„Nulpen in Amsterdam“

Das verlängerte Wochenende zum 1 Mai, waren meine liebsten Hühner und ich zu unserer jährlichen Mädelstour in Amsterdam. Nun gäbe es viel zu berichten, aber eine eiserne Regel unserer kleinen verschworenen, in tiefer Freundschaft verbundenen Gruppe, heißt:“ Was in ….. passiert, bleibt in….“. Heißt in diesem Fall, in Amsterdam. Aber ich möchte an dieser Stelle, ein paar gut gemeinte Reisetipps für alle Amsterdamreisende los werden. In sämtlichen Reiseführern und Büros wird sicherlich gerne auf all die wunderbaren Eigenschaften, Hot Spots, geschichtlichen und baulichen Besonderheiten dieser Stadt hingewiesen. Daher spare ich mir den ganzen Sermon, ich konzentriere mich auf zwei andere Absurditäten in der Hoffnung dem Einen oder Anderen das Leben zu retten. Naja, damit man wenigstens ein bisschen vorbereiteter dem Tod ins Auge sehen kann als wir es taten.

Man kann als Landhuhn schnell den Eindruck gewinnen, das ganz Amsterdam eine kultige Kneipe oder exotisches Restaurant oder eine harzige Quarzbude und ,oder alles drei in Einem sei. Man stolpert also staunend und raunend von einer Lokalität zur Nächsten. Da man schlecht als reiner, nicht konsumierender Gaffer, die teils winzigen Wohnzimmerpubs mit begrenzten Plätzen, füllen konnte, waren wir schon aus Höflichkeit bereit, uns durch das Hopfensortiment zu probieren.  Nun was mutig oben in den Einfüllstutzen gefüllt wurde, musste zwangsläufig nach kurzem Aufenthalt im Durchlauferhitzer, gefiltert wieder in die Wildnis entlassen werden, da kann man noch so gut erzogen sein. Kurz: Watt mutt, datt mutt. Das Ding mit der Blase und damit auch zwangsläufig den jeweiligen WCs, zog sich wie ein gelber Faden durch unser Wochenende. Kurz gesagt- Eine musste immer und das wurde auch nicht wirklich besser, wenn man zum Wasser lassen immer ein neues Glasbiergeschäft aufsucht und während einer ablässt, der Rest beherzt auffüllt. Dabei muss man anerkennend sagen, dass Amsterdamer Wirte, auf eine natürliche Grenze des Trunkenheitsgrades bei ihren Gästen Wert legen. Damit Niemand aus Versehen diese rote Linie unbemerkt überschreitet und am Ende das schmucke Städtchen vollspuckt, verlegt das kluge Völkchen seine stillen Örtchen gerne mal an ungewöhnliche Örtlichkeiten. Oft versteckt und wenig ausgeschildert in den Keller oder auf den Dachboden. Beleuchtung ist zumindest für den Zugang wirklich überbewertet und wer will schon sehenden Auges in die Katastrophe wandeln? Das stockdustere Kellerklo mit 50er Jahre Charme, erreicht man nur über eine Feuerwehrrutschstange oder einen gegrätschten Flickflack mit doppeltem Lutz mit elegantem Schlusssprung. Die Dachlatrine gerne über eine marode Hühnerstiege, die sich malerisch in einem 65 Gradwinkel über 176 Stufen an der Außenseite des Dachfirst entlang meandert. Menschen, denen schon speiübel wird, wenn sie ihrem Kind beim Kreise drehen auf dem Polizeimotorrad des Kinderkarussell nur zuschauen, müssen sich nach den engen Kurvenstiegen sicherlich entscheiden, welche Körperöffnung zuerst ihr Recht nach spontaner Leerung erhalten sollte. Selbstredend hat die eine oder andere Kneipe zwischen Vierdreiviertel und acht Scillionen Sitzplätze, aber alle haben immer nur ein Klöchen für alle Popöchen. Manchmal abschließbar, manchmal mit direkten Blick auf die Vorratskammer, manchmal mit Papier, manchmal mit Seife, manchmal mit Handtuch, manchmal mit laufendem Wasser, manchmal mit Allem oder Nichts. Aber immer so kompakt, dass man nur mit absoluter Mühe und Konzentration plus zwei Aussenspiegeln, rückwärts einparken muss und einen Flaschenzug braucht, um die Örtlichkeit wieder zu verlassen. Bauen die in Holland Konzentratklos? Platzsparend?- Ja. Ein Markt für die Zukunft?- Eher Nee.

Kurz etwas in eigener Sache: Lieber Wirt der netten Bar im Gayviertel. Es ist nicht sexy, wenn man eine Toilette in der Größe eines Bundeswehrspintes mattschwarz streicht und sowohl die Seitenwände als auch die Stirnseite mit Spiegelfliesen beklebt. Ich habe mich zu Tode erschrocken als ich nach erfolgter Verrichtung von meinen Zehenspitzen aufblickte und mich nach rechts wand, weil dort das Untenrumreinigungsutensil hing. Ich starrte überraschend auf eine Blondine, die direkt neben mir saß und spiegelverkehrt jede meiner Bewegungen nachahmte. Ich wäre fast von der Schüssel gestürzt vor Schreck. Im Hochspringen blickte ich nach vorne und erstarrte, weil die Perle nun wie durch Zauberhand vis a` vis mit herunter gelassener Buchse vor mir stand und mich mit grenzdebilen Gesicht und offenen Mund anglotzte. Wenn ich noch mehr bar im Schädel gehabt hätte, hätte ich vermutlich nie geschnallt, dass ich mich ungewollt in einem Spiegelkabinett beim Pinkeln beobachtet hatte. Mal ehrlich. So was will doch keiner sehen!

Um von einem WC zum Anderen zu gelangen, brauchte es die Überquerung vieler Grachten und Brücken, überraschendes Stoppen auf den denkbar ungeeignetsten Engpässen, queren lebensgefährlicher Straßen an dafür unmöglichen Stellen, wie etwa Ampeln oder Zebrastreifen. Jepp! Richtig gelesen. Die Befolgung von Lichtsignalen ist in Amsterdam optional. Vermutlich erkennst du die deutschen Touris am penetranten Festhalten von einmal gelernten, Sicherheit vorgaukelnden Verkehrsregeln. Albern. Der gefährlichste Verkehrsteilnehmer und natürliche Feind der gemeinen Touriblondine in Amsterdam fährt übrigens weder Auto, Bus, Straßenbahn, Moped oder Boot. Er fährt ein scheinbar harmlos, ein altes, verranztes, schwarzes Hollandrad mit ca. 65 Stundenkilometern über holperndes Kopfsteinpflaster, durch die engen, malerischen Grachtengassen in denen man an alles gedacht hat. Fast an Alles. Nur nicht an Fußgänger. Der Übergang von Fuß zu Fietspfad ist fließend, meist nicht gekennzeichnet und dem gemeinen Radfahrer auch Humpe. Er trägt keinen Helm, keine Skrupel, keine Bremse und rast mit fliegen Rockschößen in kreischende Menschenansammlungen. Dabei benutzt er ein als Körbchen getarnten Rammbock, der fest mit der Lenkstange verbaut  ist und eine Mörderbimmel am Lenker. Wenn es Hinter, Neben, Ober oder Unter dir schrillt: SPRING! In welche Richtung? Keine Ahnung. Aber viel Glück! Wenn du Pech hast, rammt dich so ein fieser Fietselenker mit seinem Drahtesel, schleudert dich dabei senkrecht so geschickt hoch in die Luft, dass du rücklings wie ein Käfer in der eigens dafür vorgesehenen, flachen Kiste am Lenker landest. Unvermittelt zieht er noch einmal mit der Speed an, bremst so hart und abrupt vor einer der unvermeidlichen Grachten, dass sich dein zappelnder Kadaver im hohen Bogen vom Drahtesel trennt und versenkt dich mit einem Platschen zwischen Dreck und Hausbooten. Mal ehrlich, Hauptstadt der harzenden Friedenspfeife- Entspannt ist anders. Aber wahrscheinlich sind das gar keine Eingeborenen, sondern irgendwelche zugezogenen Bildungsflüchtlinge aus Deutschland, die aus Mangel an Intelligenz flüchteten und  nun im toleranten Holland auf Inklusion hoffen.Wer keine Ahnung hat, wie er sich das Prinzip der klassischen Konditionierung merken soll, dem empfehle ich einen Kurztrip nach Amsterdam. Ich habe ein seit diesem Wochenende ein Trauma. Wenn es irgendwo BrimmBrimmvanBimmleren“ macht, bekomme ich Herzrasen, springe, aus dem Stand, zwei Meter hoch, mit Schnappatmung und schrillem Entsetzensgeschrei dem Nächstbesten in die Arme. In meinem nächsten Leben, werde ich auch Fahrradterrorist. Oder Miniaturtoilettendesigner.

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