßigen Schulfranzösisch zurück zu führen. Die App ist kostenfrei, wenn man sich mit Werbeeinblendungen abfinden kann, die sich jedoch problemlos überspringen lassen. Sie macht ein bisschen süchtig, zumindest mich oder triggert einfach exakt meine bevorzugte Form des Lernens. Warum macht man das überhaupt? Zuviel Zeit- entspricht sicher nicht meiner Lebensrealität. Exzessives Gehirnjogging gegen eine beginnende Frühdemenz. Guter Grund und sicherlich mehr als berechtigt. Wie oft ich mich ratlos umher blickend im Keller wieder finde mit einem selbsterteilten Auftrag, dessen Inhalt ich beim Abstieg in die Tiefe anscheinend getillt haben muss. Namen?! Schall und Rauch oder mein Hobbitbrain hat keine passende Ablage für diese nicht ganz unwichtige, mal mehr mal weniger individuelle Typenbezeichnung für Menschen mit denen man in sozialem Kontakt steht. Gesichter? Klappt auch nicht wirklich besser und das ohne Gesichtsblind zu sein. Klar erinnere ich mich an ein bestimmtes Gesicht, kann es aus dem Kontext heraus aber meistens nicht zuordnen, geschweige denn benennen. Erst gestern schwärmte ich einen (mir unbekannten Menschen) vor, dass ich einen Mathelehrer hatte, der mir in der Oberstufe den Glauben an die Logik der Mathematik und in mein mir eigenes Logikverständnisses zurück gegeben habe. Auf die Frage, wer das denn wohl gewesen sei, antwortete ich mit einem Seufzer der Verzückung und einer sentimentalen Träne im Augenwinkel aber fester Stimme, um den genannten falls nötig bis aufs Blut zu verteidigen:“ Herr Rolke!!“. Die Dame an der Seite meines Plauderpartners hob die Augenbrauen, machte ganz runde Äuglein, Beugte sich nach vorne und prustete ein helles Lachen über uns Beide. Der Herr schaute erst mich, dann seine Frau etwas zweifelnd an, schwieg aber. Sie konnte sich kaum beruhigen, zeigte auf ihren Mann und stammelte unter Lachen:“ Darf ich vorstellen?Herr Rolke!“ Fettnäpfchen?! Danke habe eine Endlosflat drauf. Verschämt verbarg ich mein rotes Rübchen hinter meinen schmutzigen Gärtnerhänden. Glücklicherweise ist diese Generation Lehrer/innen mit viel Humor ausgestattet. Naja, all dies wäre sicher mehr als Grund genug, tatsächlich liegt mein neu entfachtes Interesse an dieser Sprache in unserem letzten Urlaub in der Bretagne und Normandie begründet. Wir hatten diesen Urlaub für unsere Verhältnisse sehr früh gebucht und auch tatsächlich sehr nötig. Es sollte eine Woche Bretagne in einem kleinen Studio in den Dünen mit Blick auf den tobenden Atlantik und eine Woche im Hinterland der Normandie in einem Luxushaus mit riesigem Garten inmitten unberührter Natur werden. Unsere Vorbereitungen waren wie immer sehr intensiv, wir hörten „La Mer“ von Charles Trénet in Dauerschleife und überlegten uns eine „Ente“ anzuschaffen um stilecht durch Frankreich zu cruisen. Also mein Süßer dachte daran eine „Deux Chevaux“ zu erwerben. Ich eher nicht, also eher gar nicht. Ich erzählte meiner damals hochschwangeren Kollegin, wie unfassbar bescheuert ich allein die Idee fände mit einer uralten, hässlichen Nuckelpinne, auf schwammigen Campingstühlen hockend, durch die Gegend zu schuckeln, bei 30 Grad im Schatten mit zwei winzigen Flügelfensterchen als Klimaanlage, die bei jeder Unebenheit herunter knallen oder gar ganz verloren gehen würden, während „La mer“ aus dem qualmenden Kassettenradio dudelt und die rumänische Hundefledermaus mir in den Nacken kotzt. Sie lächelte leise aber merkwürdig und packte ihre Arbeitsutensilien zusammen. Ich begleitete sie zum Ausgang, wünschte ihr einen schönen Feierabend und drehte mich um. „Ach Heike?!“, hörte ich hinter mir. „Meintest du so EINE?!“ Ich schaute halb über meine Schulter:“Wie was für EINE??“ „Na SO Eine!“, sie stand vor einer hellblauen Ente, griente, stieg ein und brauste mit diesem typischen röhrenden, blechernen Motorgeräusch davon. Fettnäpfchen? Wie gesagt. Flatrate! Trotzdem ich zugeben muss, das diese Möffmöff wirklich etwas an sich hatte, verzichtete ich dankend auf diese nostalgische Erfahrung zugunsten unseres BMW mit Klima und Co und abwaschbaren Lederinterieur. Mir reichte aus dem Entenkonvolut der kotzende Köti auf der Rückbank. Wir unterteilten die erste Strecke wegen des reisekranken Fellkindes in zwei Etappen und kehrten in Amiens in ein Motel ein. Ich meldete uns an, Sprache: Naturellement- pas de problem- der Rezeptionist sprach Englisch. Am nächsten Morgen Frühstück in der Lobby und ich half einer kleinen Gruppe von Amerikanern bei der Zusammenstellung ihres „Petit-déjeuners“, leicht lächelnd, leichtzüngig, leicht überheblich. Französisch- läuft. Beschwingt fuhren mit dem Spuckhunderl weiter in Richtung Bretagne. Eine Stunde vor Ankunft sollte ich eine Sandrine, Sabina, Santine oder so telefonisch über unser Eintreffen informieren, damit Selbige die Schlüssel-und Hausübergabe vor Ort vornehmen könne. Das Angebot uns bei der Anmeldung aufgrund von Sprachschwierigkeiten behilflich zu sein, hatte ich entrüstet abgelehnt. 4 Jahre den schrecklichsten Franzelehrer der Schule gehabt zu haben, konnte schließlich nicht für Nüsse gewesen sein. Allerdings lag diese Lernerfahrung gute 30 Jahre zurück. Etwas mulmig wählte ich die Nummer, während Herr und Hund im Font schnarchten. Ich hatte mir grob einen Text zurecht gelegt, es tutete, knackte in der Leitung, Pause, Voicemail. Na Prima. Ich stotterte meinen Text auf den AB und legte auf. Im Auflegen fiel mir auf, dass ich sinngemäß gesagt haben muss, das ich Heike hieße, in einer Stunde landen würde und wirklich sehr, sehr froh wäre, dass ich so schlecht französisch spräche. Danke, bis gleich. Was so ein winziges, vergessenes,verkacktes „mal“ vor „hereuse“ doch zu verändern mag. Die Fahrt auf den kleinen französischen Straßen, zog sich unendlich, aber das Ziel entschädigte uns für alles. Unser Haus lag an einer sanften Steilküste mit zwei Außenterrassen, die bei den Blick auf die sanft anrollenden Wellen des Atlantik freigaben. Unbeschreiblich. Unvergesslich. Vor dem Haus parkte ein Kastenwagen, daneben eine blondierte Frau in den Mittdreißigern mit leicht verwuschelter Hochsteckfrisur, perfektem Make up, auf hohen Hacken. Von weitem hatte sie viel von Brigitte Bardot. In der Hand hatte sie einen Schlüsselbund als sei sie Schließerin in der JVA und in der anderen Hand ein überdimensioniertes Portemonnaie, ein Handy und einen Verdampfer von dem sie zwischendurch immer mal wieder einen tiefen Zug inhalierte, um kurzfristig hinter einer Wasserdampfwolke zu verschwinden und wie eine Lichtgestalt wieder aufzutauchen. Wie begrüßten uns, ich entschuldigte mich noch mal mit dem Hinweis ich spräche leider nur sehr schlecht französisch, bemühe mich aber sie zu verstehen. Sie schaute mich an, lächelte und sagte:“ Ja das stimme, ich spräche sehr schlechtes Französisch, aber sie hätte die Nachricht auf dem AB ja entschlüsseln können.“ Ich schaute sie verdutzt an, aber sie war schon lächelnd und Dauer sabbelnd vorgegangen. Sie sprach ununterbrochen, deute nach Links oder nach Rechts, zeigte auf Dies oder Jenes, unterbrochen von winzigen Pausen in denen ich ein nickendes „Oui, oui.“, einwerfen musste. Hoffe ich zumindest. Die Einführung dauerte etwa eine viertel Stunde, dann stöckelte Sabine behände davon und verschwand in einer Dampfwolke. Wenn mir nicht die Ohren geklingelt hätten von dem Dauerbeschuss, hätte ich denken könne, es sei nur eine Fata Morgana gewesen. Der beste Kerl schaute mich bewundernd an, hast du das Alles verstanden?!“ „Natürlich nicht.“, aber wenn Sabdingens auf den Ofen zeigt und „four“ sagt, erklärt sich das ja von selbst. „Aha.“ Irgendwie klang er ein wenig skeptisch, aber wir hatten noch genug Programm mit Einkauf, einrichten im Übergangsheim zwischen Meer und Himmel und einem ersten Wein, Käse, Baguette Abendessen auf der Terrasse bei untergehender Sonne.

Die Tage flossen dahin, in dieser unglaublichen Kulisse, selbst bei Wind und bedecktem Himmel, lag ich auf meinem Liegestuhl und sog Eindrücke so tief in mich hinein, dass ich ein wenig Angst hatte, Teile der Landschaft für immer in mir zu verbergen. Nach drei Tagen kehrte eine gewisse Routine in unseren Urlaubsalltag und wir fühlten uns fast wie heimisch. Mit unseren Nachbarn, die den angrenzenden größeren Bungalow gemietet hatten, hatten wir losen, aber netten Kontakt. Sprache- pas de problem. Die beiden älteren Herrschaften waren Schweizer und sprachen neben ihrer Landessprache fließend Englisch, Französisch und Deutsch. Ein bisschen beschämend für uns Beide, als offensichtliche Sprachlegastheniker. Aber mal ehrlich, irgendetwas ist ja immer. Am vierten Abend, wir hatten gerade begonnen das Abendessen vorzubereiten, klingelte es an der Tür. Überrascht schauten wir uns an, während das Hundekind in ein wütendes Bellen ob der ungewünschten Unterbrechung der Essensgabe verfiel. Er stand an der Tür mit weit aufgerissenen Augen, aufgestelltem Fell und Puschelrute, weggeklappten Gesicht um einen direkten Ausblick auf seine beiden Beissreihen zu geben und steigerte sich in seiner Lautstärke mit dem wiederholten Klingeln. „Geh du mal, ich muss mir erst eine Hose überziehen.“, kam es aus dem Schlafzimmer. Mit einer Hand die Tür zu öffnen, deren französischen Schließmechanismus ich bis heute nicht kapiert habe und an der anderen Hand das tobende Hundekind bändigen, war eine schweißtreibende Tätigkeit. Irgendwann hatte ich den Schlüssel endlich in die richtige Richtung gedreht, die Tür sprang auf und vor mir stand ein etwa 40 jähriger Mann, mit Surfermähne, braungebrannt, sportlich und freundlich lächelnd. Er schwallte direkt mit „Bonsoir blabla und wilden Gesten auf mich ein. Dabei wand er sich auch immer wieder an unseren verwirrten Knallschadenköter, den diese penetrante Freundlichkeit noch mehr in Rage brachte. Mit einem Schritt stand er zu unserer absoluten Verwunderung auf einmal mitten im Raum unseres Zweiraumstudios, während er ununterbrochen weiter quasselte. Ich war schon bei „Bonsoir blabla“ raus gewesen und starrte ihn sprachlos an. Während er so weiter erzählte und wir weiter zu Salzsäuren erstarrten, rannte er mit einer ausladenden Geste auf unseren Kühlschrank zu und öffnete ihn mit Schwung. Er deutete auf den Inhalt, der zugegebenerweise sehr überschaubar war mit viel Dosenbier, einer Flasche Rotwein, einer Dose Hundefutter und ein wenig Frühstückskram. Meine Gedanken überschlugen sich. Was zur Hölle wollte dieser Kerl in unserem Haus, an unserem Kühlschrank?!! Ein Bier? Käse? Eine Tasse Mehl? Keine Ahnung, ein vorsichtiger Blick in Richtung meines Süßen, zeigte auch auf der männlichen Seite unserer Beziehung ein Bild der absoluten Ratlosigkeit. Wir waren in Agonie erstarrt und warteten auf ein geheimes Signal, das uns aus der Situation befreien möge. Unser Gast schaute derweil weiter in den geöffneten Kühlschrank, drehte mal hier mal da, gestikulierte, redete ohne Punkt und Komma, zuckte mit den Achseln, schloß nach einer gewissen Zeit die Kühlschranktür und wand sich wieder an uns. Mitten im Satz brach er allerdings ab, schaute von Einem zum Anderen und wieder zurück, deutete über seine Schulter auf den Kühlschrank, seine Augen wurden groß wie Untertassen, er schlug sich aufgeregt vor die Stirn und stammelte ganz langsam und deutlich, ob wir ihn nicht angerufen hätten wegen eines defekten Kühlschrankes? Wir schüttelten immer noch sprachlos die Köpfe. „Ah! Merde! Non!! Désolé , je suis désolé. Pardon… „, während er sämtlich französischen Höflichkeitsfloskeln mit denen man sein Bedauern auszudrücken vermochte herunter stammelte, schlich er Schritt für Schritt rückwärts und mit einem letzten, „Désolé, Bonne nuit!“, war er draußen und zog die Tür hinter sich zu. Ungläubig blickten wir uns an, dann auf die Tür, dann wieder uns, während das Hundekind sich schnaufend langsam wieder beruhigte. „Was war DAS denn???!!“ „Keine Ahnung. Die Begegnung der dritten Art?“ Bei einem Glas Rotwein und einer Dose Bier fanden wir den Zwischenfall schon wieder höchst amüsant und irgendwie typisch für uns. Obwohl es mich langsam anfing ein bisschen zu ärgern, dass wir offensichtlich beide in der Schule während der Französischstunden immer unsere Tage gehabt haben mussten. Am siebten Tag packten wir unsere Habseligkeiten und verließen diesen zauberhaften „Place to be“. Natürlich nicht ohne meine Kapitulation vor Sangitte, die das Haus äußerst laissez faire wieder in ihre Obhut nahm. Dabei hatte sie die verbrauchten Kilowattstunden mit Eding auf ihre Handinnenseite geschrieben, wohl ahnend, dass ich französische Zahlen noch weniger kapieren würde als die Sprache. Aber mal ehrlich 4mal20plus15 ???? Ja nee is klar. In der Normandie angekommen, gleiches Spiel, per Anruf unsere Ankunft ankündigen. Ich hatte kapituliert, ich konnte erwiesenermaßen kein Französisch, aber bemühte mich trotzdem redlich mit diesen Fragmenten über die Runden zu kommen. Also, love it or leave it, Frenchman. Diesmal hatte ich Glück, unsere deutschen Vermieter weilten zufällig gerade vor Ort und daher lief die Übergabe sehr entspannt und muttersprachlich von Statten. Auch diesmal waren wir überwältigt, super schönes Haus, 2000 qm umzäunter Garten als Hundeparadies und 7 km entfernt, die unglaublichsten Strände, die wir jemals gesehen hatten. Die Normandie hat uns so gepackt, dass wir unseren nächsten Urlaub dort schon wieder gebucht haben, diesmal mit einem Häuschen direkt in den Dünen dieser unendlichen Strände. Zwei Tage nach unserer Ankunft besuchten uns Freunde mit ihrem Hundekind und wir verlebten zwei wunderschöne Tage miteinander. Am zweiten Tag schickten wir unsere Männer in den nächsten Supermarché, um dort etwas Gebäck für den Nachmittag zu kaufen. Für unser Abendbrot hätte ich gerne Kräuterquark gehabt und schrieb meinem Liebsten das französische Wort dafür auf einen Zettel. Nach etwa zwei Stunden, nachdem wir schon eine Vermisstenmeldung heraus geben wollten, tauchten die beiden Chefeinkäufer wieder auf. Sie trugen zahlreiche Tüten und Taschen ins Haus und zauberten ein ganzes Sortiment an Kuchen, Teilchen, Gebäck und Zuckerkram plus eine PaletteBier hervor. Kein Quark und auf allen Teilen prangte ein 30% Rabattschild. Auf die Frage warum, wieso so viel?, kam ein vorwurfsvoller Blick der beiden Herren und die Antwort, dass sie ganz verzweifelt zwischen den Regalen verschollen waren auf der Suche nach Quark. Dann nahmen se sich ein Herz und fragten die zauberhafte Aurélie von Kasse 1, bewaffnet mit meinem Zettel. Die kleine Französin stand auf, bedeute sie zu warten, schloß direkt die Kasse, sagte etwas über den Lautsprecher, stapfte mit einer Geste, die keinen Widerspruch zuließ vorneweg und begann wahrlos Sachen in den Wagen der beiden eingeschüchterten Herren zu werfen. Jeder Versuch diese Butterfahrt irgendwie zu stoppen, endete mit einer klaren Ansage der drallen Kassendomina und noch mehr rot ausgezeichneter Ware, die in ihrem Korb landete. Also entschieden sie sich zu schweigen, zu bezahlen und nie wieder dort einkaufen zu gehen, weil das Video ihrer Irrfahrt sicherlich schon als Dauerschleife mit Millionen Klicks bei YouTube lief. Wir lachten herzlich, verrenkten uns den Magen an all dem abgelaufenen Apfelsüßkram und plauderten bis Tief in die klare, stille Nacht. Trotzdem schwor ich mir, während ich mit Bauchkrämpfen und inneren Flüchen die süße Last wieder in Richtung Sickergrube schoß, dass ich das so nicht auf mir sitzen lassen konnte. Am nächsten Tag suchte ich im Netz nach Möglichkeiten eine Sprache verständlich und kostenfrei noch einmal neu zu erlernen. Seit dem weckt mich jeden Tag das Murmeltier und erinnert mich daran meinen 129tägigen Strike am Leben zu erhalten. Dieses Jahr passiert mir das nicht nochmal. Ich weiß zwar noch nicht, wie ich die erlernten Vokabeln und Sätze im wahren Leben so wirklich passend verwenden kann, aber immerhin kann ich diesmal wie aus der Pistole geschossen antworten. Ich sehe mich schon, wie ich in einem französischen Wickelkleid, einer wuscheligen Hochsteckfrisur, Overknees und einem perfekten Lidstrich in eine Metzgerei stiefel, ein fröhliches „Bonjour“, in die Auslage flöte, auf die Frage, was mein Begehr sei, antworte: „Le bœuf est un bon viande. Mais le cochon est mauvais.“ („Rindfleisch ist ein leckeres Fleisch. Aber Schweinefleisch ist schlecht.“)Wenn ich dann alle Aufmerksamkeit auf mich gelenkt habe, hole ich dann zum großen Schlag aus, schaue um mich und wispere mit geheimnisvoller Stimme:“ Je vais manger des legumes des demain!“ („Ich werde ab morgen Gemüse essen!“)Und wenn das nicht reichen sollte, setze ich noch ein:“C`est une orange parmi des pommes rondes.“( Das ist eine Orange unter runden Äpfeln.) Wo ich gerade in Fahrt bin, könnte ein:“ Le garçon lance des fruits!!“(Der Junge wirft mit Obst um sich!!“) , nicht schaden. ((Warum in aller Welt tut er das?? Frage ich mich jedes mal bei diesem Satz der App.)) Wenn dann Alles verstummt, werde ich wild mit den Augen rollen, einen kleinen Feixtanz aufführen mit ausladenden Gesten und mit Golomstimme krächzen:“ Je suis jolie depuis que je suis blonde! Et ça (Geste grob in die Richtung der Fleischfachvrkäuferin) est une vache morte.“ („Ich bin hübsch, seit dem ich blond bin. Und das ist eine tote Kuh.“) Verbeugung, Vorhang und etwas übereilter Abgang, bevor die Gelbwesten die Metzgerei stürmen, um mich zur Jean d’Arc ihrer Bewegung ausrufen. Kein Witz, das sind Originalsätze der App, die im Übrigen ein sehr klares Männer- und Frauenbild hat. Trotzdem macht sie mir wirklich Spaß und ich hoffe, dass sich hinter all diesen merkwürdigen Satzkonstruktionen irgendwo ein Sinn ergibt.


„Die alten Leute sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.“ I

Kennt Ihr das? Wenn man denkt, man sei der/die Größte? Also natürlich nicht einfach nur so, wach werden und denken, „Ich bin’s .“ Dazu müsste ich 14 sein oder ein Kerl. In meinem Alter denke ich das sehr, sehr selten. Also fast nie. Und dann auch nur, wenn ich Etwas in meinen Augen Herausragendes geschafft habe. Wenn ich beispielsweise die streikende Jura auseinander gebaut, Fehler behoben und wieder funktionsfähig zusammen gebastelt habe, weil der Kaffeevollautomatenhorst einfach 14 Tage lang nicht zurück ruft. Die kleine Diva dachte kurzfristig,  sie sei auf Schalke und ihre fehle die Schale. Wäre mir soweit egal gewesen. Leider erwies sich ihre hartnäckige Annahme als Phantomschmerz, da die Schale brav an ihrem Platz verweilte und auf ihren Einsatz wartete. Problem an einem Kaffeevollautomaten mit dieser seltenen Persönlichkeitsstörung ist, dass er sich den Verlust der Schale so intensiv vorzustellen vermag, dass er jede weitere Amtshandlung in Richtung Kaffee kochen direkt einstellt. Für eine Highteckaffeemaschine ist ein Leben ohne Schale schlichtweg unmöglich. Ein unhaltbarer Zustand. Also als Endglied in dieser Nahrungskette auch für mich. Ich habe meinen Kaffeekonsum auf drei Tassen pro Tag reduziert, aber auf einen kalten Entzug war ich nicht vorbereitet und auch absolut nicht bereit. Also Tutorial des Herstellers angesehen und los gelegt. Nach zwei Stunden Frizzelei und intensiver Innenreinigung jeder noch so kleinsten Ecke des Gerätes von Kaffeebohnenresten- Jura läuft, Kaffeeduft durchströmt das Haus. Ich bin die Beste. Oder als ich die elektrische Jalousie repariert hatte. Vier Stunden, mit Verkleidung abbauen, Panzer der alten Schabracke wieder mit Hämmerchen richten, Rolle wieder in Halterung zurück hieven, elektronische Kontakte reinigen, Verkleidung wieder anbauen und streichen. Das Ganze in 2 Meter Höhe und mit Gewichten, die in Etwa meinem Körpergewicht entsprechen. Schalter gedreht, Jalousie läuft. Vor Begeisterung vier Runden Jalousie gefahren, eigenen Bizeps geküsst- Ich bin die Größte. UND- Mal eben 350.- Ocken  gespart. Eine Blondine im Haus ersetzt den Elektriker. Spielend. Also mit diesem Hochgefühl ins Auto gehüpft und zum Lebensmittelgeschäft in den nächsten Ort gefahren, an Parkscheibe gedacht, sauberen, geradeaus laufenden Einkaufswagen gegrabbt und  mit engelsgleich wehenden Haaren in den Laden geschwebt. Die Schranke zum Verkaufsraum öffnete sich in einem magischen Akt um mich in den Tempel des Konsums zu entlassen. Abrupt wurde meine Fahrt unsanft gestoppt. Die erste Abteilung in jedem guten deutschen Lebensmittelhandel ist die appetitlich angerichtete Obst- und Gemüsetheke. Als Ökostange immer ein wichtiger Haltepunkt auf meiner internen Einkaufsliste. Direkt vorne links steht in diesem Discounter immer die Rentnerquengelware. Diesmal waren es zwei große Aufsteller mit rotbackigen, glänzend polierten Äpfeln. Vor den vermeintlichen Schneewittchentötern unvermeidlich zwei ältere Damen. Hermine und Gertrud. Beide irgendwas in den 80ern, beide nicht gut zu Fuß. Aber eine OP käme laut gemeinsamer Aussage  nu auch nicht mehr in Frage, wegen Herz, Diabetes, etc.pp. All diese datenschutzrechtlich relevanten Informationen, ergaben sich durch ein in 175 Dezibel geführten Dialoges mit einem älteren Herrn, der auf der anderen Seite der Frischobstkühltheke mit seinem motorisierten Bobbycar der nervtötend vor sich hin piepte, um anzuzeigen, dass er sich im Rückwärtsgang befand. Das Piepen schien außer mir Niemandem aufzufallen, wurde einfach durch Anheben der brüchigen Stimmen, übertönt. Hermine, selbstbewusst mit Rentnerporsche. Ein Gerät, das laut Gertrud, irgendetwas um die 90, nur was für alte Leute sei. Sie hatte ihren Stock quer über und ihren Oberkörper auf die Stange der Einkaufskarre gelegt, ihr wogender Busen streifte auf diese Art bei jedem Schritt kurz ihre Knie. Natürlich nur, wenn sie sich vorwärts bewegte. Derzeit war daran nicht zu denken. Hermine hatte die Äpfel entdeckt und die Einkaufstour erstmal unterbrochen. „Gertrud!!!?.. GÄRRRRRTRUDDDDTT! Äppel! Brauchst du Äppel?“ „WAS???“ „ÄPPPPPELLLLL! Elstar!“ Zur Unterstreichung ihrer Offerte, hielt sie einen besonders runden, schönen, rotbackigen Apfel in Richtung der etwas störrischen Freundin. „Elstar- die nehme ich immer. Oder Boskop.“ Getrude hatte angebissen und wackelte vorsichtig trippelnd die drei Schritte die sie vorne weg geschossen war, wieder zurück. Die beiden Elstarsisters blockierten selbstredend den Gang. Die Schranke öffnete und schloss sich in dem sie mir in 30 Sekundentakt in den Rücken fiel. Ich räusperte mich. Keine Reaktion. Hermine nahm einen Apfel nach dem anderen aus den Stiegen, hielt ihn so nah an ihre Äuglein, dass ich endlich eine Erklärung für den Begriff „Tomaten auf den Augen haben“ bekam und drückte ihn mit ihren krummen gichtigen Fingern auf seinen Frischegrad. Keiner schien knackig genug für die alten Knacker, keiner duftete so wie früher, weißt du noch… Ich räusperte mich noch einmal merklich und wand mich an die beiden buckeligen Rücken in altrosa Nylonpullovern, die mit Verlaub, im Gegensatz zu den mittlerweile durchweg matschig gedrückten Früchten, ein wenig unangenehm müffelten. „Entschuldigung!??“ „Dürfte ich mal eben?..“ , sie ignorierten mich, mir erstarben die Worte im Hals und ich beschloss, einfach stumpf abzuwarten bis die beiden alten Damen den Besuch bei den Elstaren von sich aus beenden würden, um weiter in den warmen Süden zu ziehen. Hey, kein Problem- ich war die Größte. Ich hatte extrem gute Laune, ich dachte kurz an meine Heldentat und lächelte. Wir hier in Tennessee hatten verdammt viel Zeit. Also fasste ich mich in eine mir eher untypische Geduld. Sie sortierten weiter Äpfel, inzwischen hatten sie jeden einzelnen wohl mehrfach gequetscht, berochen, gedreht und wieder zurück geworfen. Irgendwann nahm Jede von den beiden kritischen Obsttestern mit viel Aufwand je eine Plastiktüte, weil die ebenfalls vorhandenen Papiertüten ja gar nix taugten und immer rissen beim Tragen. Sie entschieden sich nach kurzer Diskussion Jede für je einen Apfel, steckten jeden in je eine milchige Plastiktüte, verknoteten diese sehr sorgfältig und legten sie endlich in den Einkaufswagen von Gertrud. Gerade als sie sich tatsächlich in eine Art Vorwärtsbewegung verfallen wollten, entdeckten sie mich, immer noch lächelnd wartend in ihrem Rücken. Sie schauten mich an und machten unwillig Platz für mich und meine Karre. Ich wollte mich gerade bedanken, da schaut Hermine mich böse an, blickt in Richtung ihrer Freundin, schüttelt unwillig den Kopf, nickt abfällig in meine Richtung und kräht in ihrer heiseren, hohen Altweiberstimme:“ Was `ne doofe Kuh!“ Gertrude nickt zustimmend und die Beiden wackelten von dannen. Mir klappte der Kiefer runter, ob so viel Frechheit. Ich war sprachlos und das bin ich selten. Was war bitte schön mein Fehler? Ich dachte, ich hätte alles richtig gemacht. Höflich gewartet, freundlich geblieben. Normalerweise hätte ich die Beiden mit Blicken von hinten so lange durchbohrt, bis sie freiwillig Platz gemacht hätten, sich vor Angst ins Tenahöschen gemacht oder Tod umgefallen wären. Da bist du einmal nett- Was stimmt denn nicht mit mir?? Hallo- ich habe unsere Jalousie repariert- ALLEINE! Und was habt ihr heute schon geleistet? Dem Tod mal wieder von der Schippe gefallen? Ich weiß, das ist Böse, aber mal ehrlich, die alten Leute von heute sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Ich war echt ein enttäuscht und auch ein bisschen traurig. Wo sind die lieben alten Omas hin? Natürlich bin ich den zwei Stänkerelsen danach hinter jedem zweiten Regal in die Arme gelaufen und ich hatte etwa acht passende, vernichtende Antworten. Aber ich habe sie herunter geschluckt. Im Gegensatz zu den Beiden, bin ich wirklich zu Höflichkeit und Respekt gegenüber älteren Menschen erzogen worden. Ach wenn sie Nichts mehr mit den guten Alten meiner Zeit zu tun haben, Alle Hooligans mit Rollis und Stöcken bewaffnet, Rentnerterroristen auf Morphium und  Eierlikör. Und Obacht – Es werden immer mehr!


„Heineken- mir graut vor dir.“

Seit Januar habe ich „Aschermittwoch“, meint „Clean Eating“, mehr Sport und natürlich den Verzicht auf Alkohol sowie Einschränkungen beim Kaffee. Bei diesem freiwilligen Verzicht, fällt mir persönlich der Kaffeeentzug am wenigsten leicht. Der Rest ist kein Problem, da ich so gut wie nie Fertigprodukte verwende und Schnaterkram weniger dem Genuss als der Bequemlichkeit geschuldet ist. Also nichts, was man nicht mit ein bisschen Selbstdisziplin und Automatismen in Griff bekommen könnte. Alkoholverzicht ist nie ein wirkliches Thema, da ich in diesem Lebensbereich sehr moderat unterwegs bin. Seit unserer Schottlandtour im letzten September, ist es tatsächlich eine meiner leichtesten Übungen. Warum? Wir steigen zeitlich gesehen auf dem Hinweg in das Geschehen ein, heißt in diesem Fall- wir befinden uns schon auf der Fähre von Amsterdam nach Hull. Endlich an Bord, endlich vereint mit dem Rest der Truppe. Umarmen, hinsetzen, durch schnaufen, Runde Bier bestellen. Während der beste Kerl noch telefonisch versuchte einen Arbeitsalltag zu retten, für den er seit acht Stunden „eigentlich“ nicht mehr zuständig war, stand ich vor einem verschmierten Tresen hinter dem ein freundlicher Asiat fleißig Getränke ausgab. Eine dickliche Britin ungefähr zwei Stunden an einem Caipi herum baute und ein Kerl mit Jack Wolfskin Ganzkörperoutfit vor mir, versuchte die Bestellung von zwei Bier so kompliziert wie irgend möglich zu gestalten. Keine 15 Minuten später, die so kurzweilig verflogen waren wie Farbe beim Trocknen zu beobachten, hatte die Flachpfeife vor mir endlich ein Heineken Flaschenbier, zwei Plastikbecher und in beidem einen Schuss Limejuice in seinen schmierigen Griffeln. Ein Pussygetränk für die Pussy des Monats. Thank God its Friday. Eine Runde Heineken 05er Flaschen, plink, plink, plink – voll. Zumindest ich, war nach einem anstrengendem Tag und leerem Magen, nach einer Flasche, schon echt angezählt. Mein Protest wurde ignoriert, zweite Runde, plink, plink, plink. Blick aufs Meer, Sonnenuntergang, Auslaufen aus der Marina, letzte Möglichkeit mit dem zurückgelassenen Kind zu schreiben. Schwummriges Gefühl, im Kopf, im Bauch und in den Beinen. Zeit für das Buffet. Sehr ausgewogenes Buffet, sehr delikates Essen, Heineken, plink, plink, plink. Voller Bauch, volles Herz, voller Kopf. Absacker in einer der Bars unter Deck. Heineken, plink, plink, plink…Ich mochte nicht mehr, es passte kein Schluck mehr in mich hinein, hatte schon nur noch ein halbes Pint bestellt und selbst das am Ende verteilt. Bettschwer in die Kojen der 2 x 3 Meter Kajüten. Da auf diesen paar Quadratmetern „All in“ untergebracht werden musste, hatten sich Tinyhouse Designer für Sardinenbüchsen, pfiffige Raumsparwundereinrichtungen erdacht. Nüchtern betrachtet sicherlich klaustrophobisch, voll wie tausend Russen, mir doch hicks. Ich machte einen Aufschwung in die Hutablage, die sich mein Bett schimpfte. Ein breites Grinsen macht sich auf meinem sich merkwürdig taub anfühlendem Gesicht breit. Nicht schlecht für 50! Leitern?!! Lächerlich! Ist was für fluguntaugliche Weicheier. So der Stand gegen 23 Uhr in der Welt der betrunkenen Blondine. Nachts gegen drei Uhr, schweißgebadet aus Sekundenschlaf hochgeschreckt, tausend Grad in dieser Konservenbüchse, meine letzte verbliebene funktionierende Gehirnzelle, versuchte sich per Dosenöffner einen Fluchtweg in die Schädeldecke zu raspeln. Pulsierender, unerträglicher Haarwurzelendspitzenschmerz. Meine Hutablage war direkt mit der Ablage der Nachbarkabine verbunden. Ungewollte Intimität. Jedes Drehen, Husten,  Röcheln wurde 1 zu 1 an den unsichtbaren Nebenmann durch die hauchdünne Wand übertragen. Ich musste dringend von diesem Hochsitz klettern, um einem diffusen Rumoren im Darmbereich nachzugeben. Vorsichtig lugte ich über den Rand in die Dunkelheit, zu tief, zu eng, zu heiß, um einfach zu springen. Umdrehen und sich auf das untere Bett herab lassen? Keine Chance, ohne mit den strampelnden Hobbitschlegeln meinem selig schlafendem Mann, unkontrolliert auf oder in wichtige Körperteile zu treten. Jetzt fiel mir wieder ein wofür die denkende Welt Leitern erfunden hatte. Wie sich Ansichten ändern, wenn man die Perspektive wechselt und/ oder der Blutalkoholspiegel die Komagrenze verlässt. Keine Zeit zu philosophieren und über meine Versäumnisse der jüngsten Vergangenheit nachzusinnen. Ich musste irgendwie aus meinem Adlerhorst zur Latrine gelangen, ohne dabei abzustürzen oder andere mit in den Abgrund zu reißen. Plan B. Mann mit ganz viel lautem Flüstern wecken, herunter hangeln, Aufgaben wie ein Käptn auf der Brücke der Titanic ansagen- Ich Klo. Er Klima. Als ich endlich wieder im Vogelhorst lag, hatte der Süße die Klimaanlage auf „Cool“ geregelt, was bedeutete, dass man auf meiner blanken Stirn kein Spiegelei mehr gar gebraten werden konnte, aber im Schweißsee meiner Drosselgrube immer noch ein Frühstücksei hätte leicht simmernd garen können. Die nächsten Stunden verbrachte ich mit Auf- und Abschwüngen, um wahlweise meine Koliken zu pflegen oder meinen Därmen den Weg in die Freiheit der endlosen Nordsee zu ermöglichen. Um 6 Uhr allgemeines Aufstehen mit mehrsprachigem Weckruf. Immer noch Darm, immer noch Kopf, trotzdem oder gerade deshalb Powershowern. Kaum fertig mit dem Duschen, war ein gemeinsames Frühstück am Buffet geplant. Justament in diesem Moment überlegte sich mein Magen, dass er viel zu lange geschwiegen hatte zum Breakdance der Innereien. Ab 7 Uhr fand er, es sei höchste Zeit für einen neuen Move im langweilen Darmbreieinerlei, er stieg mit einer achtfachen Doubletrouble Windmill ein. Hieß für den Rest meines ausgelaugten Altfrauenlaibes, der dieser neuen Aktivität nicht folgen konnte. Ab jetzt wurde zurück gespuckt. Glücklicherweise hatte ich schön bunt gegessen, so konnte ich in Regenbogenfarben kotzen. Tipp für Nachahmer- das macht es in der Nachschau etwas interessanter. Nach und nach tauchten die Gesichter meiner lieben Mitreisenden auf. Alle hatten ihre Spucktüten zusammen gelegt und sie für mich gesammelt. Alle beruhigten mich, dass es mir bald besser gehen würde und erklärten, dass es auf gar keinen Fall am Seegang (Seekrank hätte „nur“ im Strahl kotzen gemeint) und auf gar keinen niemals nicht Fall am Heineken (Bier sei schließlich Medizin und mit meinem Befinden überhaupt nicht in Verbindung zu bringen) gelegen haben könnte. Sie waren sich einig, dass ich etwas Falsches gegessen haben müsste. Basta. Um es vorweg zu nehmen, es war ganz klar eine selbstverschuldete, angesoffene Magen -Darm- Kopfgrippe. Die spätere Rückfahrt durch den selben Kanal bei schlechtem Wetter, blieb ohne Probleme, spuck-weil alkoholfrei. Ich hatte ein wunderbares Abend- und Frühstücksbuffet, eine ruhige Nacht und eine unkomplizierte Heimfahrt. Von wegen Etwas verkehrtes Gegessen, am Ende war es einfach besoffen wie tausend Russenund Ja, Alkohol ist ein Nervengift. Aber Danke ihr Lieben für den Versuch. Ich war gerührt und es tat mir furchtbar leid, dass ich schon das erste Frühstück vermasselt hatte. Für die nächste Etappe, hatte ich ein viel schwieriges logistisches Problem zu lösen. Leider würden in diesem Zustand Kotztüten nur einen Ausgang bedienen. Vielleicht sollte ich die fünf Stunden Fahrt zu unserem Hausboot auf einem Eimer sitzend, über eine Tüte gebeugt, hinter mich bringen? Ein anheimelnder Gedanke, mit mir würde ich auch nicht reisen wollen. Allein die Aussicht darauf am Nachmittag wieder ein Boot zu betreten und eine Woche in diesem Zustand zu verbringen, sorgte nicht gerade für ungetrübte Vorfreude. Über diesen Gedanken umarmte ich, kniend, den stählernen Trichter der Verdammnis. Wie schön, ab jetzt nur noch Galle. Falls Jemand Interesse an einer Magen- Darmspiegelung bei mir hätte, ich wäre dann clean und bereit, zumindest hatte ich keine Kraft mehr für irgendeine Form des Widerstands. Eins war mir jedoch glasklar- DAS würde ich nicht einen Tag länger überleben. Endlich fuhr die Princess of Sickness in den Hafen von Tyre/ Newcastle ein. Als Letzter „On“ Board, hieß im Umkehrschluss als Einer der Ersten von Bord. Vorsprung bedeutete dies allerdings auch nicht, weil wir in eine Sonderreihe für Whatever gelotst wurden. Letztlich machte ich aber ein so grünes, freundliches Gesicht, wie es mein Zustand zuließ und man winkte uns nach Passkontrolle durch. Gut, der englische Cop, schaute viermal zur Kontrolle auf mein Passbild, um es dann mit dem Original zu vergleichen. Irgendwann kam er zu dem Schluss, dass Grüngelb das neue Wachsweiß sei und ließ uns passieren. Zumindest hatten meine Überlaufventile in beide Richtungen ihre Produktion endlich eingestellt. Stunde zwei, spuckfrei. Seit diesem Tag bekomme ich Bier nicht mehr über den Knorpel. Die gute Nachricht ist, als Alkoholiker zu enden wird definitiv nicht mein Schicksal. Mir ist unerklärlich, wie man nach so einer unnützen Nahtoderfahrung und dem Wissen darum, was passiert- wenn- dann- sich freiwillig das Zeug hektoliterweise in den Einfüllstutzen kippen kann. Der Rest des Urlaubes war wunderbar mit dem ein oder andern gepflegtem Glas Wein ohne Grenzerfahrungen. Seit Januar also mal wieder ganz ohne Alles, mal sehen Ostern ist sicheres Ziel, aber vielleicht vergesse ich ja einfach aufzuhören mit dem Aufhören? Abwarten, Tee trinken. dav

„Jo is denn scho wieda Weihnachten?“

Keine Tiere unterm Weihnachtsbaum!!!!!!!!
Unbedingt nicht teilen!!!
Woran merke ich, dass es straight auf Weihnachten zu geht? Also nicht mehr am Franz, der war ganz böse und steht im goldenen Buch. Der darf nicht mehr grenzdebil rum schwadronieren, den hat der Loddar beerbt. Tja, statt „Schaun mer ma.“,heißt es jetzt  „Wäre, wäre, Fahrradkette.“ Würdiger kann kein Nachfolger sein.  Aber zum Beispiel daran,  dass mir beim abendlichen Fernsehmarathon ein verträumtes Tränchen still und leise die Wangen herunter läuft. Immer dann, wenn die Merci-Werbung sehr durchschaubar alle Knöpfe sämtlicher sentimentalen Hirnareale drückt, keine Schublade auslässt und mich erfolgreich hormonell auf „bruääähhhh“ flutet. Wenn die Sendetermine von „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ und „Der kleine Lord“ nicht nur per Markierung bei FB sondern auch ganz analog per Anruf der besten Ellis, erfolgt. Die jährliche biblische Grundsatzdiskussion darüber, ob „Last Christmas“ zu Weihnachten oder in die audible Tonne getreten, gehört. Der Duft nach Angstschweiß gemischt mit einer Wolke aus den aktuellen „In Touch Düften“ auf behaarten Männerarmen, die verzweifelt auf der Suche nach einem verlorenen Geschenk für ihren Schatz in den armen von schwarz gelackten DouglasDominas verenden. Wenn der beste Kerl ab acht Wochen vor Weihnachten, gefühlt jeden Tag, ein bis zwei Weihnachtsfeiern oder Essen unter Stöhnen besucht und ich in Summe gar keine! Bei der Aussage. „Also Samstag sind meine Jungs und ich auf der Santa Monika, kannst du mich abholen?“ Habe ich dann doch gestutzt, kurzzeitig drüber nachgedacht, zu welchem Event ich da meinen Segen gebe, bevor ich zustimmte. Im Grunde kann ich mich nicht beschweren, werde ich doch für die meisten Weihnachtsfeiern der besten Kerle angefragt. Zumindest als Taxinette in ständiger Rufbereitschaft ohne Taxameter. Es gibt nichts Befriedigenderes als gebraucht zu werden. Nicht zu vergessen in dieser vorweihnachtlichen, besinnlichen Zeit, die Spendenaufrufe, postalisch, per Mail, Messengerdienste, Anruf oder besonders moralisch erpresserisch per Klingeln direkt an der Haustür. Wieviele kleine Esel und Lamas wohl aus Streichelzoos entführt werden, um angekettet an schmierige Kerle mit klappernden Sammeldosen, in Fuzos bei plärrender Weihnachtsmusik Geschäftseingänge zu blockieren als arme, verhungernde Zirkustiere. Bin froh das Menschenrechtsorganisationen nicht frierende, verhungernde Kinder vor Burgerbuden anketten, um klar zu machen, dass die strahlenden CocaColaTrucks selten durch den Senegal fahren und „hope and joy for everyone“ in die real existierenden Hungersgebiete bringen. Weihnachten ist natürlich in erster Linie das Fest der Familie. Und das Fest der Familiendramen. Also das Fest der Liebe. Bis die Äxte fliegen. Hat jetzt sogar sehr lustig ein Discounter in seine Weihnachtswerbekampagne umgesetzt. „Wer gut isst, streitet nicht.“ Okay, erhöht jetzt mal ein klein bisschen den Druck auf die jeweiligen Köche der Familienschlachtplatte. Tatsächlich genieße ich es sehr mit Zeit und Ruhe um einen Tisch mit den Lieben zu sitzen. Aber bis es soweit ist, hat der Gott des Konsums uns doch jedes Jahr einige krumme Tannenbäume in den Weg gelegt. Da wären die- Geschenke! Ja klar, da lächeln jetzt die vier Weisen aus dem Konsumland. Ihr, die schon im September alle Geschenke gekauft, verpackt und versteckt habt. Für Euch: Ihr seid gottverdammte Aliens! Und nervt. Gut, wenn man sich von dieser Geldumschläge – und Gutscheintauscherei befreit. Noch besser, wenn sich auch alle, wie ich, an die Abmachung halten würden. Würde mir diese peinliche Pause mit dem Drecksgeschenk in der Hand ersparen, in der ich mich sagen höre:“Ich dachte wir schenken uns NICHTS??!!!“ Der beste Dad, der gerne schon im März ganz genau wüsste, wie, wann, was und ob überhaupt, die popelige Meschpoke bei Ihnen aufzuschlagen gedenkt. Wer was, wann und warum essen bzw. nicht essen kann oder mag. Und ob, ich denn schon Winterreifen aufgezogen habe, wegen O bis O (Oh menno, wieder kein Schnee- Oh shit, Winterreifen wieder viereckig gefahren weil wir 23 Grad hatten)? Das Wissen darum, dass sehr sicher, genau an dem Tag, wo ich Zeit finde meine Außenbeleuchtung zwecks weihnachtlicher Stimmung und so, an das sich wehrende Haus zu klöppeln, es wie aus Eimern gießt, bei knapp drei Grad Temperatur und windigen Böen, die in den Spitzen schon mal Orkanartig sein können. Dabei ist völlig egal, welchen Tag um den Totensonntag ich mir ausgucke und welches Wetter vorher oder nachher, sein sollte. Schmückt ist Claudia-Kleinert-Möpse-Tag. Immer. Ach ja, nicht zu vergessen, die Rotz- und Sprotzzeit, die sich schon über die Werbung für Antischnupfmittelchen aller Art ankündigt. In jeglichem Zusammenhang in dem man in dieser unsäglichen Zeit auf Menschen trifft, hustet, schnieft und prustet es aus sämtlichen Gesichtsöffnungen. Laut und leise in allen Tonlagen und einer Farbpalette von zarten Tönen in schleimig-gelb bis eitrig-grün, keine Wünsche an die winterliche Kollektion offen lässt. Da hilft das fluchtartige Verlassen des jeweiligen Ganges, sofortige Einstellung des Atemvorganges bis zur Ohnmacht, schildkrötenartiges Einziehen des Schädels unterhalb des Schleimhäuteäquators, tief unter achtundzwanzig Lagen des dicken Schals, ebenso wenig, wie das panikartige Verlassen des viralen Eldorados. Ein paar sehr findige Virenmultiplikatoren haben ein perfides Mittel gefunden, ihre Bakterien fast unbemerkt mit der undankbaren Umwelt zu teilen. Ich kann aus diesem Grunde seit vier Wochen niemals mehr in meinem Leben Blumenkohl essen. Als unfreiwilliger Beobachter folgender Szene, die mich so paralysierte, dass ich weder einschreiten, noch abwenden konnte. Ein Rentner wühlte in einer Kiste von Blumenkohlköpfen und redete mit jedem Einzelnen.“Na, na, du bist zu klein. Komm doch mal her, nein, zu klein. Na komm schon. Du bist schön…“ So sabbelte und krabbelte er ohne Unterlass in den blassen Vitamin C Bomben. Dieser, sagen wir mal, schon sehr eigene Umgang mit profanem Gemüse, zog meine volle Aufmerksamkeit auf dieses ungleiche Kohlkopfduett. Während er so brabbelte, mischte sich ein leichtes Kratzen und Räuspern auf seine schwingenden Stimmbänder. Dem Räuspern folgte ein stolperndes Hüsteln. Das Hüsteln steigerte sich in ein bellendes Husten. Meine Augen weiteten sich vor Entsetzen und Ekel. Der debile Sack steckte kopfüber in der Kohlkiste, hatte einen hochroten Kopf und Brüllhusten mit Auswurf. Bäche von Sekret tropften und sprühten über das jungfräuliche Weiß, gefolgt vom unteren Teil seines Zahnersatzes. DAS IST KEIN SCHERZ! Mit Würgreiz und Unverständnis für die „Alten Leute von Heute“, rannte ich ohne Einkauf aus dem Laden, sprang in meinen Fluchtwagen und schwor mir nie wieder dort und nie wieder Blumenkohl einzukaufen. Ich weiß, warum ich zwar auf Umverpackungen wenn möglich verzichte, aber alles Obst und Gemüse vor dem Verzehr heiß abwasche. Die letzten Jahre halte ich mir die Virenschleudern mit bösem Blick, ausgefahrenen Ellbogen, einer Mischung aus Ingwer, Zitrone und Honig und Bewegung vom Leib. Daumen drücken für die aktuelle Schwemme, die laut FB Timeline auch immer mehr meiner Kollegen und Freunde mit sich nimmt. Auch sehr beliebt zur Winterzeit sind auf meiner Timeline immer mehr Fotos von mehr oder weniger originellen Stehrümmchen. Gerne in Gold oder Glitzerglatzer von begabteren Dekohexen, als ich das jemals sein könnte. Eröffnungsankündigungen von temporären oder durchgehenden Sauf -und Kaufmärkten in weihnachtlichem Gewand mit Unmengen von Tinnef. Vorzugsweise aus Filz. Mützen aus Filz, Handschuhe aus Filz, Schuhe aus Filz, Strümpfe aus Filz, Jurten aus Filz, Geschirr aus Filz, Bratwurst aus Filz,Filz aus Filz. Hässlicher Kram, den normalerweise niemand braucht und selbst die letzte überlebende Ökobraut niemalsnicht kaufen würde. Wäre das Herz nicht weihnachtlich beseelt, der Verstand nicht glühweintechnisch geflutet und der Gruppenzwang, der anderen Mädels aus dem Großraumbüros, die alle schon zwei Filz- BH mit passendem Schlüpper vorne liegen. Plus dem pinken Filztankini für den nächsten Malletrip für die Wahl der „Miss WetFilz“! Gut, wenn der Filz nass wird, riecht er muffig nach nassem Köter, aber er schrumpft vom Tankini zum Wampini, besser bekannt als fusseliges Dominakorsett. Auf Internetportalen, Homepages, im TV, eine Flut von Bildern mit traurigen Hunden hinter Gitterstäben, jeden Alters, jeder Rasse mit großen, angsterfüllten Augen. Alle auf der Suche nach einem Zuhause. Rettung vor Einsamkeit und Kälte. Oder dem sicheren Tod. Dazu persönliche Anfragen von Kunden, Kollegen, völlig Fremden, das eine oder andere Tier über mein Netzwerk zu teilen oder bei der Vermittlung zu helfen. Gleichzeitig der alljährliche mantraartige Aufruf, dass man „Tiere unter dem Weihnachtsbaum“ als emphatischer, vernunftbegabter Mensch in jedem Fall abzulehnen und gesellschaftlich zu ächten hat. Am Besten öffentlich als Multiplikator und Teiler. Erstaunlicherweise über die selben Internetportale, die mich eben noch an meine moralische Pflicht, Hunde aus dem Tierschutz jeder anderen Quelle, gerade jetzt vor Weihnachten, bei unwirtlicher Witterung, ein Zuhause, eine Chance, aber zumindest eine Plattform einräumen muss. Mal ehrlich, ich suche seit Jahren nach dem Sinn hinter diesem Aufruf. Wird auch nur ein einziger Hund deshalb am Ende des Tages, weniger ausgesetzt, dem Tierschutz übergeben, als unüberlegte Fehlentscheidung des Jahres erkannt? Es gibt für mich dazu keine Quelle, obwohl ich mich bemüht habe, irgendein zählbares Ergebnis zu finden. Ist es das Feigenblatt des guten Gewissens, um beruhigt Weihnachten feiern zu können? Wie die mundgeblasenen Postkarten von Bethel? Ist ja auch schnell geteilt oder unterschrieben. Danke Internet. Engagement wird digitalisiert. Kostet nichts, keine Zeit, kein Geld, keinen Gedanken. Ein Klick und vergessen. Petition? Gegen was? Egal, Hauptsache „Gegen“, unterschreiben, gut fühlen. Politisch engagiert sein, ohne Ahnung, ohne Konsequenzen, ohne den Arsch hoch kriegen zu müssen. Wie einfach. Wie praktisch. Wie risikofrei und ohne Nebenwirkungen. Ich glaube nicht das Aufrufe „Keine Tiere zu verschenken“ in irgendeiner Form schaden. Aber ich bin mir sehr sicher, dass sie auch nichts nützen, außer dem guten Gefühl, etwas getan zu haben, ohne dabei in Schweiß zu geraten. Ich teile diese Aufrufe nicht, ebenso wenig wie Kettenbriefe. Wer teilt solche Aufrufe? Die Menschen, die sich sicher sind, dass Tiere fühlende Lebewesen sind, die man niemals unbedacht anschaffen sollte. Wer liest so etwas? Die gleichen Menschen. Ist wie aufwendige Werbung für ein Produkt von dem man eh nachhaltig und tief überzeugt ist. Wann ein Tier in eine neue Familie zieht , sollte nicht von außen sondern von der Familie bestimmt werden. Wenn man über Weihnachten oder generell im Winter einfach genügend Zeit hat, dann ist das so. Ich kann nachvollziehen, wenn Mitarbeiter aus dem Tierschutz über die Feiertage auch ein Recht auf Familie, Freizeit und freie Tage haben. Ansonsten einfach den Auftrag, ehrlich zu beraten, nachhaltig zu vermitteln konsequent nachkommen, dann ist es völlig wumpe, ob ein Tier an Weihnachten, Ostern, zum Geburtstag oder am St. Nimmerleinstag adoptiert wird. Ein genereller Stopp von Vermittlungen bei seriösen Organisationen, hilft am Ende nur den Vermehrern, den Profiteuren des illegalen Welpenhandels und Leuten, die ihre unerwünschten Fehlanschaffungen auf Ebay verschleudern. Die scheren sich einen Scheißdreck um die Ware Tier, die zukünftigen Familien oder die Jahreszeit. Denen geht es um Gewinn, der noch viel einfacher zu erzielen ist, wenn die Konkurrenz sich selber vom Markt nimmt. Vielleicht auch auf der hellen Seite der Macht nicht immer so pauschal die Moralkeule schwingen und auch lieb gewonnene Themen einfach mal neu überdenken.
Frohe Weihnachtszeit und das meine ich auch so.


„Gustav Garas“

Wollte ja schon lange mal wieder ein paar Zeilen auf den Bildschirm werfen, war aber blockiert. Also keine klassische Schreibblockade, eher eine emotionale Barriere. Wie kann das denn passieren? Nichts Blondes mehr passiert? Keine Komplettausfälle mehr in meinem störanfälligen System aus Balanceakt und Jongliernummer? Leider Nein, leider gar nicht. Das mentale Chaos zu beherrschen und auch das im Kopf, ist immer noch meine erste olympische Disziplin. Ich bin schlicht und ergreifend stinkensauer gewesen. Also nicht als  Lebenszustand, keinen Wutsuite als Ganzkörperburka oder so. Meine Verstimmung bezog sich explizit auf mein Geschreibsel und das schwierige Recht auf geistiges Eigentum.  Eine Sache, die ich im Normalfall sehr entspannt sehe. Ich schreibe meine persönlichen Texte fast wie manisch runter, um sie mit dem letzten Punkt loszulassen. Aus dem Hirn, durch die Finger, aus dem Sinn. Anders ist es, wenn es sich um eine Auftragsarbeit aus meinem Beruf handelt. Ab und an, schreibe ich populärwissenschaftliche Essays zu mir angetragenen Themen. Ich denke, es bleibt immer mein Stil mit dem ich jedes Projekt angehe, aber diese Texte machen viel Arbeit, um sie verständlich, interessant und trotzdem sachlich korrekt auf den Weg zu bringen. Je mehr Zeit und Herzblut in ihnen steckt, desto banger beobachte ich ihre Außenwirkung und fühle die Ohnmacht, sie kaum schützen zu können. Ich bin ein großzügiger Mensch. Punkt. Bis zu dem Punkt, wenn ich mich ausgenutzt oder nicht ernst genommen fühle. What happened to my ego? Time Warp. Vor etwa vier Wochen klingelte mein Hausanschluss. Eine Nürnberger Vorwahl. Da ich dort eine wunderbare Kooperation mit den Kolleginnen der „Easy Dogs“ pflege, nahm ich freudig den Anruf entgegen. Eine auf fränkische Weise das „R“ rollende Frauenstimme drang an mein Ohr. Schon der erste Satz, ließ mein Stimmungsbarometer wieder gen Null fallen. Es war nicht die zauberhafte Claudia sondern irgendeine Huber Hannerl (Name von der Schreibsdings geändert), die sich willkommen fühlte, mir ihr unfassbar einmaliges Angebot zu unterbreiten. Sie betete ihren Sermon , ohne einmal Luft zu holen herunter, um die Gefahr von unliebsamen Unterbrechungen meinerseits zu minimieren. Kurz, sie vertrat eine ansässige Tiernahrungsfirma, deren Erfolg auf einem Verteilersystem von Franchisenehmern beruht, die die Waren über kostenfreie Beratungsgespräche in ihre Wohnzimmer und die Schlünden der Fellkinder liefern. Hat ein bisschen was von den Scientölengy. Obwohl sie jedes meiner abwehrenden Argumente, mit einem neuen, auf mich zugeschnittenen Modell für Einsteiger totsabbelte. Was ist eigentlich an „Nein. Niemals.“, Nicht zu verstehen? Egal, wir einigten uns, dass ich ihr Futter niemals nicht an wen auch immer verkaufen würde. Und auch meine Fellkinder sicher keine Abnehmer für ihre bestimmt unfassbar, reines, hochwertiges, chemie-, getreide-, zusatzstoffreies, politisch korrektes  Superfood für Viecher, sein werden. Im Normalfall dauert so eine Anfrage an mich, maximal 17 Sekunden, dieses Ding dauerte schon viel zu lange. Endlich gab sie auf, gerade rechtzeitig bevor mein „Sei-freundlich,-sie-macht-auch-nur-ihren-Job Kontingent“ komplett aufgebraucht war. Ich legte auf und sann dem Klang ihrer Stimme eine Zeit nach. Sie hatte mit Nennung der Firma, irgendeine, tief in mir verschüttete Information, einen offenen Punkt auf einer imaginären Bucketliste frei gelegt. Stimmt. Da war noch Etwas. Nichts Gutes ahnend öffnete ich meinen Schlapple und begann zu recherchieren. Schnell fand ich was ich suchte, ich las und erstarrte. Dieser miese alte Misanthrop! Ich hasse Ungerechtigkeit, besonders hasse ich es ungerecht behandelt zu werden und am aller, aller Mehrsten hasse ich es, wenn ich keinerlei Handhabe besitze, um mich dagegen zu wehren.

 

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„Scoville“

Da geht man einmal Fremd! Ein einziges Mal. Und Zack, kalt erwischt. Ja, nicht was du jetzt denkst!! Ich war Fremd- Pflanzen- kaufen. Einmal nicht beim Dealer meines Vertrauens, weil Sonntag und ich auf dem Nachhauseweg und das Grünzeugskaufgeschäft zufällig auf meiner Route lag. Also kurz entschlossen angehalten, auf den Parkplatz gegurkt und direkt bereut, es getan zu haben. Bei über 20 Grad, direkt nach den Eisheiligen, Parkplatz voll und platzt aus allen Nähten. Blech- und Einkaufskarren soweit das Auge blicken konnte. Stimmengewirr. Greinende Kinder, die ihr Glück an einem Sonntag einen Ausflug in ein Gartencenter zu unternehmen, irgendwie gar nicht in Worte fassen konnten. Da war das Versprechen auf ein „Würstcken, wenn wa nachher fertich sind, woll?!“, nur eine lahme Entschädigung. Es machte sich der Eindruck breit,  das Alles was zwei grüne Daumen sein eigen nannte, sich versammelt zu haben schien. Hier und Heute. Welch eine Überraschung. Also zumindest ich war überrascht. Der Rest der Welt vermutlich weniger. Ich parkte meinen kleinen freshen Corsa, den ich mir seit Neuestem im Rahmen des betreuten Fahrens mit dem besten Sohn teile. Das silberne Fliwatüt hat eine crazy Diskoinnenbeleuchtung, die cool aussieht, aber eine Entzifferung des Displays oder anderer Geräte bei Sonneneinstrahlung leider unmöglich macht. Einen Schaltknauf, der aussieht wie ein silberner Golfball, stylisch, sicher, aber mit mehr als unangenehmer Haptik und dem störenden Nebeneffekt, dass einem bei  Minusgraden, die Schaltpfote an ihm fest friert. Eine Untenrumrundumplastikgummischürze, mit der man die Insekten von der Straße fegen, aber misslicher Weise, keinen Bordstein erklimmen kann. Abartig verkürzte Federbeine, um die Brauchbarkeit der antiken Bandscheibe beim Schlaglochtiefe ausloten zu testen. Einen Heckspoiler, der den Wagen bei maximaler Beschleunigung der fauchenden 69 Pferdestärken und eingesetzten KERS, vorm Abheben in ferne Galaxien schützt.  Analoge Fensterheber und Außenspiegel, also Kurbeln und Plastikpinörkel, die einmal mehr beweisen, dass optimal eingestellte Spiegel und heruntergelassene Fensterscheiben bei Hitze, völlig überbewertet sind und zweitens auch das einzigartige Saunaerlebnis zerstören. Immerhin fahren anscheinend alle coolen Kids, Corsa und unser Tuningmonster ist leicht auf dem Parkplatz wieder zu finden. Mein Sohn liebt seinen „heißen Kessel“ und der Kleene erfüllt zudem alle unsere Erwartungen an Sicherheit an seinem ersten eigenen fliegenden Teppich. Und für mich? Da sich die Kiste per neuer Kupplung schalten lässt wie Butter und schnell seine Leistung auf den Asphalt bringt, macht das Fahren auf buckelfreier Piste wirklich Laune.  Ich unterfliege jeden Radar und kann auf zwei Rädern durch die Kurven pesen. Ich parkte also den silbernen Zwerg selbstbewusst neben einem riesigen, blubbernden Amischlitten. Wagen, die ich persönlich, durch die Bank hässlich und überflüssig finde. Der Fahrer schaute mitleidig auf meine kleine unterhubraumte Fußhupe herunter und ich blickte mitleidig zurück, auf seinen blechernen, stinkenden Dinosaurier. Ich tauschte den motorisierten Kinder- gegen einen Einkaufswagen, schob ihn durch die Glastür des Hochglanzpflanzentempels und durch die unübersichtlichen Gänge in den frostfreien Kaltbereich, um mich mit Gemüsesetzlingen einzudecken. Nachdem meine Kräuter zum allerersten Mal seit Jahren gediehen, war ich nun bereit und überheblich genug für Phase2. Selbstangebautes, unterschiedliches Gemüsedingsbums. Die Kälteschleuse öffnete sich und ich stand mitten in Veggiehausen. Wohin ich auch blickte, Kräuter, Gemüse, in allen möglichen und unmöglichen Variationen, Formen, Wachstumsphasen und Sorten. Es ging mir schlagartig wie vor dem Marmeladenregal im Discounter. Ein Gefühl der visuellen Überforderung, überrollte mich. Unruhig schwirrten meine Blicke, wie ein nahrungssuchendes Bienchen von Regal zu Regal, rauf , runter, zickzack, mir wurde schwindelig. In diesen Fällen hilft mir Distanz. Erst mal aus der Ferne einen Überblick verschaffen und das System durchschauen. Langsam verstand ich, dass die Gemüse grob nach Kräutern, Blattgemüse, einen riesigen Bereich Tomaten, Gurken, Zucchini, Paprika und Chili eingeteilt waren. Es gab immer noch Untergruppierungen in Anbauweise und Gebieten, wie Bio oder Mediterran. Dabei war mediterran sicher nicht die Anbauweise und ganz bestimmt nicht das Anbaugebiet, eher das Ursprungsland, aber das waren jetzt unnötige Wurzelspaltereien. Gerade lichtete sich das Dunkel in meinem verwirrten Hirn, da hatte ich sie am Arsch. Ein Pärchen. Seit wann ist das so? Scoville scheint die neue Einheit für langweilige Hippsterspießer zu sein, die sie als vermeintliches Alleinstellungsmerkmal, wie einen 80er Jahre Canabisbutton an ihrem Revers vor sich her tragen. Kann man sich mit zuviel Scoville Teile des Hirns weg brennen? Scoville = Doofville? Leider gibt es dazu keine belastbaren Zahlen, aber es wäre mal ein interessanter Ansatz, finde ich. Beide waren Anfang bis Mittdreißiger, sicherlich schon im „Wir sind bereit für den nächsten Schritt Pärchen Stadium“. Also nicht zusammen ziehen. Das waren sie vor , na sagen wir mal, vier Jahren. Seit zwei Jahren hatte gemeinsames Kochen mit und für Freunde, das abendliche Abhängen in HipKneipen und den samstäglichen NachsportschauSex abgelöst. Seit einem Jahr stellten sie im privaten Kreis „Das perfekte Dinner“ nach und seit ihrem Thailandurlaub vor vier Monaten sind sie ausgewiesene Experten in „Original Thaifood“. „Hot and spicy“ Also Originaler als das Original, versteht sich. Und SIE sind die Schärfsten. Also, die Allerschärfsten, zwischen hier und Bottrop. Selbstredend sind die Scharfmacherschoten, die der Einzelhandel für den normalen Langweiler so bereit hält, für unsere beiden Feuerschlucker, „Irgendwie so flach.“ Und auch gar nicht „Original!“ Natürlich weiß das nur Jemand, der dort war, und „original Streetfood“ gegessen hat. „So einfach und unverkünstelt halt.“ „Authentisch, eben.“ „Nich so wie hier….“ Ja nee. Is klar. Hier würde jeder Betreiber eines Imbiss, der Fleisch, dass das Wort „Kühlkette“ nicht einmal buchstabieren kann und nur durch die Zugabe von Methylalkohol und Scoville sein erneut aufflammendes Leben ein weiteres Mal aushaucht, bevor es beim Gast landet, das Ganze bei 40 Grad im Schatten und 80 % Luftfeuchtigkeit, ohne Klima und Hygeniehysterie versteht sich, geteert und gefedert werden, seine Lizenz auf Lebenszeit verlieren und vermutlich gezwungen werden seinen eigenen Fraß zum Beizen von Möbeln frei zu geben. Wir Deutschen, eben. Dieses verrückte Volk mit seinen ewigen Vorschriften. Das ist so … Wie heißt noch das Wort, das ich suche?? Ach ja, Vernünftig. Echt jetzt, wo bleibt denn da der Nervenkitzel? Das ist doch sowas von Kreuzkümmellangweilig, wenn ich schon vorher weiß, dass ich den Restaurantbesuch überlebe! Da könnte man ja auch gleich zum Samstagssex zurück kehren. Der kostet wenigstens nichts und man muss sich dazu nicht extra anziehen oder duschen, oder anderes anstrengendes Zeug. Obwohl, Nee. weiterlesen


„Nulpen in Amsterdam“

Das verlängerte Wochenende zum 1 Mai, waren meine liebsten Hühner und ich zu unserer jährlichen Mädelstour in Amsterdam. Nun gäbe es viel zu berichten, aber eine eiserne Regel unserer kleinen verschworenen, in tiefer Freundschaft verbundenen Gruppe, heißt:“ Was in ….. passiert, bleibt in….“. Heißt in diesem Fall, in Amsterdam. Aber ich möchte an dieser Stelle, ein paar gut gemeinte Reisetipps für alle Amsterdamreisende los werden. In sämtlichen Reiseführern und Büros wird sicherlich gerne auf all die wunderbaren Eigenschaften, Hot Spots, geschichtlichen und baulichen Besonderheiten dieser Stadt hingewiesen. Daher spare ich mir den ganzen Sermon, ich konzentriere mich auf zwei andere Absurditäten in der Hoffnung dem Einen oder Anderen das Leben zu retten. Naja, damit man wenigstens ein bisschen vorbereiteter dem Tod ins Auge sehen kann als wir es taten.

Man kann als Landhuhn schnell den Eindruck gewinnen, das ganz Amsterdam eine kultige Kneipe oder exotisches Restaurant oder eine harzige Quarzbude und ,oder alles drei in Einem sei. Man stolpert also staunend und raunend von einer Lokalität zur Nächsten. Da man schlecht als reiner, nicht konsumierender Gaffer, die teils winzigen Wohnzimmerpubs mit begrenzten Plätzen, füllen konnte, waren wir schon aus Höflichkeit bereit, uns durch das Hopfensortiment zu probieren.  Nun was mutig oben in den Einfüllstutzen gefüllt wurde, musste zwangsläufig nach kurzem Aufenthalt im Durchlauferhitzer, gefiltert wieder in die Wildnis entlassen werden, da kann man noch so gut erzogen sein. Kurz: Watt mutt, datt mutt. Das Ding mit der Blase und damit auch zwangsläufig den jeweiligen WCs, zog sich wie ein gelber Faden durch unser Wochenende. Kurz gesagt- Eine musste immer und das wurde auch nicht wirklich besser, wenn man zum Wasser lassen immer ein neues Glasbiergeschäft aufsucht und während einer ablässt, der Rest beherzt auffüllt. Dabei muss man anerkennend sagen, dass Amsterdamer Wirte, auf eine natürliche Grenze des Trunkenheitsgrades bei ihren Gästen Wert legen. Damit Niemand aus Versehen diese rote Linie unbemerkt überschreitet und am Ende das schmucke Städtchen vollspuckt, verlegt das kluge Völkchen seine stillen Örtchen gerne mal an ungewöhnliche Örtlichkeiten. Oft versteckt und wenig ausgeschildert in den Keller oder auf den Dachboden. Beleuchtung ist zumindest für den Zugang wirklich überbewertet und wer will schon sehenden Auges in die Katastrophe wandeln? Das stockdustere Kellerklo mit 50er Jahre Charme, erreicht man nur über eine Feuerwehrrutschstange oder einen gegrätschten Flickflack mit doppeltem Lutz mit elegantem Schlusssprung. Die Dachlatrine gerne über eine marode Hühnerstiege, die sich malerisch in einem 65 Gradwinkel über 176 Stufen an der Außenseite des Dachfirst entlang meandert. Menschen, denen schon speiübel wird, wenn sie ihrem Kind beim Kreise drehen auf dem Polizeimotorrad des Kinderkarussell nur zuschauen, müssen sich nach den engen Kurvenstiegen sicherlich entscheiden, welche Körperöffnung zuerst ihr Recht nach spontaner Leerung erhalten sollte. Selbstredend hat die eine oder andere Kneipe zwischen Vierdreiviertel und acht Scillionen Sitzplätze, aber alle haben immer nur ein Klöchen für alle Popöchen. Manchmal abschließbar, manchmal mit direkten Blick auf die Vorratskammer, manchmal mit Papier, manchmal mit Seife, manchmal mit Handtuch, manchmal mit laufendem Wasser, manchmal mit Allem oder Nichts. Aber immer so kompakt, dass man nur mit absoluter Mühe und Konzentration plus zwei Aussenspiegeln, rückwärts einparken muss und einen Flaschenzug braucht, um die Örtlichkeit wieder zu verlassen. Bauen die in Holland Konzentratklos? Platzsparend?- Ja. Ein Markt für die Zukunft?- Eher Nee.

Kurz etwas in eigener Sache: Lieber Wirt der netten Bar im Gayviertel. Es ist nicht sexy, wenn man eine Toilette in der Größe eines Bundeswehrspintes mattschwarz streicht und sowohl die Seitenwände als auch die Stirnseite mit Spiegelfliesen beklebt. Ich habe mich zu Tode erschrocken als ich nach erfolgter Verrichtung von meinen Zehenspitzen aufblickte und mich nach rechts wand, weil dort das Untenrumreinigungsutensil hing. Ich starrte überraschend auf eine Blondine, die direkt neben mir saß und spiegelverkehrt jede meiner Bewegungen nachahmte. Ich wäre fast von der Schüssel gestürzt vor Schreck. Im Hochspringen blickte ich nach vorne und erstarrte, weil die Perle nun wie durch Zauberhand vis a` vis mit herunter gelassener Buchse vor mir stand und mich mit grenzdebilen Gesicht und offenen Mund anglotzte. Wenn ich noch mehr bar im Schädel gehabt hätte, hätte ich vermutlich nie geschnallt, dass ich mich ungewollt in einem Spiegelkabinett beim Pinkeln beobachtet hatte. Mal ehrlich. So was will doch keiner sehen!

Um von einem WC zum Anderen zu gelangen, brauchte es die Überquerung vieler Grachten und Brücken, überraschendes Stoppen auf den denkbar ungeeignetsten Engpässen, queren lebensgefährlicher Straßen an dafür unmöglichen Stellen, wie etwa Ampeln oder Zebrastreifen. Jepp! Richtig gelesen. Die Befolgung von Lichtsignalen ist in Amsterdam optional. Vermutlich erkennst du die deutschen Touris am penetranten Festhalten von einmal gelernten, Sicherheit vorgaukelnden Verkehrsregeln. Albern. Der gefährlichste Verkehrsteilnehmer und natürliche Feind der gemeinen Touriblondine in Amsterdam fährt übrigens weder Auto, Bus, Straßenbahn, Moped oder Boot. Er fährt ein scheinbar harmlos, ein altes, verranztes, schwarzes Hollandrad mit ca. 65 Stundenkilometern über holperndes Kopfsteinpflaster, durch die engen, malerischen Grachtengassen in denen man an alles gedacht hat. Fast an Alles. Nur nicht an Fußgänger. Der Übergang von Fuß zu Fietspfad ist fließend, meist nicht gekennzeichnet und dem gemeinen Radfahrer auch Humpe. Er trägt keinen Helm, keine Skrupel, keine Bremse und rast mit fliegen Rockschößen in kreischende Menschenansammlungen. Dabei benutzt er ein als Körbchen getarnten Rammbock, der fest mit der Lenkstange verbaut  ist und eine Mörderbimmel am Lenker. Wenn es Hinter, Neben, Ober oder Unter dir schrillt: SPRING! In welche Richtung? Keine Ahnung. Aber viel Glück! Wenn du Pech hast, rammt dich so ein fieser Fietselenker mit seinem Drahtesel, schleudert dich dabei senkrecht so geschickt hoch in die Luft, dass du rücklings wie ein Käfer in der eigens dafür vorgesehenen, flachen Kiste am Lenker landest. Unvermittelt zieht er noch einmal mit der Speed an, bremst so hart und abrupt vor einer der unvermeidlichen Grachten, dass sich dein zappelnder Kadaver im hohen Bogen vom Drahtesel trennt und versenkt dich mit einem Platschen zwischen Dreck und Hausbooten. Mal ehrlich, Hauptstadt der harzenden Friedenspfeife- Entspannt ist anders. Aber wahrscheinlich sind das gar keine Eingeborenen, sondern irgendwelche zugezogenen Bildungsflüchtlinge aus Deutschland, die aus Mangel an Intelligenz flüchteten und  nun im toleranten Holland auf Inklusion hoffen.Wer keine Ahnung hat, wie er sich das Prinzip der klassischen Konditionierung merken soll, dem empfehle ich einen Kurztrip nach Amsterdam. Ich habe ein seit diesem Wochenende ein Trauma. Wenn es irgendwo BrimmBrimmvanBimmleren“ macht, bekomme ich Herzrasen, springe, aus dem Stand, zwei Meter hoch, mit Schnappatmung und schrillem Entsetzensgeschrei dem Nächstbesten in die Arme. In meinem nächsten Leben, werde ich auch Fahrradterrorist. Oder Miniaturtoilettendesigner.


„Fröschlein“

SONY DSCIm Hinblick auf den vor der Tür stehenden Muttertag, lasse ich heute mal das Thema „Mütter“ aus Rücksichtnahme ruhen. Ist eine Reminiszenz an mein Harmoniebedürfnis. Mir ist Muttertag fremd. Aber aufgeschoben, ist ja nicht aufgehoben. Zur Entspannung und persönlichen Erquickung mal wieder Etwas Leichtes, Unschuldiges und Versöhnliches. Katzen! Also kein niedliches Youtubevideo, damit war ich situativ leider überfordert. Muss eben das gute alte Kopfkino mal wieder ausreichen.  In jedem Fall, ist mal wieder Zeit für eine RedNoseCat Geschichte. Diesmal geht es um Jake, unserem SunnysideupKaterchen, dem die Zufriedenheit irgendwie aus jeder Pore zu scheinen scheint. Jakolinio erfreut sich; bester Gesundheit, jagdlichen Geschicks erstaunlichen Ausmaßes, unserer unendlichen Zuneigung, an sich selbst und seinem wunderbaren Leben im Einklang mit sich und seinem roten Fellchen. Das täglich unzählige Leichen seinen Weg pflastern, ist der einzige kleine Schatten, der auf seine makellose Bilanz als Sinnbild für Frieden und Sanftheit fällt. Mit einem dampfenden, duftenden Becher voller köstlicher Koffeinbrühe blickte ich vor ein paar Wochen in den Garten, der überraschenderweise von hellem Sonnenlicht geflutet war und eine Anmutung vom kommenden Frühling mit sich brachte. Das erste zarte Grün, spross hier und da noch unsicher vor sich hin. Im Augenwinkel nahm ich eine Bewegung wahr. Ein Schmetterling! Er war in den ersten, wärmenden Morgenstunden geschlüpft und tanzte durchscheinend, zerbrechlich filigran, in einem unruhigen Auf und Ab, über die Wiese. Unter ihm lag, plattgedrückt wie eine Flunder und mit aufgeregt zuckendem Rutenende, ein rotes Stück Fell, mit riesigen, aufgerissenen, schräg gestellten Eulenaugen und Barthaaren, die so gespannt in die Welt standen, dass man Wäsche daran hätte aufhängen können. Er schnarrte und surrte vor sich hin, über ihm das flatternde, zarte Wesen. Mit einem lautlosen Satz erhob sich das rote Fellkind und sprang aus dem Nichts gut einen Meter in die Höhe. Der Schmetterling schwirrte unbeeindruckt über seinen Kopf hinweg. Die Jagd war eröffnet. Jackman sprang in einem fort hinter dem kleinen Kerlchen der Lüfte hinter her. Bei seinen Sprüngen wand und steckte er sich, überschlug sich, landete elegant auf seinen Pfoten, um sich sofort wieder in die Luft zu schrauben. Man sah ihm dabei die unbändige Freude an, mit der er sich und den Moment genoß. Er schien über das ganze Gesicht zu strahlen:“ Seht her, ich bin ein glücklicher kleiner rotnasiger Kater. Ich bin der Frühling. Das Leben ist schön. Schön bunt.“ So fröhlich federnd, hüpfend und geckernd, spielte er mit dem schwerelosen Schwirrdings :“Wenn ich dich kriege, du kleine Fliege….“. Was steht nun zwischen einem vor Dopamin überschäumenden Katerkind und tiefster Depression? Richtig! Ein Teich! Während ich ihn so beobachtete, kam mir kurzzeitig der Gedanke, dass in diesem Spiel der Schmetterling Chef im Ring zu sein schien. KillerCat in völliger Selbstüberschätzung, hatte im Jagdfieber seine Umwelt komplett ausgeblendet. Ungläubig verfolgte ich das ungleiche Paar. Sollte das Insekt tatsächlich einen derart perfiden Plan verfolgen? Ein „Hüpf“, „Hüpf“, „Hasch mich ich bin der Frühling“, „Platsch“ mit anschließender Stille, beantwortete meine unausgesprochene Frage. Der Kohlweißling drehte eine elegante Schleife und entschwand lautlos aus meinem Blickfeld. Zurück blieb ein rotzender, sprotzender, roter Jack Sparrow, der  ohne Black Pearl, Schiffbruch erlitten hatte. Das pitschnasse Katerlein kletterte mit hängenden Ohren, triefend nassem Fell, tropfenden Barthaaren und Ganzkörperzuckungen aus dem Teich. Er konnte sich gar nicht so heftig schütteln, wie es ihn vor sich selbst ekelte. Ich hatte mich kurzzeitig in prustendem Gelächter zerlegt, aber nun obsiegte mein Mitleid mit dem armen Tropf. Ich schnappte mir ein Handtuch und wollte ihn behutsam von Nässe und Schlick befreien. Er schaute mich mit zusammen gezogenen Augen an, die schwarzen , riesigen Pupillen  schienen den kompletten Augapfel auszufüllen.  Er drehte sich ab und als ich ihn ansprach mit einem bedauernden: „Jay???Komm mal zu Mama?“. Knurrte mich der kleine Kerl verächtlich an und schimpfte in einer für seine Verhältnisse, tiefen Tonlage vor sich hin, unterbrochen von hektischem Putzen und Lecken seines Fells. Ich startete einen zweiten Versuch. „Jay? Ist doch halb so wild…“ Aus dem sonst so freundlichen Katergesicht brach eine Flut von Miauen, Maunzen und Snerrtlaurten auf mich ein. Es war wohl etwas in die Richtung:“LASS MICH! DU BIST NICHT MEINE MUTTER! UND SCHMETTERLINGE SIND ARSCHLÖCHER!!!!!! So in die Schranken gewiesen, ließ ich von meinen Rettungsversuchen ab. weiterlesen


„Die göttlichen Gebärenden“

Mag sich jetzt wie „Nestbeschmutzung“ anlesen, ist es vermutlich auch. Aber wenn ich noch einmal in einem sozialen Netzwerk lesen muss, dass sich angeblich 99,98765 Prozent irgendwelcher Freunde sicher nicht trauen würden irgendeinen Schwachsinnsstatus zu teilen, der mit „Ich habe ein Kind unter Schmerzen geboren….“, eröffnet, kotze ich in Regenbogenfarben. Echt! Ist die Geburt das Einzige, was man als Lebensleistung erbracht haben muss? Ein bisschen wenig fürchte ich, meine Damen. Nach dieser Logik wären Hühnern in der Eiproduktion, Milchkühe oder jedes andere mehrfach gebärende Lebewesen, die wahren Helden. Zudem lege ich Wert darauf, entweder ob meiner kauzigen Art und obwohl ich einen eigenen Standpunkt habe, gemocht zu werde, wenn nicht, ist mir das ziemlich Schnuppe. Klar, ist es eine erstaunliche Geschichte diese Evolution, die uns und jede andere Spezies hervor gebracht hat. Klar, ist es eine erstaunliche Sache, dass aus der Verschmelzung zweier Zellen ein eigenständiger, lebensfähiger Zellhaufen entstehen kann. Klar, ist in vielen Fällen eine Schwangerschaft und die daraus häufig folgende Geburt mit unangenehmen und schmerzhaften Begleitumständen verbunden. Aber die Empfängnis eines Kindes hat wenig Heroisches und schon mal gar nichts Göttliches. Und ja, auch Männer würden eine Geburt überleben. Weiter Atmen, Mädels! Das ist keine Behauptung, um sich dem männlichen Teil der Bevölkerung anzubiedern. Das ist ganz einfach Fakt. Da können wir es „Ihm“ auch noch so oft absprechen, seine Neigung zum tödlichen Männerschnupfen milde belächeln, sein Ausleben von Haarwurzelkatarrh und Rinnenlauf zwischen Klo und Kühlschrank nach unverschuldeten Abstürzen in C2H5OH als unerträglichen Rückfall in die frühkindliche Bläh- und Krähphase, empfinden. Unser kleiner Prinz von und zu Pein, kann in der realen Welt ein viel höheres Schmerzpotentiel ertragen als unser Einer. Das ist auch sehr sinnvoll, wäre er wegen eines eingetretenen Dorns, einem Splitter im Daumen vor Schmerzen umgefallen oder schlimmer, an den Folgen eines eingerissenen, künstlichen Nagels jammernd verstorben, wären wir wohl in der Höhle verhungert. Oder hätten selber gejagt. Unter der Geburt mutieren wir tatsächlich zu einer Art „Supermann“ , was unsere hormonelle Zusammensetzung und unter anderem auch das Aushalten von Schmerz beeinflusst. Diese männliche Komponente, erklärt auch, warum wir in der Sekunde in der wir unseren fleischgewordenen Prototyp auf die Welt gepresst haben, alles Unangenehme um dieses Ereignis, gerade die Intensität des Schmerz, schlichtweg vergessen. Der hoffentlich beglückende Anblick der eigenen Brut, ist vergleichbar mit dem „Blitzdingsding“ der „Men in Black“. Ein Blitz, ähm Blick und Alles gelöscht. Perfekte Lösung der Natur, ansonsten gäbe es nur Einzelkinder auf der Welt. Keine einigermaßen intelligente Frau, würde diesen teils entwürdigenden, teils verstörenden Akt , wissenden und sehenden Auges freiwillig wiederholen wollen. Wer bei Schwangerschaft und Geburt an verquere Gelüste auf merkwürdige Speisenkombinationen, gut gestylte, werdende Stilikonen, die in Hipsterberufen erfolgreich von Brunch zu Vernissage stöckeln und für jede Lösung ein weiteres tiefsinniges Problem zerreden, ihre Geburtserfahrung mit heißem Wasser und Zeitungen oder waren es Decken? auf dem Rücksitz eines Taxis erledigen, ohne Dieses zu beschmutzen!, schaut definitiv zu viele amerikanische ZuckerwattenLebenisteinekleineFarmSoapmovies. Da blendet die Kamera beim offenbar immer unpassendem, unfassbar slapsticklustigen Platzen der Fruchtblase auf und beim ersten Wehengebrüll aus. Schnitt! Und da liegt Sie. Wie hingegossen, im milden Licht, bleich und schön, in weißen Linnen, mit einem Teint wie Samt und Seide. Schon schwebt eine Modellhebamme herbei und legt ihr ein in weiche Tücher gewickeltes Etwas  in die erwartungsvollen Hände. Auch der überirdisch schönen Hebamme , sieht man die Anstrengung der 24 Stundengeburt lediglich an einer vorwitzigen Haarsträhne, die sich aus ihrer perfekten Frisur gelöst hat, an. „La belle Mama noveau, hält dieses puppenähnliche, lockige Bilderbuchblag im Arm. Der gewordene Vater lächelt grenzdebil sein doppeltes Glück in die Kamera. Klappe. Fahrstuhlmusik. Abspann. Szene im Kasten. BULLSHIT! Eine echte Geburt hinterlässt einen Kreißsaal, der aussieht, als wäre dort „Miss Piggy in the Slaughterhouse“ gedreht worden. Ein Drehort, bei dem selbst einem Splatterfilmrequisiteur  das Kunstblut aus gegangen wäre. Als Genre wohl eher „Baby CIS“ als „Barbies in the City“. Ach ja, was den Anblick des kleinen Menschlein angeht. Dieses winzige Nülli Klitzeklein, kommt verschrumpelt, voller Käseschmiere, bläulich, rötlich, manchmal verpickelt, manchmal mit einem Schädel, der mit allen zur Verfügung stehenden Gerätschaften der mittelalterlichen Geburtsmedizin wie Zange, Saugglocke und der ungebremsten Kraft von zwei Oberarmen einer Hebamme, die in ihrer Freizeit Schiffsschaukelschubbser und Schlammcatcherin ist, zu einem Conehead verformt wurde und gerne zornig brüllend, auf diese manchmal wunderbare Welt. Ein Bild, das jeden unbeteiligten Beobachter zumindest leichtes Entsetzen ins Gesicht treiben würde. Nicht so die sich gerade noch unter hämmernden Wehen windende, manchmal stöhnende, manchmal schreiende, manchmal winselnde, manchmal den Miterzeuger der Frucht ihrer Lenden mit todbringenden Flüchen belegende, frisch gepresste Maman. Sie hat den Schmerz, die letzten Stunden und ihren Namen vergessen. Sie schaut erstaunt in die verknautschte kleine Rattenschnute und strahlt. Kein Wunder. Reine Chemie. Sie steht unter dem Einfluss von Oxytocin. Ein Hormon, welches erst den Uterus zum Beben und dann das Herz zum Überlaufen bringt, meist für die nächsten Jahre. Zum absoluten Glück der kleinen Zwerge, sie würden sonst das erste Lebensjahr vermutlich nur selten lebend erreichen.  Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ich jedes Lebewesen auf der Welt foltern und töten würde, das sich wagt, mich über zwei Jahre bis zu viermal in der Nacht aus dem Schlaf zu reißen. I SWEAR! Ich war in diesen besagten zwei Jahren so unfassbar müde, dass ich einen 5er BMW in die Form eines Beetle gefahren habe. Wenn ich im Rückspiegel eine Hindernis entdeckte, dachte ich :“Ohhhhhhhh,einnnnneeeee Maaauuuerrrrr….bremmmmsss… „. Und das Nächste, was ich dunkel wahrnahm, war oft das dumpfe, metallisch quietschende, krachende Geräusch von Blech, welches sich  langsam aber stetig in eine steinerne Mauer frisst, um nach kurzer Überlegung dem Druck nach zu geben und in einer völlig neuen Form aufzugehen. Bis die Info „Bremsen!“ sich durch die Watte in meinem Kopf zu meinen Extremitäten laviert hatte, klingelte bei meinem Lieblingsschrauber schon wieder die Kasse. Wäre ich in dieser Zeit gestolpert, wäre ich einfach im Tiefschlaf auf dem Bürgersteig liegen geblieben. Irgendwie, wie dauerbekifft, nur ohne Lachflash- obwohl… Aber ich war dem Zwerg nicht einmal böse, zum meinem und dem absoluten Erstaunen des Restes der Welt, zeigte sich eine bis dato unbekannte Seite an mir. Geduld. Verrückt.

Als Schwangere war ich dagegen voll die Aggrobraut. Ich musste erst mal eine eigene Meinung zu dem Thema „Mutter -und Kindwerdung“ finden. Das ging nicht so Ratzfatz, ich musste da schon mal ein bisschen drüber nachdenken. So ein, zwei, drei, vier, fünf Monate. Jahaaaaaa. Natürlich war mir klar, dass der Vorgang nicht umkehrbar ist, wollte ich auch gar nicht. Ich musste eine Einstellung zu einer Idee finden, die bisher nie eine Option war und die wohl einiges in meinem Leben verändern würde, nur dass ich Null Ahnung hatte, was zur Hölle, dass denn sein könnte. Glücklicherweise, nahm ich so wenig zu, dass Niemand Verdacht schöpfte. Einige konnten selbst nach der Geburt, mit dem lebenden Beweis im Arm , nicht glauben, dass dieses Kind selbst geklöppelt und nicht von einer Leihmutter ausgetragen wurde. Der werdende Vater und unzweifelhaft beteiligte Zuteilelieferer der zur erwartenden Sendung, erfuhr auf etwas unromantische Art von seinem außer Kontrolle geratenen Spermatozoen. Also nicht schmalzig kleine Schuhe in eine Bierflasche verpackt oder das Ultraschallrätsel auf eine Hauswand projiziert.  Auf einem Spaziergang mit unserer bezaubernden Hündin, hielt er unvermittelt an und blieb stehen. Ich marschierte eine Weile introvertiert weiter, dann blickte ich über meine Schulter fragend zurück. „Was ist eigentlich los mit dir? Du bist seit fünf Monaten nur noch schlecht drauf und motzt mit mir rum! Was habe ich getan?!!!“ Ich stutzte, riss die Augen auf, als wäre ich der böse Wolf und er „Little Red Victim““DU?! Du hast mich geschwängert du Arsch!…….. Und wag es nicht zu grinsen!!!!“. Zu spät, wenn er keine Ohren gehabt hätte, hätten sich seine Mundwinkel am Hinterkopf geküsst. Immerhin hielt er sich mit Zudringlichkeiten oder gefühlsduseligem Geschwafel in meine Richtung zurück. Dafür bin ich auch in der Retrospektive immer noch dankbar. Sonst hätte unser Kind wahrscheinlich ohne Vater aufwachsen müssen, weil ich ihn mit Haut und Haaren verschluckt und verdaut hätte. Nach dieser Eröffnung hatte ich keine Wahl mehr und musste zumindest meine Familie in Kenntnis setzen. Männer können NICHTS für sich behalten! GAR NICHTS! Während der Schwangerschaft war ich ohne Beschwerden, aber weiterhin latent explosiv. Ich arbeitete ohne Einschränkungen weiter und weigerte mich vehement gegen Geburtskerze, vorbereitende Geburtskurse, bundesweite Kreißsaalbegehungen, Gipsabdruck des wachsenden Kindercontainers, den ich vor mir herschob oder ein „Meet and Greet“ mit dem „Who is who“ der gesammelten Hebammenschaft des Kreises. Ich hatte einfach weder Zeit noch Lust, zudem erschloss sich mir die Notwendigkeit nicht wirklich. Mir reichte die engmaschige Überwachung durch Dr. Aki, ein Russe, der mit „Aki“, eine ganz persönliche Definition des „Okay“, des einstigen Klassenfeindes gefunden hatte. Er war vorher Oberarzt an der Uniklinik in Münster gewesen und ich fühlte mich von dem wortkargen Realisten sehr gut betreut. Wir waren uns einig, dass in Teilen seiner Heimat, die Frauen ihre Kinder während der Feldarbeit bei minus 40 Grad in eine Furche drückten und dabei ein furchtbar trauriges russisches Lied über die Wolga sangen, die Nabelschnur durchbissen und weiter den Pflug zu Schwerterscharen schmiedete. Nach einem dieser „Wir finden die Gorilla im Nebel“ Ultraschallsuchbildertermine, und seiner beruhigenden Aussage, dass er soweit alles „AKI“ fand, schneite ich noch eben in den Kaufmannsladen, um ein paar Einkäufe zu tätigen. Ich stand an der Fleischtheke, um dem besten Kerl irgendein Stück blutige Lebenskraft zu erwerben. Verzweifelt studierte ich die Auslage an totem Tier, als ich den Atem eines fremden Menschen an meinem Ohr spürte. Gleich danach auch den Körper einer älteren Dame, die sich an mich heran gekuschelt hatte. Ich wich ihr aus und rutschte eine Fleischreihe weiter, in der Annahme, dass sie so besser auf die feilgebotenen Waren blicken konnte. Zu meiner Überraschung und meinem absoluten Unbehagen, rutschte das kleine Ömchen einfach nach. Wieder spürte ich ihren Arm auf meinem lasten und roch ihr blumiges Eau de Klo. Etwas ruppiger entzog ich ihr meinen Arm und tat einen deutlichen Schwenk auf die andere Seite der Theke. Ich atmete befreit auf. Ich hasse es, wenn mir fremde Menschen ungefragt auf die Pelle rücken, da kriege ich Plaque. Trotz Progesteron, das angeblich ja für gute Laune sorgt. War wohl bei mir kaputt, diese „Happy“Funktion. Sorry, für Diejenigen, die mir in dieser Zeit quer gekommen sind. War sicherlich so gemeint, aber vermutlich etwas rüde formuliert. Zurück im Rewe. Ich konzentrierte mich wieder auf die Mission mit der ich den Laden betreten hatte. Suchend irrte mein Blick wieder in die blassrosa Schweinereien. Der nach Pfefferminzzahnpasta und Gebissspeichel riechende Atem des Todes, streifte mich erneut. Da war sie schon wieder. Ich bekam Puls. Die alte Dame war mir unauffällig gefolgt und hakte schon wieder oberhalb meiner linken Hüfte ein. Böse schaute ich ihr direkt ins Gesicht. Ich schaute an mir herunter und zeigte auf meine Mitte, dann empört auf die kleine Klette. „Können sie BITTE aufhören in mich rein zu kriechen?!!! Das geht nicht! Da ist schon besetzt!“ Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte ich auf dem Absatz um und verließ wutschnaubend den Laden. Ich brauchte Luft. Ich denke das alte Muttchen ahnte nicht einmal, wie kurz sie davor gewesen war ins ewige Licht zu gehen und sich den berechtigten Fragen des empörten Schweines zu stellen, das sie so eben als Koteletts in ihrer Einkaufstüte nach Hause trug. Was soll ich sagen, ich hatte eine vermutlich perfekte Schwangerschaft, ohne Probleme, ohne Wassereinlagerungen, ohne  tonnenartige Gewichtszunahme, Pickel, Übelkeit, Kreislauf oder was auch immer einem an Unannehmlichkeiten widerfahren kann. Selbst am Schlafen in Bauchlage, habe ich bis zum Schluss festgehalten. Alles chic. Danke mein Sohn. Gut, es gab eine Zeit, da bin ich während eines Spazierganges öfter in die Büsche zum Pinkeln gerannt als mein Hund, aber das war eigentlich immer lustig. Vor allem die Verzweiflung eines Mannes, der die zunehmende Inkontinenz seiner aggressiven Tonnenelfe mit wachsender Sorge um den ausleiernden Beckenboden als möglichen drohenden Ausblick auf eine hoffentlich noch ferne Zukunft mit seiner einstmals intakten Liebsten erahnte.

Tag der Geburt. War aus verschiedenen Gründen festgelegt und der Weg den der noch undefinierte Mensch nehmen sollte, ebenso. Durch den Geburtskanal, das war meiner Gesundheit geschuldet und laut Dr. Aki alternativlos. So weit so gut. Reden wir mal kurz über Hebammen. Da gibt es sicherlich den Stolz ihrer gesamten Zunft, die bei einem Sturmtief mit Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von Stufe 12 in einem kleinen Ruderboot quer über die Nordsee paddelt, um auf einer abgesoffenen Hallig, einer hilflosen Schwangeren und ihrem noch ungeborenen Leben auf dem Reetdach , direkt hinter dem Schornstein, auf die Welt zu helfen. Danach kocht sie nebenbei tonnenweise heiße Hühnerbrühe auf ihrer mobilen Handtaschenküche aus den Gebeinen selbst gesammelter Hühner, entbindet noch ein, zwei, Lämmer und rückt dem überforderten Vater mit lebensweisenden Philosophien, wie „Deine kleine Familie braucht dich jetzt!“, den Kopf zurecht. Mit einem Lächeln bezwingt sie den Sturm und paddelt über die ruhige See in die aufgehende Sonne. Zurück bleiben beseelte, dankbare Menschenmacher.

Ich hatte die andere Sorte. Die, die irgendwann feststellen, dass sie ihren Beruf, Kinder und vor allem Frauen hassen. Sie sprach mit einem harten osteuropäischen Einschlag und prophezeite mir bei meiner schmalen, gebärunfreudigen Figur als Neuling auf dem Gebärmarkt, eine mindestens zwei Tage andauernde, schmerzhafte Geburt. Schöne Aussichten, aber Hey, ich hatte eh nichts anderes vor. Sie legte mir einen Wehentropf in den tags zuvor gelegten Zugang und verschwand, über ihr Schicksal zu vieler Geburten und versauter Kreißsäle lamentierend aus dem Raum. Der Zugang war verstopft, was zur Folge hatte, dass mein Arm auf das Doppelte anschwoll und farbtechnisch eine unschöne Marmorierung annahm. Ich klingelte mehrfach und schon nach einer halben Stunde , schleppte sich die Überlastete genervt an mein Bett. Ich zeigte auf meinen Arm und sie schaute mich enttäuscht an, als hätte ich diese zusätzliche Arbeit mit voller Absicht fabriziert. Seufzend setzte sie die Kanüle an, um einen neuen Zugang zu stechen. Linker Oberarm. Failed. Linker Handrücken. Failed. Rechter Oberarm. Failed. Sie fluchte und schwitzte. Als sie nach meiner rechten Hand griff, entzog ich ihr diese und forderte sehr bestimmt:“Sie rufen jetzt sofort einen Arzt, der mir den Zugang legt.“ „Noh, wird där Doktor beese, wenn ich äs nicht sälbst verrrsuch.“ Ich verschränkte die Arme hinter meinem Rücken. „Sie haben keine Vorstellung WIE BEESE ich werde, wenn sie mir hier die letzte Vene auch noch zerstechen! Den Arzt. Jetzt!“  Dr. Aki schaute sich meine zermarterten Gliedmaßen an, seufzte und raunzte in Richtung Schwester Domina im steifen Kittel. „Sie wissen, dass die Patientin unbedingt mit dem Tropf laufen muss?! Wie soll das funktionieren, wenn der Zugang im Fuß liegt?“ Eine rhetorische Frage. Er rettete den Zugang in die rechte Hand, zerstach die Fruchtblase, verließ den Raum mit einem „Bei 12 cm Muttermund rufen sie mich an!“. Da ich es nicht verstand, war es wohl eine Info für Schwester Marter. Vier Stunden später hauten mir die Wehen die Füße unterm Hintern weg. Trotz Nachfrage, ob sie mal nachschauen könnte um den unerklärlichen Druck auf meinen Darm abzuklären, schickte sie mich auf das WC. Ohne den besten Kerl wäre ich da wohl ohnmächtig geworden und würde dort heute noch liegen. Zurück von der Toilette, verlangte er nun sehr vehement nach einer Untersuchung. Sie wiegelte ab und schob mir einen grünen Hüpfball unter den bebenden Podex. Ich sprang entsetzt auf, weil ein unerträglicher Schmerz mich bis ins Mark traf. Verächtlich zog sie sich ein paar Einmalhandschuhe über, schubste mich auf das Bett:“Noh, dann schau ich äbben, wenn sie sich so anstellen.“ Sie schaute sich die Situation ein paar Sekunden an. Dann kam Bewegung in Sister Pain. Sie zog sich ein Ganzkörperkondom über, telefonierte mit der einen Hand, mit der anderen drückte sie mich auf das Bett.“Nicht pressen!“ herrschte sie mich an. Okay? Aber war ich denn nicht genau dafür hier? Der beste Kerl wurde blass. „Was passiert jetzt?“ „Noh, Kind kommt!“ „Jetzt??!!!!!!“ „Noh, ist schon Köpfchen da!“ Na toll, mein Kind wäre fast auf dem WC der Station geboren worden, hat dann einen grünen Ball ins Gesicht bekommen und ich war wegen dieser Gymnastikeinlage mal eben komplett gerissen. Vielleicht ist es im Nachhinein gar nicht so verwunderlich, dass er Fußballer und Weder Bremen Fan geworden ist? Mit der letzten Presswehe, enterte Dr. Aki den Raum, Schwester S. bekam eine Ansage, was an 12 cm und anrufen, nicht zu verstehen war?!, der immer noch blasse Kerl eine Nabelschnur zum trennen und ich eine Narkose, um mich untenrum neu zu verkabeln. Der beste Kerl bekam den besten Sohn zur Versorgung in die Hände gedrückt. Schlaues Kind, sobald die Hebamme des Grauens nach ihm griff, brüllte er wie am Spieß bis sein Papa ihn wieder nahm. Zufriedenes Schweigen.  Ich liebte diese beiden Kerle. Und ja , ich stand unter Narkose, Oxytocin, Adrenalin und, und, und, aber diese Haltung hielt an, mittlerweile unfassbare 17 Jahre.

Nachtrag: Keine Angst, das besagte Krankenhaus in dessen Belegbetten ich gelandet bin, hat seine Gynäkologie dankenswerter Weise geschlossen. Dr. Aki ist zurück an die Uniklinik, direkt nach meiner Entbindung. Aber das war nicht meine Schuld. Ehrlich.


Ich bin heissssssss“

Eigentlich wollte ich ja meine „Unter Geiern“, falsch, „Unter Müttern“-Kleinserie fortführen, aber ich denke, da Pause gerade ein Thema in meinem Leben ist, unterbreche ich die Serie bevor sie überhaupt begonnen hat. Nur eine Pause, versprochen. Ich bin ja, für die die mich nicht kennen, das was im Pott auch gerne als „heißer Feger“ tituliert wird. Bevor jetzt entschiedener Widerspruch aus der Ecke der Menschen kommt, die mich kennen- Stopp! Macht mal kurz Pause, atmet und lest weiter.  Seit ein paar Wochen habe ich nachts regelmäßige Effekte. Wäre ich eine Friteuse, hieß es wohl Defekte. Aus welchen Gründen auch immer, erwache ich regelmäßig aus dem Schlaf und bemerke ein dringendes Bedürfnis. Also nicht dieses „Granufinkfemina Ding“. Es ist Durst. Dürstender dramatischer Durst. Gut, ich bin ein schlechter Trinker. Hört sich blöd an, gibt es gute Trinker? Also, ich meinte damit, dass meine Flüssigkeitsaufnahme über den Tag verteilt, sehr zu wünschen übrig lässt. Mag daran liegen, dass ich als Getränk fast ausschließlich Kaffee zu mir nehme. Ich kann und mag, mir eine Welt ohne Kaffee nicht einmal theoretisch vorstellen. Wasser als Durstlöscher, kommt nur als Geschmacksträger für den schwarzen, dampfenden, frisch gemahlenen Sud, durch meinen ausgedörrten Hals. Ich erwache also irgendwann gegen halb zwei Uhr nachts mit Brand wie eine Herde Bergziegen. Eine dröge, pelzige Zunge, die den gesamten Mund ausfüllt und sich am Gaumen des Oberkiefers fest gesuckelt hat. Die nächste unangenehme Wahrnehmung betrifft meinen alternden, auseinander fallenden Körper. Ich registriere mit dieser nervenden, dicken, klebenden Zunge, dass ich ganzkörpertechnisch, glühe. Ach was glühe. Lächerlich. Ich brenne! Lichterloh. Instinktiv werfe ich dampfend, sämtliche Zudeckmöglichkeiten von mir und versuche das Feuer  nicht durch hektische Bewegungen noch mehr anzufeuern. Mir fällt auch die naheliegenste Erklärung für dieses Phänomen ein. Seien wir mal ehrlich. Ich bin 50. Der Lack ist ab. Die ersten, einzelnen, grau-silbrigen Strähnen, verstecken sich (noch) gut, aber sichtbar im Restblond, das aber auch irgendwie eine trockenere Haptik entwickelt hat in der  letzten Zeit. Die ersten Fältchen sind mittlerweile Falten und glätten sich nicht mehr vollständig durch Dusche und Co. Zum Lesen, ist das erste technische Hilfsmittel in Form einer Brille, auf dem sicheren Weg zur Pflegestufe, als Buchstabierhilfe eingezogen. Summa summarum, lässt all dies nur einen möglichen Rückschluss zu. Ich neige zur spontanen Selbstentzündung! Ein weitgehend unbekanntes und unerforschtes Leiden, das jedoch über hochgeheime, ganz seriöse Studien der Parawissenschaften esoterisch belegt ist.  Gefahr erkannt, Gefahr gebannt! Ich schlafe nun unter einer asbesthaltigen Löschdecke. Neben mir , griffbereit ein Schaumfeuerlöscher. Schaum aufgrund der gefährlichen Explosionsgefahr, sollte  man einfach unbedacht Wasser auf die brennende Blondine kippen , zwecks Abkühlung der atomaren Kernaggregate. Dies hätte als Reaktionskette, unweigerlich eine Verpuffung der nicht vorhandenen Impulskontrolle zur Folge mit unabschätzbaren Schäden für die Umwelt. Man bedenke: Meine persönliche Gefahrgutdeklaration fällt unter „hochexplosiv“ . Heißt,Orange, X423, selbst entzündbarer fester Stoff, der mit Wasser gefährlich reagiert und entzündbare Gase bildet. Daher ist allerhöchste Vorsicht geboten. Die selbstentzündlichen Prozesse, wiederholen sich im zweistündigen Rhythmus. Bedeutet für Betroffene, also mich: Alle zwei Stunden den alternden, glitschigen, innerlich verkohlten Kadaver aus den Federn hieven, die Treppe herunter schleppen, einen Liter gefärbtes Wasser exen, um nach der Glühwürmchennummer irgendwie wieder  abzukühlen und danach ächzend ins Bett zu fallen. Mittlerweile stehen nicht einmal mehr die Katerkinder mit auf, wenn Mama ihr Hexenselbstverbrennungsritual zelebriert. Ähnliche Symptome hatte ich schon einmal vor ca. sechs Jahren. Damals konnte ich mühelos acht Stockwerke hochlaufen, ohne aus der Puste zu kommen. Beängstigender Weise bekam ich jedoch aus einer völligen Ruhesituation, beispielsweise bei einem Kundengespräch am Telefon, Schnappatmung und Herz rasen. Gleichzeitig konnte ich mit meinen nächtlichen HitzeSchwitzeattacken, nicht nur meine Drosselgrube ( Jugulum- Furche zwischen den beiden Schlüsselbeinen ) zu einer Vogeltränke umfunktionieren, sondern auch ohne Mühe das gemeinsame Bett fluten. Ich zog dem besten Kerl vorm  zu Bett gehen immer vorsorglich seine Schwimmflügelchen an, damit er nicht Gefahr liefe nächtens, im Bett zu ertrinken. Diese Gefahr bedrohte meine Schlafbarbie extrem, fiel er doch, sobald er in die Horizontale gelegt wurde in einen unerschütterlichen Tiefschlaf. Gut das war wohl werkstechnisch so vorgesehen, zumindest bei dem mir beiliegenden Prototyp.  Besondere Gefahr ging dabei von seiner bevorzugten Schlafposition aus. Gerne, wie aufgebahrt, auf dem Rücken, mit leicht geöffnetem Mund. Als wenn der Schlaf an meiner Seite , nicht schon genug Gefahren beinhalteten würde, suchte der Kerl das volle Risiko und versuchte jede Nacht verzweifelt, nicht an seiner eigenen Spucke zu ertrinken. Und das neben mir, dem menschgewordenen Schweiß -und Flammen werfenden Springbrunnen. Wenn der Ernstfall eintrat, löste ich ein Signal aus einem Nebelhorn aus, das den Soundtrack zu „Das Boot !Achtung wir tauchen!“ anspielte, gefolgt von der automatischen Durchsage aus dem Bordlautsprecher: „Bitte bewahren sie absolute Ruhe. Wir haben eine brennende Eisblondine gestreift. Befolgen Sie strikt die Anweisung des Bordpersonals und warten auf ihren Plätzen bis die Sauerstoffmasken von der Decke fallen.“ Mal ehrlich, in diesem Zusammenhang bekommt die fast erstaunte, mit leichtem Ekel getätigte Aussage des Partners:“ Boah, bist du heiß! Und feucht!“, eine ganz neue Bedeutung. Als ich im Laufe eines halben Jahres nun auch noch mit dieser völlig aus dem Kontext gerissenen Atemlosigkeit und rasendem Herz zu kämpfen hatte, ging ich gegen meine Gewohnheit zu  großen Check Up. Sämtliche Werte wurden genommen, ein Kardiogramm erstellt, abgehört, meine sämtlichen Impftiter bestimmt und ein Gesprächstermin vereinbart. Ein Tag vor dem Gespräch, hatte ich die Praxis, genauer gesagt, eine Frau Dr. T. am Telefon. „Ja. Hallo Frau Hillebrand? Ich habe hier ihre Werte. Also alles soweit okay. Ein, zwei Impfungen müssten aufgefrischt werden und den Rest bekommen wir mit ein bisschen Diät wieder ins Lot.“ Sie schwieg fröhlich strahlend durch den Hörer. Ich atmete tief ein und fragte sie:“Wir kennen uns nicht?“ „Nein, wieso?“ „Nur so. Vielleicht warten wir unseren morgigen Termin ab, bevor wir Telefondiagnosen stellen?“ Am nächsten Tag wurde ich schon relativ terminnah ins Behandlungszimmer gerufen. Sie las intensiv in meinen Ergebnissen, schaute während sie mir mit einem Wink den Stuhl anbot, nicht auf. „So….. Frau Hillebrand…….. Wir hatten ja gestern schon telefoniert.“ Sie blickte mich an, stockte, musterte mich einmal von oben bis unten. „Okay, das mit der Diät vergessen wir erst mal.“ Ich musste grinsen. Sie war wirklich kein sympathischer Mensch und gestand mir zudem, dass sie Menschen und den Kontakt zu ihnen, einfach nur als anstrengend empfand. Überrascht von diesem surrealen Geständnis, fiel mir nichts Besseres ein, als „Tja, Augen auf, bei der Berufswahl.“ zu erwidern. Immerhin war sie sehr gründlich. Sie suchte weiter nach der Ursache für meine innere heiße , überschäumende Quelle. Meine Selbstdiagnose, dass es sicher die Wechseljahre seien, verneinte sie entschieden. Ich war enttäuscht. Wenn es nach mir ginge, hätte ich direkt nach der ersten Menstruation in die Menopause gehen können. Braucht kein Mensch, eine AggroBlondine mit PMS vom Feinsten , Rückenschmerzen und Wassereinlagerungen an Stellen, die dem anderen Geschlecht entgegen schreien, „Hallo, ich habe Brüste!“. Echt was soll das??? Möpse wie Schneeflittchen und eine Laune , wie die 13. Fee bei Rondöschen. Also keine Pause. Menno. Damals war es eine Schilddrüsenunterfunktion mit Zyste, die unter Tabletten gestellt wurde und Beobachtung stehen sollte. Vielleicht sollte ich das doch mal wieder abklären lassen, ist schon ein Weilchen her….Obwohl, wenn ich so darüber nachdenke, vielleicht ist es diesmal die Menopause. Die Zeichen mehren sich. Also icke froi ma druff. Ansonsten bleibe ich eben bei der spontanen Selbstentzündung als einzig mögliche Antwort auf meine Beschwerden. Nicht schön, aber selten.

 


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Ein Rummelschubser vs. Glioblastom et alia

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Irrelevanzen aus Münster.

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