„Die göttlichen Gebärenden“

Mag sich jetzt wie „Nestbeschmutzung“ anlesen, ist es vermutlich auch. Aber wenn ich noch einmal in einem sozialen Netzwerk lesen muss, dass sich angeblich 99,98765 Prozent irgendwelcher Freunde sicher nicht trauen würden irgendeinen Schwachsinnsstatus zu teilen, der mit „Ich habe ein Kind unter Schmerzen geboren….“, eröffnet, kotze ich in Regenbogenfarben. Echt! Ist die Geburt das Einzige, was man als Lebensleistung erbracht haben muss? Ein bisschen wenig fürchte ich, meine Damen. Nach dieser Logik wären Hühnern in der Eiproduktion, Milchkühe oder jedes andere mehrfach gebärende Lebewesen, die wahren Helden. Zudem lege ich Wert darauf, entweder ob meiner kauzigen Art und obwohl ich einen eigenen Standpunkt habe, gemocht zu werde, wenn nicht, ist mir das ziemlich Schnuppe. Klar, ist es eine erstaunliche Geschichte diese Evolution, die uns und jede andere Spezies hervor gebracht hat. Klar, ist es eine erstaunliche Sache, dass aus der Verschmelzung zweier Zellen ein eigenständiger, lebensfähiger Zellhaufen entstehen kann. Klar, ist in vielen Fällen eine Schwangerschaft und die daraus häufig folgende Geburt mit unangenehmen und schmerzhaften Begleitumständen verbunden. Aber die Empfängnis eines Kindes hat wenig Heroisches und schon mal gar nichts Göttliches. Und ja, auch Männer würden eine Geburt überleben. Weiter Atmen, Mädels! Das ist keine Behauptung, um sich dem männlichen Teil der Bevölkerung anzubiedern. Das ist ganz einfach Fakt. Da können wir es „Ihm“ auch noch so oft absprechen, seine Neigung zum tödlichen Männerschnupfen milde belächeln, sein Ausleben von Haarwurzelkatarrh und Rinnenlauf zwischen Klo und Kühlschrank nach unverschuldeten Abstürzen in C2H5OH als unerträglichen Rückfall in die frühkindliche Bläh- und Krähphase, empfinden. Unser kleiner Prinz von und zu Pein, kann in der realen Welt ein viel höheres Schmerzpotentiel ertragen als unser Einer. Das ist auch sehr sinnvoll, wäre er wegen eines eingetretenen Dorns, einem Splitter im Daumen vor Schmerzen umgefallen oder schlimmer, an den Folgen eines eingerissenen, künstlichen Nagels jammernd verstorben, wären wir wohl in der Höhle verhungert. Oder hätten selber gejagt. Unter der Geburt mutieren wir tatsächlich zu einer Art „Supermann“ , was unsere hormonelle Zusammensetzung und unter anderem auch das Aushalten von Schmerz beeinflusst. Diese männliche Komponente, erklärt auch, warum wir in der Sekunde in der wir unseren fleischgewordenen Prototyp auf die Welt gepresst haben, alles Unangenehme um dieses Ereignis, gerade die Intensität des Schmerz, schlichtweg vergessen. Der hoffentlich beglückende Anblick der eigenen Brut, ist vergleichbar mit dem „Blitzdingsding“ der „Men in Black“. Ein Blitz, ähm Blick und Alles gelöscht. Perfekte Lösung der Natur, ansonsten gäbe es nur Einzelkinder auf der Welt. Keine einigermaßen intelligente Frau, würde diesen teils entwürdigenden, teils verstörenden Akt , wissenden und sehenden Auges freiwillig wiederholen wollen. Wer bei Schwangerschaft und Geburt an verquere Gelüste auf merkwürdige Speisenkombinationen, gut gestylte, werdende Stilikonen, die in Hipsterberufen erfolgreich von Brunch zu Vernissage stöckeln und für jede Lösung ein weiteres tiefsinniges Problem zerreden, ihre Geburtserfahrung mit heißem Wasser und Zeitungen oder waren es Decken? auf dem Rücksitz eines Taxis erledigen, ohne Dieses zu beschmutzen!, schaut definitiv zu viele amerikanische ZuckerwattenLebenisteinekleineFarmSoapmovies. Da blendet die Kamera beim offenbar immer unpassendem, unfassbar slapsticklustigen Platzen der Fruchtblase auf und beim ersten Wehengebrüll aus. Schnitt! Und da liegt Sie. Wie hingegossen, im milden Licht, bleich und schön, in weißen Linnen, mit einem Teint wie Samt und Seide. Schon schwebt eine Modellhebamme herbei und legt ihr ein in weiche Tücher gewickeltes Etwas  in die erwartungsvollen Hände. Auch der überirdisch schönen Hebamme , sieht man die Anstrengung der 24 Stundengeburt lediglich an einer vorwitzigen Haarsträhne, die sich aus ihrer perfekten Frisur gelöst hat, an. „La belle Mama noveau, hält dieses puppenähnliche, lockige Bilderbuchblag im Arm. Der gewordene Vater lächelt grenzdebil sein doppeltes Glück in die Kamera. Klappe. Fahrstuhlmusik. Abspann. Szene im Kasten. BULLSHIT! Eine echte Geburt hinterlässt einen Kreißsaal, der aussieht, als wäre dort „Miss Piggy in the Slaughterhouse“ gedreht worden. Ein Drehort, bei dem selbst einem Splatterfilmrequisiteur  das Kunstblut aus gegangen wäre. Als Genre wohl eher „Baby CIS“ als „Barbies in the City“. Ach ja, was den Anblick des kleinen Menschlein angeht. Dieses winzige Nülli Klitzeklein, kommt verschrumpelt, voller Käseschmiere, bläulich, rötlich, manchmal verpickelt, manchmal mit einem Schädel, der mit allen zur Verfügung stehenden Gerätschaften der mittelalterlichen Geburtsmedizin wie Zange, Saugglocke und der ungebremsten Kraft von zwei Oberarmen einer Hebamme, die in ihrer Freizeit Schiffsschaukelschubbser und Schlammcatcherin ist, zu einem Conehead verformt wurde und gerne zornig brüllend, auf diese manchmal wunderbare Welt. Ein Bild, das jeden unbeteiligten Beobachter zumindest leichtes Entsetzen ins Gesicht treiben würde. Nicht so die sich gerade noch unter hämmernden Wehen windende, manchmal stöhnende, manchmal schreiende, manchmal winselnde, manchmal den Miterzeuger der Frucht ihrer Lenden mit todbringenden Flüchen belegende, frisch gepresste Maman. Sie hat den Schmerz, die letzten Stunden und ihren Namen vergessen. Sie schaut erstaunt in die verknautschte kleine Rattenschnute und strahlt. Kein Wunder. Reine Chemie. Sie steht unter dem Einfluss von Oxytocin. Ein Hormon, welches erst den Uterus zum Beben und dann das Herz zum Überlaufen bringt, meist für die nächsten Jahre. Zum absoluten Glück der kleinen Zwerge, sie würden sonst das erste Lebensjahr vermutlich nur selten lebend erreichen.  Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ich jedes Lebewesen auf der Welt foltern und töten würde, das sich wagt, mich über zwei Jahre bis zu viermal in der Nacht aus dem Schlaf zu reißen. I SWEAR! Ich war in diesen besagten zwei Jahren so unfassbar müde, dass ich einen 5er BMW in die Form eines Beetle gefahren habe. Wenn ich im Rückspiegel eine Hindernis entdeckte, dachte ich :“Ohhhhhhhh,einnnnneeeee Maaauuuerrrrr….bremmmmsss… „. Und das Nächste, was ich dunkel wahrnahm, war oft das dumpfe, metallisch quietschende, krachende Geräusch von Blech, welches sich  langsam aber stetig in eine steinerne Mauer frisst, um nach kurzer Überlegung dem Druck nach zu geben und in einer völlig neuen Form aufzugehen. Bis die Info „Bremsen!“ sich durch die Watte in meinem Kopf zu meinen Extremitäten laviert hatte, klingelte bei meinem Lieblingsschrauber schon wieder die Kasse. Wäre ich in dieser Zeit gestolpert, wäre ich einfach im Tiefschlaf auf dem Bürgersteig liegen geblieben. Irgendwie, wie dauerbekifft, nur ohne Lachflash- obwohl… Aber ich war dem Zwerg nicht einmal böse, zum meinem und dem absoluten Erstaunen des Restes der Welt, zeigte sich eine bis dato unbekannte Seite an mir. Geduld. Verrückt.

Als Schwangere war ich dagegen voll die Aggrobraut. Ich musste erst mal eine eigene Meinung zu dem Thema „Mutter -und Kindwerdung“ finden. Das ging nicht so Ratzfatz, ich musste da schon mal ein bisschen drüber nachdenken. So ein, zwei, drei, vier, fünf Monate. Jahaaaaaa. Natürlich war mir klar, dass der Vorgang nicht umkehrbar ist, wollte ich auch gar nicht. Ich musste eine Einstellung zu einer Idee finden, die bisher nie eine Option war und die wohl einiges in meinem Leben verändern würde, nur dass ich Null Ahnung hatte, was zur Hölle, dass denn sein könnte. Glücklicherweise, nahm ich so wenig zu, dass Niemand Verdacht schöpfte. Einige konnten selbst nach der Geburt, mit dem lebenden Beweis im Arm , nicht glauben, dass dieses Kind selbst geklöppelt und nicht von einer Leihmutter ausgetragen wurde. Der werdende Vater und unzweifelhaft beteiligte Zuteilelieferer der zur erwartenden Sendung, erfuhr auf etwas unromantische Art von seinem außer Kontrolle geratenen Spermatozoen. Also nicht schmalzig kleine Schuhe in eine Bierflasche verpackt oder das Ultraschallrätsel auf eine Hauswand projiziert.  Auf einem Spaziergang mit unserer bezaubernden Hündin, hielt er unvermittelt an und blieb stehen. Ich marschierte eine Weile introvertiert weiter, dann blickte ich über meine Schulter fragend zurück. „Was ist eigentlich los mit dir? Du bist seit fünf Monaten nur noch schlecht drauf und motzt mit mir rum! Was habe ich getan?!!!“ Ich stutzte, riss die Augen auf, als wäre ich der böse Wolf und er „Little Red Victim““DU?! Du hast mich geschwängert du Arsch!…….. Und wag es nicht zu grinsen!!!!“. Zu spät, wenn er keine Ohren gehabt hätte, hätten sich seine Mundwinkel am Hinterkopf geküsst. Immerhin hielt er sich mit Zudringlichkeiten oder gefühlsduseligem Geschwafel in meine Richtung zurück. Dafür bin ich auch in der Retrospektive immer noch dankbar. Sonst hätte unser Kind wahrscheinlich ohne Vater aufwachsen müssen, weil ich ihn mit Haut und Haaren verschluckt und verdaut hätte. Nach dieser Eröffnung hatte ich keine Wahl mehr und musste zumindest meine Familie in Kenntnis setzen. Männer können NICHTS für sich behalten! GAR NICHTS! Während der Schwangerschaft war ich ohne Beschwerden, aber weiterhin latent explosiv. Ich arbeitete ohne Einschränkungen weiter und weigerte mich vehement gegen Geburtskerze, vorbereitende Geburtskurse, bundesweite Kreißsaalbegehungen, Gipsabdruck des wachsenden Kindercontainers, den ich vor mir herschob oder ein „Meet and Greet“ mit dem „Who is who“ der gesammelten Hebammenschaft des Kreises. Ich hatte einfach weder Zeit noch Lust, zudem erschloss sich mir die Notwendigkeit nicht wirklich. Mir reichte die engmaschige Überwachung durch Dr. Aki, ein Russe, der mit „Aki“, eine ganz persönliche Definition des „Okay“, des einstigen Klassenfeindes gefunden hatte. Er war vorher Oberarzt an der Uniklinik in Münster gewesen und ich fühlte mich von dem wortkargen Realisten sehr gut betreut. Wir waren uns einig, dass in Teilen seiner Heimat, die Frauen ihre Kinder während der Feldarbeit bei minus 40 Grad in eine Furche drückten und dabei ein furchtbar trauriges russisches Lied über die Wolga sangen, die Nabelschnur durchbissen und weiter den Pflug zu Schwerterscharen schmiedete. Nach einem dieser „Wir finden die Gorilla im Nebel“ Ultraschallsuchbildertermine, und seiner beruhigenden Aussage, dass er soweit alles „AKI“ fand, schneite ich noch eben in den Kaufmannsladen, um ein paar Einkäufe zu tätigen. Ich stand an der Fleischtheke, um dem besten Kerl irgendein Stück blutige Lebenskraft zu erwerben. Verzweifelt studierte ich die Auslage an totem Tier, als ich den Atem eines fremden Menschen an meinem Ohr spürte. Gleich danach auch den Körper einer älteren Dame, die sich an mich heran gekuschelt hatte. Ich wich ihr aus und rutschte eine Fleischreihe weiter, in der Annahme, dass sie so besser auf die feilgebotenen Waren blicken konnte. Zu meiner Überraschung und meinem absoluten Unbehagen, rutschte das kleine Ömchen einfach nach. Wieder spürte ich ihren Arm auf meinem lasten und roch ihr blumiges Eau de Klo. Etwas ruppiger entzog ich ihr meinen Arm und tat einen deutlichen Schwenk auf die andere Seite der Theke. Ich atmete befreit auf. Ich hasse es, wenn mir fremde Menschen ungefragt auf die Pelle rücken, da kriege ich Plaque. Trotz Progesteron, das angeblich ja für gute Laune sorgt. War wohl bei mir kaputt, diese „Happy“Funktion. Sorry, für Diejenigen, die mir in dieser Zeit quer gekommen sind. War sicherlich so gemeint, aber vermutlich etwas rüde formuliert. Zurück im Rewe. Ich konzentrierte mich wieder auf die Mission mit der ich den Laden betreten hatte. Suchend irrte mein Blick wieder in die blassrosa Schweinereien. Der nach Pfefferminzzahnpasta und Gebissspeichel riechende Atem des Todes, streifte mich erneut. Da war sie schon wieder. Ich bekam Puls. Die alte Dame war mir unauffällig gefolgt und hakte schon wieder oberhalb meiner linken Hüfte ein. Böse schaute ich ihr direkt ins Gesicht. Ich schaute an mir herunter und zeigte auf meine Mitte, dann empört auf die kleine Klette. „Können sie BITTE aufhören in mich rein zu kriechen?!!! Das geht nicht! Da ist schon besetzt!“ Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte ich auf dem Absatz um und verließ wutschnaubend den Laden. Ich brauchte Luft. Ich denke das alte Muttchen ahnte nicht einmal, wie kurz sie davor gewesen war ins ewige Licht zu gehen und sich den berechtigten Fragen des empörten Schweines zu stellen, das sie so eben als Koteletts in ihrer Einkaufstüte nach Hause trug. Was soll ich sagen, ich hatte eine vermutlich perfekte Schwangerschaft, ohne Probleme, ohne Wassereinlagerungen, ohne  tonnenartige Gewichtszunahme, Pickel, Übelkeit, Kreislauf oder was auch immer einem an Unannehmlichkeiten widerfahren kann. Selbst am Schlafen in Bauchlage, habe ich bis zum Schluss festgehalten. Alles chic. Danke mein Sohn. Gut, es gab eine Zeit, da bin ich während eines Spazierganges öfter in die Büsche zum Pinkeln gerannt als mein Hund, aber das war eigentlich immer lustig. Vor allem die Verzweiflung eines Mannes, der die zunehmende Inkontinenz seiner aggressiven Tonnenelfe mit wachsender Sorge um den ausleiernden Beckenboden als möglichen drohenden Ausblick auf eine hoffentlich noch ferne Zukunft mit seiner einstmals intakten Liebsten erahnte.

Tag der Geburt. War aus verschiedenen Gründen festgelegt und der Weg den der noch undefinierte Mensch nehmen sollte, ebenso. Durch den Geburtskanal, das war meiner Gesundheit geschuldet und laut Dr. Aki alternativlos. So weit so gut. Reden wir mal kurz über Hebammen. Da gibt es sicherlich den Stolz ihrer gesamten Zunft, die bei einem Sturmtief mit Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von Stufe 12 in einem kleinen Ruderboot quer über die Nordsee paddelt, um auf einer abgesoffenen Hallig, einer hilflosen Schwangeren und ihrem noch ungeborenen Leben auf dem Reetdach , direkt hinter dem Schornstein, auf die Welt zu helfen. Danach kocht sie nebenbei tonnenweise heiße Hühnerbrühe auf ihrer mobilen Handtaschenküche aus den Gebeinen selbst gesammelter Hühner, entbindet noch ein, zwei, Lämmer und rückt dem überforderten Vater mit lebensweisenden Philosophien, wie „Deine kleine Familie braucht dich jetzt!“, den Kopf zurecht. Mit einem Lächeln bezwingt sie den Sturm und paddelt über die ruhige See in die aufgehende Sonne. Zurück bleiben beseelte, dankbare Menschenmacher.

Ich hatte die andere Sorte. Die, die irgendwann feststellen, dass sie ihren Beruf, Kinder und vor allem Frauen hassen. Sie sprach mit einem harten osteuropäischen Einschlag und prophezeite mir bei meiner schmalen, gebärunfreudigen Figur als Neuling auf dem Gebärmarkt, eine mindestens zwei Tage andauernde, schmerzhafte Geburt. Schöne Aussichten, aber Hey, ich hatte eh nichts anderes vor. Sie legte mir einen Wehentropf in den tags zuvor gelegten Zugang und verschwand, über ihr Schicksal zu vieler Geburten und versauter Kreißsäle lamentierend aus dem Raum. Der Zugang war verstopft, was zur Folge hatte, dass mein Arm auf das Doppelte anschwoll und farbtechnisch eine unschöne Marmorierung annahm. Ich klingelte mehrfach und schon nach einer halben Stunde , schleppte sich die Überlastete genervt an mein Bett. Ich zeigte auf meinen Arm und sie schaute mich enttäuscht an, als hätte ich diese zusätzliche Arbeit mit voller Absicht fabriziert. Seufzend setzte sie die Kanüle an, um einen neuen Zugang zu stechen. Linker Oberarm. Failed. Linker Handrücken. Failed. Rechter Oberarm. Failed. Sie fluchte und schwitzte. Als sie nach meiner rechten Hand griff, entzog ich ihr diese und forderte sehr bestimmt:“Sie rufen jetzt sofort einen Arzt, der mir den Zugang legt.“ „Noh, wird där Doktor beese, wenn ich äs nicht sälbst verrrsuch.“ Ich verschränkte die Arme hinter meinem Rücken. „Sie haben keine Vorstellung WIE BEESE ich werde, wenn sie mir hier die letzte Vene auch noch zerstechen! Den Arzt. Jetzt!“  Dr. Aki schaute sich meine zermarterten Gliedmaßen an, seufzte und raunzte in Richtung Schwester Domina im steifen Kittel. „Sie wissen, dass die Patientin unbedingt mit dem Tropf laufen muss?! Wie soll das funktionieren, wenn der Zugang im Fuß liegt?“ Eine rhetorische Frage. Er rettete den Zugang in die rechte Hand, zerstach die Fruchtblase, verließ den Raum mit einem „Bei 12 cm Muttermund rufen sie mich an!“. Da ich es nicht verstand, war es wohl eine Info für Schwester Marter. Vier Stunden später hauten mir die Wehen die Füße unterm Hintern weg. Trotz Nachfrage, ob sie mal nachschauen könnte um den unerklärlichen Druck auf meinen Darm abzuklären, schickte sie mich auf das WC. Ohne den besten Kerl wäre ich da wohl ohnmächtig geworden und würde dort heute noch liegen. Zurück von der Toilette, verlangte er nun sehr vehement nach einer Untersuchung. Sie wiegelte ab und schob mir einen grünen Hüpfball unter den bebenden Podex. Ich sprang entsetzt auf, weil ein unerträglicher Schmerz mich bis ins Mark traf. Verächtlich zog sie sich ein paar Einmalhandschuhe über, schubste mich auf das Bett:“Noh, dann schau ich äbben, wenn sie sich so anstellen.“ Sie schaute sich die Situation ein paar Sekunden an. Dann kam Bewegung in Sister Pain. Sie zog sich ein Ganzkörperkondom über, telefonierte mit der einen Hand, mit der anderen drückte sie mich auf das Bett.“Nicht pressen!“ herrschte sie mich an. Okay? Aber war ich denn nicht genau dafür hier? Der beste Kerl wurde blass. „Was passiert jetzt?“ „Noh, Kind kommt!“ „Jetzt??!!!!!!“ „Noh, ist schon Köpfchen da!“ Na toll, mein Kind wäre fast auf dem WC der Station geboren worden, hat dann einen grünen Ball ins Gesicht bekommen und ich war wegen dieser Gymnastikeinlage mal eben komplett gerissen. Vielleicht ist es im Nachhinein gar nicht so verwunderlich, dass er Fußballer und Weder Bremen Fan geworden ist? Mit der letzten Presswehe, enterte Dr. Aki den Raum, Schwester S. bekam eine Ansage, was an 12 cm und anrufen, nicht zu verstehen war?!, der immer noch blasse Kerl eine Nabelschnur zum trennen und ich eine Narkose, um mich untenrum neu zu verkabeln. Der beste Kerl bekam den besten Sohn zur Versorgung in die Hände gedrückt. Schlaues Kind, sobald die Hebamme des Grauens nach ihm griff, brüllte er wie am Spieß bis sein Papa ihn wieder nahm. Zufriedenes Schweigen.  Ich liebte diese beiden Kerle. Und ja , ich stand unter Narkose, Oxytocin, Adrenalin und, und, und, aber diese Haltung hielt an, mittlerweile unfassbare 17 Jahre.

Nachtrag: Keine Angst, das besagte Krankenhaus in dessen Belegbetten ich gelandet bin, hat seine Gynäkologie dankenswerter Weise geschlossen. Dr. Aki ist zurück an die Uniklinik, direkt nach meiner Entbindung. Aber das war nicht meine Schuld. Ehrlich.

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